Mo, 23. April 2018

Gewitter in Bergen

22.07.2017 16:44

Blitzopfer: "Habe mich gegen den Tod gewehrt"

"Ich konnte mich nicht bewegen, aber ich habe mich gegen den Tod gewehrt!" - So dramatisch schildert der Bergsteiger Christoph Zweimüller (42) aus Ried im Innkreis, wie er mit seiner Freundin Dijana (37) auf der Tiroler Nordkette gleich dreimal vom Blitz gestreift wurde. Der Schock sitzt bei dem Paar aus Oberösterreich noch sehr tief, auch wenn es körperlich wieder gesund ist.

"Krone": Einige Tage sind seit dem Horror-Erlebnis vergangen - wie geht es Ihnen jetzt?
Christoph Zweimüller: Mir geht es halbwegs gut, ich will das Erlebnis so schnell wie möglich abschütteln. Aber meine Freundin ist noch sehr geschockt, fürchtet sich bei jedem Gewitter sehr. Vielleicht werden wir psychologische Hilfe in Anspruch nehmen.

Sie sind erfahrener Bergsteiger, warum gerieten Sie in das schwere Unwetter?
Wir haben uns die Route gut angeschaut und uns vorbereitet, wollten auch nach vier Stunden absteigen, fanden aber keine sichere Möglichkeit. Da zogen auf einmal die Wolken auf - wir haben uns flach hingelegt und uns ins Stahlseil eingehängt.

Und schon blitzte es?
50 Meter von uns entfernt schlug der erste Blitz ein. Ich hab geglaubt, es ist vorbei mit uns. Es war, als würde ich von innen heraus explodieren, es hat uns richtig ausgehoben. Meine Freundin schrie: "Ich brenne, ich brenne", schüttete sich in Panik Wasser über den Rücken. Dann haben wir gehofft und gebetet.

Es war aber noch lange nicht vorbei?
Der nächste Blitz schlug direkt bei meinen Füßen ein, sprengte Gesteinsbrocken aus dem Berg. Ein dritter Blitz kam dann noch oberhalb von uns herunter.

Und die Bergrettung?
Die waren wahnsinnig schnell und holten uns mit zwei Hubschraubern raus.

Im Spital in Innsbruck wurden Sie durchgecheckt?
Ja, wobei mir nichts passiert ist, aber Dijana hatte Herzrasen, hohen Ruhepuls.

Traut man sich nach so etwas je wieder auf den Berg?
Ich schon, aber bei meiner Freundin dauert es noch. Es war ein Wunder, dass wir überlebt haben.

Jasmin Gaderer, Kronen Zeitung

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