Sa, 20. Jänner 2018

Rechtliche Grauzone

21.07.2017 13:02

Sicherheitspaket: Grüne warnen vor Bundestrojaner

Die Grünen warnen im Zuge des geplanten "Sicherheitspakets" vor der Einführung eines Bundestrojaners. Denn durch den Einsatz von Spionagesoftware steige der Staat in das Geschäft mit Sicherheitslücken ein, sagte Grünen-Klubobmann Albert Steinhauser am Freitag gegenüber Journalisten. Mit dem in Begutachtung befindlichen Sicherheitspaket soll Behörden mittels Software Zugriff auf die Internetkommunikation von Nutzern ermöglicht werden.

Steinhauser kritisierte ÖVP-Vizekanzler Wolfgang Brandstetter: Der Justizminister habe die Öffentlichkeit getäuscht als er davon gesprochen habe, dass nur Messengerdienste wie WhatsApp überwacht werden sollen. "Tatsache ist, dass was er vorschlägt, ist ein Bundestrojaner".

Es sei der gesamte Internetverkehr betroffen, also auch Passwörter, Kalenderdaten, Fotos und Telefonbücher und persönliche Notizen, wenn sie in der Cloud abgespeichert werden. Brandstetter habe bei der Vorstellung des Sicherheitspakets wesentliche Fakten weggelassen. Steinhauser forderte ihn und Innenminister Wolfgang Sobokta auf, das Paket zurückzuziehen. Die Parlamentsmehrheit sei ohnehin fraglich.

Als politisch besonders heikel erachtet Steinhauser, dass die Software nicht nur manuell, sondern auch von außen installiert werden können soll. Für diesen Fernzugriff brauche es Sicherheitslücken, für die es einen Schwarzmarkt gibt. Für den Rechtsstaat sei diese rechtliche Grauzone "Gift", so Steinhauser. Der Staat habe dann ein Interesse daran, Sicherheitslücken nicht zu schließen, sondern zu benützen.

"Massiver Eingriff in die Grundrechte aller Bürger"
Der Einsatz des Trojaners unterliege auch keiner Kontrolle, da die Quellcodes nicht offengelegt werden. "Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird im Dunklen bleiben, was der Bundestrojaner wirklich kann", sagte Steinhauser. Das ganze Paket sei "Sicherheitspopulismus" und greife massiv in die Grundrechte aller Bürger ein, so der Grüne-Klubchef.

Steinhauser bezweifelt darüber hinaus auch die Zweckmäßigkeit der Trojanersoftware im Kampf gegen den Terror. Denn wer sich wirklich schützen will, telefoniert mit jedem Handy nur einmal. Außerdem sei bei einem Zurücksetzen des Smartphones auf die Werkseinstellung der Trojaner in der Regel auch gelöscht.

Experte fordert gesellschaftliche Debatte
Reinhard Kreissl vom Vienna Centre of Societal Security forderte eine gesellschaftliche Debatte über das Thema Überwachung. Natürlich gebe es Situationen, in denen der Staat zur Verbrechensaufklärung auf Überwachungsmaßnahmen angewiesen ist. Kreissl bemängelte aber, dass beim aktuell geplanten Sicherheitspaket keine Interessensabwägung stattgefunden habe. Es fehle ihm die Diskussion, auch was Alternativen zu einem Bundestrojaner betrifft.

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