Fr, 20. April 2018

"Stadt der Engel"

29.07.2017 09:28

Schmutzige Geschäfte mit Millionen an Suchtkranken

Fabelhafte Glitzerwelt, internationale Filmmetropole, "City of Angels" (Stadt der Engel) - und Amerikas Hochburg der Obdachlosen. In keinem anderen Ballungsraum der Vereinigten Staaten leben so viele Menschen unter freiem Himmel wie in Los Angeles. Die Gründe dafür sind nicht nur persönliche Probleme der Betroffenen. Oft ist es die blanke Gier vermeintlicher Suchthilfezentren.

Kurz vor Sonnenuntergang tauchen sie auf, die schmutzigen Planen, die in den Parks rund um Venice Beach, in den Seitengassen der Melrose Avenue oder in der berüchtigten Skid Row in Downtown zwischen Palmen gespannt oder in Ecken drapiert werden. Es wird finster über der Stadt, die Temperaturen sinken selbst im Hochsommer merklich unter 20 Grad. Rund 60.000 Menschen werden auch heute wieder hier in Los Angeles auf offener Straße schlafen. Eine Gruppe wächst dabei besonders stark: die der 18 bis 24-jährigen Suchtkranken.

"Die Zahlen steigen. Wir sehen viele junge Frauen, junge Erwachsene. Neu ist auch, dass aktuell sehr viele Latinos plötzlich auf der Straße stehen", erklärt Professor Dr. Benjamin Henwood von der University of Southern California im "Krone"-Gespräch. Er ist einer der führenden Sozialforscher, die sich mit Obdachlosigkeit in Kalifornien auseinandersetzen. "Vor allem die steigenden Wohnungspreise setzen den Menschen zu. Ein Drittel aller Bewohner von Los Angeles geben an, Probleme zu haben, ihre Mieten zu bezahlen."

Video: Heilsarmee zeigt Leben der Obdachlosen

Suchtkranke sind Hunderttausende Dollar wert
Doch seit Anfang des Jahres werden auch schwere Vorwürfe gegen die sogenannte Reha-Industrie erhoben. Knapp 1200 Rehabilitationszentren für Suchtkranke gibt es in der Stadt, der Großteil davon leistet täglich wichtige Arbeit für die Betroffenen. Eine steigende Zahl an Therapieeinrichtungen jedoch sieht in den Drogensüchtigen nicht Patienten, sondern Hunderttausende Dollar: Denn wer nach Kalifornien kommt, kann sofort eine Versicherung abschließen.

Diese Versicherungen müssen seit Obamacare für Suchttherapie aufkommen - was den Zentren pro Patient bis zu 1000 Dollar pro Tag bringen kann. Allerdings zeitlich begrenzt: Oft enden die Zahlungen - und damit die Therapie - bereits nach einem Monat.

"Hier werden Menschen zu wirtschaftlichen Instrumenten", klagte der republikanische Abgeordnete Darrell Issa vor wenigen Wochen öffentlich. "Solange das Geld fließt, behalten sie die Süchtigen in ihren Zentren. Danach setzen sie sie auf die Straße." Dort reihen sich die fallen gelassenen Patienten in die langen Schlangen vor den Verteilzentren der "Salvation Army", der Heilsarmee, ein. Und überlegen, wo sie diese Nacht ihre Plane aufschlagen werden.

Paul Tikal
Paul Tikal

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Zweite deutsche Liga
Hinterseer rettet mit 13. Tor Punkt für Bochum
Fußball International
Busacca offen wie nie
Ex-Star-Schiri für Videobeweis - „Werden gekillt“
Fußball International
„Krone“-Interview
Hamdi Salihi, was wäre Wiener Neustadt ohne dich?
Fußball National
29. Erste-Liga-Runde
Neustadt, Ried & Hartberg im Sieges-Gleichschritt
Fußball National
Wurde nur 28 Jahre alt
DJ-Star Avicii im Oman tot aufgefunden
Stars & Society
18-köpfiges Gremium
BVT-U-Ausschuss: Bures übernimmt den Vorsitz
Österreich

Für den Newsletter anmelden