"War den Tränen nah"

Wiener Jazzclub vor dem Aus: Spenden sollen retten

Das ZWE ist ein kleiner gemütlicher Jazzclub in Wien und Heimatstätte zahlreicher Liebhaberinnen von Jazz, Blues, Soul, Funk, Kunst und Kultur. Die Wohnzimmer-Atmosphäre mit Live Musik begeistert. Leider mehr Musiker als Gäste. Nun soll der Fortbestand des Lokals durch Spenden gesichert werden. City4U berichtet:

Am 29. September gibt es einen Grund zu feiern: Das "Zwe" ist dann nämlich zehn Jahre alt. Bis vor wenigen Wochen wäre ein solches Jubiläum für Inhaber Helmut "Zwe" Rainer noch undenkbar gewesen. "Der Masseverwalter stand bereits vor meiner Türe!", erzählt er im City4U-Interview. Der Grund: "Ich hab mich ein wenig verkalkuliert bei den Umbauten was den Schallschutz betrifft. Und dann sind leider die Gäste ausgeblieben. Im letzten halben Jahr hatte ich etwa einen Umsatzeinbruch von 50 Prozent! Leider." Denn, obwohl das "Zwe" unter den Musikern als beliebte Location gilt, kamen die Besucher nicht so wie erwartet.

Ein Traum
Das "Zwe": Sein Traum. "Ich wollte immer schon einen Jazz-Club. Und mit dem ersten Geld, welches übergeblieben ist, haben die Chefin (Anm. Red.: So nennt "Zwe" seine Frau liebevoll) und ich das Lokal dann übernommen." Seitdem ist er der Mann für alles. Von Tontechnik übers Kochen: Helmut legt überall selbst Hand an. "So spart man Kosten! Alles, was im Lokal passiert, mache ich. Alles, was außerhalb passiert, macht die Chefin. Sie ist toll!" Auch, und vor allem, weil sie nicht aufhört, an ihn und seinen Traum zu glauben, auch als es nicht mehr gut läuft, als "Alleinverdienerin" das Lokal weiter finanziert.

Ende August wäre der letzte Öffnungstag gewesen. "Ich wollte nicht zusperren, sondern hätte es schlichtweg einfach müssen! Bevor vor meine Frau noch die nächsten 100 Jahre zahlt..."

"Ich war den Tränen nahe!"
Rechzeitig: Die erfolgreiche Spendenaktion, an welcher sich bereits über 200 Personen beteiligten. "Die Spendenaktion hat nun bereits weitere eineinhalb Jahre ermöglicht!", so Helmut glücklich über den Erfolg. Initiiert wurde die Aktion dabei gar nicht von ihm selbst, sondern von Musikern, die regelmäßig bei ihm spielten. "Das ist natürlich ein Wahnsinn! Am Anfang war ich skeptisch. Dann, als ich gesehen habe, dass es funktioniert, den Tränen nahe!"

Nichtraucherlokal und Klimaanlage
"Nun packen wir natürlich noch einmal an!" Die Aktion eröffnet viele Möglichkeiten. "Wir haben Aufsehen erregt und möchten auf diesen Zug aufspringen und den Hype gleich nutzen, um auch gleich ein paar Veränderungen zu vollziehen." So wird das "Zwe" zukünftig etwa zum Nichtraucherlokal und eine Klimaanlage eingebaut. "Außerdem möchten wir den Schwung nutzen, um uns zu bemühen noch weitere Förderungen an Land ziehen!"

Prominente Unterstützer
Auch prominente Unterstützer befinden sich unter den Befürwortern des Clubs. So unter anderem auch die Wiener Sängerin Niddl: "Das Zwe ist einer der letzten und wichtigsten kleinen Clubs, wo Nachwuchsmusiker und auch andere Projekte eine kleine leistbare Bühne haben, um ihre Kunst zu präsentieren. Fährt man über die Grenzen von Österreich, findet man Bars und Lokale, wo live Musik gespielt wird. In einer Musikstadt, wie Wien es ist, sollten die letzten kleinen Musiklokale nicht sterben müssen!"

Ebenso wie die Wiener Sängerin Mel Verez: "Ich habe im ZWE öfters gesungen. Unter anderem mit den Cats in Town aus der Truppe von Rainer Gradischnigs "s'funktioniert". Die Clubbesitzer gehören zu den nettesten Menschen, die ich kennen gelernt habe. Sie sind erdig, engagiert und schätzen wirklich jeden Musiker so wie er ist. Wenn diese Location zusperren müsste, wär das ein Skandal für die wiener Musikszene!"

6 Tage offen!
Das "Zwe" hat sechs Tage in der Woche geöffnet. "Dienstag und Mittwoch laden wir zur Open-Stage. Hier kann jeder, der will, kommen und performen. Gratis. Auch wenn er kein Instrument hat. Wir haben alles vor Ort!"

Helmut freut sich über Besuch. Hoffentlich noch lange.

"Das ZWE ist mein Wohnzimmer. Ich bin der einzige Wiener, der vom Wohnzimmer ins Schlafzimmer mit dem Auto fährt!", so Helmut "Zwe" Reiner. "Mir ist egal, ob ich damit Geld verdiene oder nicht. Ich habe mit dem Lokal auch viel soziale Verantwortung übernommen. Freiwillig aufhören? Würde ich nie!"

Genau aus diesem Grund freut man sich auch über noch mehr Unterstützer.


Wo: Flossgaße 4, 1020 Wien, geöffnet ab 18 Uhr

Julia Ichner
Redakteurin
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