Do, 19. April 2018

Neues Online-Archiv

20.07.2017 12:09

Zeitzeugen als Kulturerbe des Kaunertales

Es ist ein bemerkenswertes Projekt, das bis 2019 im Kaunertal läuft. Dort wird ein Online-Archiv mit Erzählungen von Talbewohnern aufgebaut. Besonderheiten über Alltägliches! Mehr als hundert Geschichten sind jetzt abrufbar. Doch es sollen noch viel mehr werden. Auch der Bundespräsident wird zu Wort kommen.

Andi Braunhofer ist seit 38 Jahren Hirte auf der Birg-Alm. Wie er sich die Namen von 400 Rindern und die Eigenheit jedes Tieres merken kann, das erzählte er dem deutschen Filmemacher und Fotografen Thomas Junker. Der hat mittlerweile mehr als 60 Kaunertaler interviewt und ihre Geschichten über Krieg und Frieden, übers Leben im Steilhang und mit den Naturgewalten gesammelt. Daraus ist ein Film entstanden - und jetzt ein EU-gefördertes Zeitzeugen-Archiv, bei dem Talgemeinden und Tourismusverband mit im Boot sind.

"102 Einzelgeschichten haben wir schon ins Online-Archiv gestellt. Aber es gibt noch so viel mehr zu sagen über diesen einzigartigen Kulturraum. Bis 2019 wollen wir an die 120 Zeitzeugen und 800 Geschichten sammeln", kam Junker ins Schwärmen, als er am Mittwoch in den historischen Ögg Höfen bei Feichten das Online-Archiv (www.kaunertaler-zeitzeugen.at) freischaltete. Touristiker Charly Hafele hat den Filmemacher für das Projekt begeistert. Gemeinsam haben sie die Welt bereist, den Nordpol gesehen und in China eine ganz andere Kultur erforscht. Wohl auch deshalb reifte das Bewusstsein, wie wichtig das Bewahren regionaler Identität in einer Welt ist, in der für Individualität immer weniger Platz bleibt.

Wortkarge Bergler und ein Bundespräsident

"I tu’ mir halt leichter, mit den Einheimischen ins Gespräch zu kommen als ein Piefke", meint Hafele mit Augenzwinkern über seine Motivation, mit Junker sein Heimattal aus einem neuen Blickwinkel zu erkunden. Es funktioniert: auch ansonsten wortkarge Bergler vertrauen Hafele und Junker wahre Schätze der Alltagskultur an. Da wird erzählt, wie die Amerikaner nach dem Krieg eine Lawine mit Benzin zu sprengen versuchten. Und wie ein Flüchtlingskind namens Alexander Van der Bellen ins Tal kam. Der heutige Bundespräsident wird einer der nächsten Interview-Partner von Junker sein. Was er zu berichten hat, ist ein Puzzlestein von vielen, die das Zeitzeugen-Archiv zu einem einzigartigen Kulturerbe machen.

Claudia Thurner, Kronen Zeitung

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