Mi, 17. Jänner 2018

Schock für Urlauber

21.07.2017 07:41

Deutsche Familie auf Weide von Kuhherde überrannt

Diesen Urlaub wird Familie H. aus der Nähe von Leipzig im deutschen Sachsen nicht so schnell vergessen: Auf dem Rückweg vom Grünwaldkopfsee im Salzburger Obertauern wurden die Mutter und ihre eineinhalbjährige Tochter von mehreren Kühen überrannt. Dank zahlreicher Schutzengel kamen sie mit nicht allzu schweren Verletzungen davon.

"Wir lieben Österreich, waren schon oft zum Skifahren da. Und heuer verbrachten wir das dritte Mal auch die Sommerferien hier", schildert Marcus H. (35). Eigentlich hätte die Familie bis zum Samstag in Obertauern bleiben sollen, doch nach dem gefährlichen Zwischenfall bei einer Wanderung am Mittwoch reisten die Deutschen noch am selben Abend ab.

"Wir haben uns ganz ruhig verhalten"
"Wir - also ich, meine Frau Kathrin, unsere eineinhalbjährige Tochter Luisa und unsere vierjährige Paula - sind am Mittwoch mit der Gondelbahn hinaufgefahren und zum Grünwaldkopfsee gewandert. Schon beim Hinweg kamen wir auf dem Wanderweg an einer Kuhherde vorbei. Wir haben uns ganz ruhig verhalten und die Tiere haben uns ignoriert. Sie waren ganz friedlich", erzählt Marcus H.

Am See selbst hätten die Kinder dann eine große Freude gehabt. "Wir sind mit einem Paddelboot herumgefahren. Das hat ihnen natürlich Spaß gemacht. Und das Wetter war ja auch so herrlich."

Kühe wollten nur das Kälbchen beschützen
Bis dahin war es einer der schönsten Urlaubstage für die junge Familie. Doch auf dem Rückweg kam es dann zum Unglück. "Wir mussten wieder bei der Kuhherde vorbei. Kathrin und ich trugen die Kleinen jeweils in einem Rucksack am Rücken. Knapp 15 Meter vom Weg entfernt stand ein ganz junges Kälbchen. Und das hat sich offenbar bei unserem Anblick erschreckt", erinnert sich der 35-Jährige.

Die Mutterkuh marschierte umgehend auf ihn zu und schubste ihn samt Töchterchen Paula um. "Uns ist nichts passiert, aber meine Frau wollte die Kuh natürlich wegscheuchen und da ist das Tier plötzlich auf sie losgegangen."

"Habe meine Frau und mein Kind nicht mehr sehen können"
Das Tier, das nur sein Kalb beschützen wollte, trampelte Kathrin H. (31) und Töchterchen Luisa nieder. "Dann sind noch vier weitere Kühe über sie drübergerannt, gleich mehrmals. Ich habe meine Frau und mein Kind vor lauter Rindern gar nicht mehr sehen können. Als die Tiere endlich weggingen, lagen beide blutüberströmt am Boden."

Die Familie hatte Todesängste ausgestanden. "Meine Frau hat sich anfangs genauso ruhig verhalten wie ich. Erst als die Kühe schon wieder ein bisschen entfernt waren, habe ich die Kathrin und die Luisa ganz langsam weggezogen. Ich habe dann per Handy Hilfe gerufen. Die Mitarbeiter der Bergbahnen haben uns dann auch gleich mit einem Wagen abgeholt und ins Tal gebracht", erzählt Marcus H. Auch Zeugen waren der jungen Familie nach dem Angriff zu Hilfe geeilt.

Abschürfungen, Platzwunde, Prellungen
Im Tal warteten bereits der Notarzt und ein Rettungswagen. Kathrin H. und Luisa wurden ins Ärztezentrum in Radstadt gebracht. Ihre Abschürfungen und Prellungen wurden dort sofort versorgt. "Da haben wirklich viele Schutzengel auf meine Frau und auf unsere Luisa aufgepasst. Das hätte viel schlimmer werden können. Aber Gott sei Dank ist es glimpflich ausgegangen."

In Obertauern bleiben wollte die Familie nach dem Vorfall nicht mehr. "Meine Mutter ist Ärztin und sie wollte Luisa und Kathrin unbedingt untersuchen. Deswegen sind wir noch am Mittwochabend nach Hause gefahren", sagt Marcus H.

Seine Mutter war mit der Wundversorgung - Luisa hat eine Platzwunde am Kopf erlitten - zufrieden. "Wir hatten einen Schock, aber jetzt geht es uns allen wieder gut", so der 35-Jährige. Österreich will er trotz allem treu bleiben. Und auch gegen die Tiere hegt er keinen Groll. "Das ist ganz normal, dass die das Kalb beschützen."

Manuela Kappes, Kronen Zeitung

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