Sa, 20. Jänner 2018

Wasser wird knapp

29.07.2017 07:20

Jahrtausende versorgt: Jetzt trocknet Rom aus

Einst wurden in der Ewigen Stadt die beeindruckendsten Wasserleitungen der Welt gebaut. Überall in Rom stehen sie noch, die Überreste der gigantischen Aquädukte. Doch die ruhmreichen Zeiten sind längst vorbei. Ausgerechnet hier, wo die alten Römer die Trinkwasserversorgung vor mehr als 2000 Jahren perfektionierten, sitzt die Millionenstadt mittlerweile auf dem Trockenen. Zwischendurch drohte sogar eine Rationierung des Wassers.

Wochenlange Hitze und keine einzige Regenwolke haben zu einer besorgniserregenden Lage geführt. Römern und Touristen droht sogar eine Rationierung des Trinkwassers. Viele Brunnen der Ewigen Stadt sind schon versiegt, so zum Beispiel das prächtige Wasserbecken an der Piazza del Popolo oder an der Piazza Repubblica im Zentrum.

"Schade, wenn Brunnen leer sind"
Auch die sogenannten Nasoni - die typischen "Nasenbrunnen" (Hydranten, die ständig laufen) - sollen nach und nach abgestellt werden. "Es ist schade, wenn die Brunnen leer sind, wegen denen man als Tourist auch nach Rom kommt", sagt eine Urlauberin aus München. "Aber wenn Wasser gespart werden muss, kann man das verstehen."

Kein Plätschern am Petersplatz
Selbst Papst Franziskus ist aktiv geworden und hat sämtliche Brunnen im Vatikan trockengelegt, auf dem Petersplatz ist das typische Plätschern verstummt. "Wassersparen im Sinn von Brunnen abschalten hat es meines Wissens im Vatikan noch nie gegeben", sagt Gudrun Sailer von Radio Vatikan. "Das Abschalten ist natürlich in erster Line eine symbolische Geste. In Rom einschließlich des Vatikan wird niemand verdursten, auch wenn alle Brunnen des Papstes weiterhin sprudeln würden."

Gestritten wird vor allem um eines: Rom bezieht acht Prozent seines Wassers aus dem nördlich gelegenen Braccianosee. Dessen Wasserstand ist allerdings wegen der Hitze und dem fehlenden Regen so stark abgesunken, dass eine Umweltkatastrophe droht, wie die Behörden warnten. Deshalb hatte die Region Latium dem Versorger Acea vorerst untersagt, von Freitagabend an weiter Wasser aus dem See zu pumpen. Mittlerweile wurde das Verbot allerdings wieder aufgehoben, vorerst erfolgt daher keine Rationierung des Wassers in der italienischen Hauptstadt. Allerdings wird die Acea laut Medienangaben nur noch die Hälfte der bisherigen Menge entnehmen können, die bisher aus dem See gepumpt worden war.

Marode Leitungen nicht saniert
Acea ist ein privates Unternehmen, das aber auch aus öffentlichen Geldern finanziert wird. Jahrelang wurde dort verschlafen, die maroden römischen Wasserleitungen zu sanieren. Italiens Umweltminister Gian Luca Galletti sagte, die Situation bereite ihm große Sorgen. Die Region, die Stadt und der Versorger würden hart daran arbeiten, dass Millionen Menschen nicht ohne Wasser dastünden. Wegen alter Leitungen gingen 40 Prozent des Wassers in Rom verloren, monierte er.

In diesem Jahr hat es bisher nur an 26 Tagen geregnet, im Vorjahreszeitraum waren es 88 Tage, berichteten italienische Medien. Hinzu kommt die politische Dimension: Die Region Latium, in der der Braccianosee liegt, wird von der sozialdemokratischen Partei geführt, Rom von der Fünf-Sterne-Bewegung. Politisches Gerangel sei einer der Gründe für die Notlage, schrieb die Zeitung "La Repubblica".

Großer Imageschaden für Rom
Da der Wassernotstand in Rom weltweit Schlagzeilen gemacht hat, sind auch die Touristiker in Sorge. "Der Imageschaden für Rom ist bereits geschehen", sagte der Präsident des römischen Hotelverbandes, Giuseppe Roscioli. "Wer gebucht hat, ruft beim Hotel an und fragt wie die Lage ist: Gibt es Wasser oder nicht?" Die großen Hotels könnten mit Zisternen versorgt werden - aber was sei mit den kleinen? Der Chef des Hassler-Luxushotels an der Spanischen Treppe fasst zusammen: "Es ist wie immer in der Hauptstadt: Es gibt keine Vorsorge, und dann schreit man Hilfe, Hilfe."

Der Blick in den Himmel verspricht jedenfalls keine Hilfe: Nächste Woche soll es bis zu 40 Grad heiß werden.

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