Mi, 17. Jänner 2018

Eltern verzweifelt

29.07.2017 16:52

Venezuela: Ansturm auf die SOS-Kinderdörfer

Blutige Machtkämpfe zwischen der sozialistischen Regierung und der rechten Opposition und eine Hyperinflation von 800 Prozent haben den südamerikanischen Öl-Staat Venezuela in ein Chaosland verwandelt. Da die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln zusammengebrochen ist, steht der 30-Millionen-Staat am Rande einer Hungerkatastrophe. In ihrer Verzweiflung stürmen zahlreiche Eltern österreichische SOS-Kinderdörfer und geben ihre Kinder ab.

"Kinder fallen im Unterricht vor Hunger in Ohnmacht, und so suchen immer mehr Eltern unsere Kinderdörfer auf. Es geht nicht mehr um Erziehung oder Ausbildung, sondern nur noch um das absolut Notwendigste: das Essen!", sagt Jose Luis Benavides, nationaler SOS-Direktor.

Immer wieder Tote bei Protesten gegen Regierung
Ausgelöst durch den Verfall des Ölpreises sowie politische Gefechte zwischen der Regierung von Präsident Nicolas Maduro und der Opposition verschlimmert sich die Lage täglich. Bei Protesten werden immer wieder Menschen getötet.

Die Lage ist vor der von der Opposition boykottierten Wahl einer verfassungsgebenden Versammlung am Sonntag extrem angespannt. 232.000 Soldaten sollen die Wahl schützen, es werden Blockaden und Attacken auf Wahlzentren befürchtet. Die Opposition fürchtet den Umbau zu einer Diktatur Maduros über den Hebel der Verfassungsreform. Der Präsident wiederum wirft seinen Gegnern vor, Agenten der USA zu sein und einen "rechten Putsch" zu planen.

"Massiver Exodus nach Kolumbien"
Seit Monaten verlassen verzweifelte Menschen das Land, im Schnitt passieren pro Tag 25.000 Personen die Grenzbrücke Simon Bolivar, die das Land mit Cucuta in Kolumbien verbindet. Die kolumbianische Regierung will nun weiteren 200.000 Flüchtlingen einen Sonderaufenthaltsstatus gewähren. Derzeit leben rund 343.000 Venezolaner in Kolumbien, davon etwa 200.000 legal mit Visa oder einer dauerhaften Aufenthaltserlaubnis, bis zu 140.000 illegal. In kolumbianischen Medien ist von einem "massiven Exodus" die Rede.

SOS-Idee hilft Mädchen und Buben in 134 Ländern
Doch Millionen bleiben zurück und darben im Elend. "Internationale Solidarität der Gemeinschaft der Kinderdörfer in 134 Ländern ist jetzt besonders stärkend", sagt SOS-Kinderdorf-Sprecher Viktor Trager. Wie bei allen globalen Krisen unterstützt die österreichische SOS-Zentrale von Innsbruck aus auch Venezuela mit Logistik, Experten und Spenden.

Christoph Matzl, Kronen Zeitung/krone.at

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