Do, 23. November 2017

Großbauer-Interview

23.07.2017 09:35

„Kurz spricht genauso auch unangenehme Dinge an“

Vor wenigen Tagen präsentierte Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) Maria Großbauer als Mitstreiterin seiner Bewegung. Sie soll für den Kunst- und Kulturbereich zuständig sein. "Krone"-ADABEI Norman Schenz traf die Opernball-Organisatorin in der Festspielstadt Salzburg und sprach mit ihr über den Wechsel vom Society- auf das Politparkett, ob sie 2018 noch Opernball-Chefin sein wird und warum es für Gabalier und Netrebko einen gemeinsamen Nenner gibt.

"Krone": Waren Sie schon immer ein politisch interessierter Mensch?
Maria Großbauer: Natürlich. Weil ich ein Mensch bin, der sich für sein Umfeld interessiert, es beobachtet. Und dann ist man auch in einer gewissen Art politisch. Und Politik ist für mich dafür da, um zu gestalten und zu formen, oder zumindest die Rahmenbedingungen dafür herzustellen. Und gerade im Kunst- und Kulturbereich, in dem ich mich bewege, wird viel diskutiert und hinterfragt.

Ihr Vater war Philharmoniker, Ihr Ehemann ist aktives Mitglied - die Kultur ist Ihnen quasi in die Wiege gelegt worden.
Es hängt alles zusammen - eine schöne Grundbasis, die ich dadurch bekommen und erfahren habe. Und zwar in viele Richtungen. Zwar ist mein Vater in der klassischen Musik daheim, aber wir haben genauso Volksmusik oder Blasmusik, die bei uns eine wichtige Rolle gespielt haben. Ich habe ja selbst 16 Jahre lang Querflöte gespielt, später dann Saxophon. Deswegen bin ich aufgewachsen mit dem Gefühl, dass es nicht nur Volkskultur oder Hochkultur gibt. Sondern eine Gesamtkultur. Und es ist bei uns eine gute Kultur, in vielerlei Hinsicht.

Aber es gibt eine Kluft zwischen einem Andreas Gabalier und einer Anna Netrebko.
Für manche leider ja. Für mich nicht unbedingt, und auch viele Künstler haben längst damit begonnen, durch sogenannte Crossover diese Grenzen aufzuweichen. Das ist wichtig und zeigt die Vielfalt unserer Kultur.

Wie kamen Sie in Verhandlungen mit Sebastian Kurz?
Das war vor eineinhalb Jahren im Zuge der Vorbereitungen für den Opernball. Ich bin damals aktiv auf ihn zugegangen und habe mit ihm darüber geredet, dass der Opernball nicht nur unser Staatsball, sondern auch ein Aushängeschild unseres Landes ist. Es war ein tolles Gespräch, ich kannte ihn ja nicht davor. Er war sehr unterhaltsam, sehr kooperativ in der Sache und sehr aufgeschlossen.

Was war ausschlaggebend dafür, "Ja" zu sagen?
Ich brenne für die Kunst und die Kultur! Darüber hinaus ist es eine spannende Materie, und ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig es oft für Künstler ist, wenn man für nur 50 Euro am Abend auftritt und trotzdem weitermacht. Weil man es liebt. Aber natürlich kann man bei den Rahmenbedingungen, die Künstler in unserem Land derzeit haben, noch einiges verbessern. Man kann Dinge vereinfachen, Strukturen aufweichen. Und es ist nicht so, dass Österreich kein tolles Land mit großartigen Menschen ist. Aber ich will, dass das auch künftig noch so ist. Und deswegen bin ich gerade mit vielen Menschen in Kontakt, sammle Eindrücke, aus denen heraus ich dann in Kürze Resultate präsentieren werde. Das Schöne daran ist, dass Sebastian Kurz das auch verändern will. Er spricht genauso auch unangenehme Dinge an, macht das aber konstruktiv. Auch das ist übrigens eine Art von Kultur.

Im Video: Opernball-Chefin Großbauer tritt für Kurz an

Jetzt ist der Opernball schon eine riesige Aufgabe, wie passt da Ihr Leben als Unterstützerin von Sebastian Kurz auch noch hinein?
Ja, das geht gut. Viele Nationalratsabgeordnete haben nebenbei ja auch Beschäftigungen. Darüber hinaus ist die Aufgabe der Opernball-Gastgeberin eine ehrenamtliche, die aber natürlich einer Management-Aufgabe gleichkommt.

Was hat Ihr Mann gesagt?
Er hat sich gefreut für mich, hat mir seine Unterstützung zugesagt. Wir machen das seit jeher. Auch dass wir ein gemeinsames Kind haben, ist eine Herausforderung. Aber das wissen alle Mütter und alle Väter - man muss sich gut organisieren. Zusätzlich ist Hilfe von außen, großartigen Großeltern, enorm wichtig. Meinen größten Respekt haben alleinerziehende Menschen. Es läuft auf das hinaus, dass man ein gutes Team braucht.

Wie war die Resonanz des Umfeldes? In den Social Media wurden Sie angegriffen.
In unserer Zeit sind soziale Medien wichtig geworden. Es ist aber so, dass gute Dinge auch ihre Schattenseiten haben. Natürlich ist es wichtig, dass Menschen ihre Meinung sagen - aber man darf auch einiges einfach nicht persönlich und schon gar nicht sich zu Herzen nehmen. Aber das hatte ich ja bereits beim Opernball einmal erlebt.

Muss man ein dickeres Fell als in der Gesellschaft haben, um in der Politik überleben zu können?
Ich vermute, dass das so sein muss. Aber ich kann Ihnen versichern, dass ich mich davon nicht abhalten lassen werde. Ich möchte mich auf meine Themen konzentrieren, um meine Sachen kümmern. Aber ja, ich werde mir vermutlich an manchen Stellen noch ein wenig mehr Hornhaut zulegen müssen ...

Eine Ihrer Amtsvorgängerinnen, Lotte Tobisch, hat den NEOS ihre Unterstützung zugesagt. Und schon gab es einen Seitenhieb, der lautete: "Für alle, die bisher auch nicht wussten, wer derzeit den Opernball organisiert - das Original unterstützt lieber NEOS." Haben Sie mit Frau Tobisch seither eigentlich gesprochen?
Nein, wir haben seither nicht gesprochen, aber ich habe mich sehr amüsiert.

Im Video: Grande Dame des Opernballs tanzt jetzt mit den NEOS

Wenn am 15. Oktober die Würfel zugunsten von Sebastian Kurz fallen, wird das Ihre berufliche Laufbahn wie verändern?
Für mich gilt es jetzt primär, mit dem Team alle Themen zu erarbeiten, damit wir im September ein tolles Programm vorlegen können. Die Arbeit zum Opernball ist übrigens schon sehr weit fortgeschritten, denn nach dem Ball ist vor dem Ball. Was nicht vor dem Sommer erledigt ist, das wird dann meistens auch danach nichts mehr. Der Herbst ist primär der Umsetzung zugeschrieben, weshalb ich meine Aufgabe als Kultursprecherin aufnehmen kann und als Sprachrohr der Künstler und des künstlerischen Umfelds fungieren kann. Auch muss man sich darum kümmern, wie es derzeit in den Schulen funktioniert. Inwieweit werden den Kindern verschiedene Kunstrichtungen nähergebracht - dazu gilt es sich viel zu überlegen.

Am 8. Februar 2018 werden Sie als Gast oder als Gastgeberin beim Opernball sein?
Im Moment als Gastgeberin.

Norman Schenz, Kronen Zeitung

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