Do, 23. November 2017

Auf Sardinien

27.07.2017 11:13

Bereits Römer hatten mit Malaria zu kämpfen

Bisher war man davon ausgegangen, dass die durch Mücken übertragene Malaria erstmals im Mittelalter, also im Zeitraum zwischen 500 und 1500 nach Christus auf Sardinien Einzug hielt. Wissenschaftler der Universität Zürich lieferten nun jedoch Hinweise, dass bereits die alten Römer auf der Insel damit zu kämpfen hatten.

Weil sich die antike DNA des Malaria-Erregers selbst nur sehr schwer gewinnen lässt, untersuchten die Forscher um Claudia Vigano und Abigail Bouwman das Erbgut eines vor rund 2000 Jahren verstorbenen Römers auf Hinweise, dass sich die römische Bevölkerung genetisch an die Seuche angepasst haben könnte.

Bestimmte genetische Veränderungen stören den Aufbau der roten Blutkörperchen, in denen sich der Malaria-Parasit normalerweise einnistet, und verleihen so eine gewisse Immunität gegen die Krankheit. Diese genetischen Krankheiten werden auch Thalassämie genannt, und leichte Formen schränken die Gesundheit nicht stark ein.

"Erster dokumentierte Fall von genetischer Adaption an Malaria"
Solche genetischen Veränderungen sind auch heute noch in der Bevölkerung von Gegenden verbreitet, die früher Malaria-Gebiet waren, schrieb die Uni Zürich. So auch auf Sardinien, das seit den 1950er-Jahren malariafrei ist, und in anderen Regionen im Mittelmeerraum. Vigano, Bouwman und ihr Team entdeckten eine für Sardinien typische genetische Veränderung im Erbgut eines Römers, der im Zeitraum zwischen 300 und 100 vor Christus lebte. "Dies ist der erste dokumentierte Fall von genetischer Adaption an Malaria auf Sardinien überhaupt", erklärte Vigano. Zudem war der Römer offenbar Sarde und nicht erst kurz zuvor aus einem Malaria-Gebiet eingewandert.

Die Geschichte von Krankheiten spielt auch für die heutige medizinische Forschung eine Rolle. "Wir erforschen die Evolution heutiger Krankheiten wie Malaria, um zu klären, warum der menschliche Körper überhaupt krank wird und wie Anpassungen geschehen", erklärte Studienleiterin Bouwman.

Nach wie vor rund 400.000 Todesopfer pro Jahr
Trotz Fortschritten bei Prävention und Therapie fordert Malaria immer noch rund 400.000 Menschenleben pro Jahr. Besonders bei Kindern hat die Erkrankung oft tödliche Folgen. Derzeit ruhen große Hoffnungen auf der Entwicklung eines Impfstoffs. Bis dahin bleiben jedoch Moskitonetze und Insektizide gegen die Überträgermücken das beste Mittel der Prävention für die Bevölkerung von Malaria-Gebieten.

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Redaktion
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