Di, 16. Jänner 2018

"Valerian"

19.07.2017 10:32

Wahnwitziger Euro-Trash von Kult-Regisseur Besson

Mit "Valerian" (Kinostart: 20. Juli) wagt sich der französische Kultregisseur Luc Besson 20 Jahre nach dem berauschenden "Das fünfte Element" erneut in die Weiten des Weltalls: Diesmal müssen Dane DeHaan und Cara Delevingne als intergalaktisches Agenten-Duo die titelgebende "Stadt der tausend Planeten" vor dem Untergang retten. Mit einem Budget von 180 Millionen Dollar ist die Science-Fiction-Oper die teuerste europäische Produktion aller Zeiten - die zwar eine unterhaltsame Alternative zum US-Blockbusterkino bietet, aber letztlich poppig-bunter Euro-Trash in Hochglanz-Politur und vielen unfreiwilligen Lachern bleibt.

In einer fernen Zukunft sind Valerian (Dane DeHaan, "A Cure for Wellness") und Laureline (Cara Delevingne, "Suicide Squad") als Agenten im Auftrag der Regierung der menschlichen Territorien im Weltall im Einsatz. Nach der anfänglichen Sicherstellung eines gestohlenen, äußerst wertvollen Objekts aus den schleimigen Händen eines Alien-Gauners steuern die eigenwilligen Weltraum-Beamten auf die Raumstation Alpha zu, die Stadt der tausend Planeten.

Die gigantische Station im All dient Menschen und unzähligen außerirdischen Spezies als Lebensraum und Handelstreffpunkt. Doch eine unbekannte Gefahr bedroht die friedliche Koexistenz auf Alpha, als sich plötzlich radioaktive Strahlung im Kern der Stadt auszubreiten beginnt. Eindeutig ein Fall für die Weltraum-Agenten Valerian und Laureline, die den Zuseher auf ein atemloses Spiel gegen die Zeit entführen. Mehr soll von der streckenweise konfusen Handlung des Films nicht verraten werden.

Geschichte wäre als Serie auf Netflix besser aufgehoben
Den neuen Film von Luc Besson überhaupt einen Film zu nennen, ist eigentlich falsch: Vielmehr liefert der französische Kultregisseur mit "Valerian" 20 Jahre nach seinem genial-trashigen Sci-Fi-Epos "Das fünfte Element" eine Aneinanderreihung an einzelnen Episoden kunterbunter Weltraum-Abenteuer. So wäre der Stoff, eine französische Comic-Reihe aus den 60- und 70-Jahren dient Besson als Vorlage, vielleicht besser als mehrteilige Serie bei einem Streaming-Dienst wie Netflix oder Amazon aufgehoben gewesen.

Ein Lied gleich zu Beginn des Films gibt den Problem-Ton an: Zum außerirdisch-anmutenden Gesang von David Bowies "Space Oddity" schütteln sich auf der Weltraumstation Alpha in der Erdumlaufbahn in einer Zeitraffer-Montage zunächst die Vertreter der unterschiedlichen Erdennationen und schließlich Menschen und skurril-bizarre Außerirdische die Hände. Bis die Station in einer fernen Zukunft ihre Reise ins Weltall antritt - weil sie angesichts ihres anhaltenden Wachstums zu einer Gefahr für Mutter Erde werden droht.

Die Tatsache, dass der 58-jährige Besson auf die üblichen Texteinblendungen oder eine Erzählstimme aus dem Off verzichtet, um den Zuseher mit der Welt von "Die Stadt der tausend Planeten" vertraut zu machen, ist erfrischend und frustrierend zugleich. Erfrischend, weil die belehrenden Textpassagen meist staubtrocken und fad rüberkommen und deshalb verzichtbar sind, frustrierend, weil "Valerian" dem Kinobesucher Erklärungen für das Gezeigte konsequent verweigert. Lediglich eine einzelne Szene am Ende des ersten Akts erfüllt die Aufgabe des leidigen, sogenannten Info-Dumpings - jedoch viel zu spät, um wirklich zum besseren Verständnis beizutragen.

Aber zurück zur Bowie-Nummer: Dass sich der Filmemache eingangs ausgerechnet "Space Oddity" des verstorbenen Meisters bedient, kommt einer musikalischen Holzhammer-Methodik gleich. Wo Regisseure wie Quentin Tarantino oder zuletzt auch James Gunn in seinen beiden "Guardians of the Galaxy"-Filmen mit eklektischen Soundtracks für Gänsehaut-Momente sorgen, wirkt Bessons musikalische Wahl einfach zu sehr aufs Auge gedrückt. Oder besser: ins Ohr gedrückt. So hatte Gunn etwa verraten, bei den "Guardians" bewusst auf die spacige Bowie-Nummer verzichtet zu haben.

Auch Trash hat seinen eigenen Charme
Was nicht heißen soll, dass "Valerian" zumindest streckenweise keine gute Kino-Unterhaltung bietet. Auch Trash hat seinen eigenen Charme, von dem in Bessons Space-Oper mehr als genug versprüht wird. Einige der vermanschten Storyelemente können, vor allem ihn ihrer visuellen Opulenz und ihrem kindlich-verspielten Feeling, durchaus überzeugen.

Hervorzustreichen wäre an diese Stelle etwa die erste Mission der beiden Weltraum-Agenten Valerian und Laureline zu Beginn des Films auf einem schwindelerregend-großen intergalaktischen Bazar und eine wilde Verfolgungsjagd durch das Innere von Alpha. Andere Szenen wollen sich hingegen beim besten Willen nicht krampflos in das große Ganze fügen - worunter der Erzählfluss und in Folge auch das Publikum angesichts einer Filmlänge deutlich über der Zwei-Stunden-Grenze zwangsläufig leiden muss.

Mitschuld, dass der Film immer wieder ins Stolpern gerät, sind neben Hauptverantwortlichem Luc Besson, dem vor allem eine helfende Hand beim Schreiben des Drehbuchs nicht geschadet hätte, leider auch die Darsteller. Dane DeHaan und Cara Delevingne versuchen zwar das Beste aus den teils lachkrampf-induzierenden, teils peinlichen Dialogen aus der Feder Bessons zu holen - scheitern dabei aber in fast jeder Hinsicht.

Dan DeHaan als Valerian eine Fehlbesetzung
Vor allem DeHaan kann in der Rolle des titelgebenden Agenten Valerian nicht überzeugen. Gut vorstellbar, dass Besson einen Schauspieler vergleichbar mit einem jungen Leonardo DiCaprio für die Rolle im Kopf hatte, sich aber mit einem deutlich kleineren Kaliber zufrieden geben musste. DeHaan als junger, machohafter aber doch liebenswürdiger Weltraum-Beamte/Haudegen ist definitiv eine Fehlbesetzung. Chris Pratt etwa macht als Star-Lord in "Guardians of the Galaxy" vor, wie eine solche Figur - perfektioniert von Harrison Ford in seinen Rollen als Han Solo und Indiana Jones - im 21. Jahrhundert angelegt werden muss, um nicht zur bloßen Witzfigur zu verkommen.

Daneben schlägt sich Delevingne als Valerians Partnerin Laureline - und eigentliche Hauptfigur des Films - eigentlich recht wacker, wird aber leider in der hin- und herspringenden Handlung letztlich in zunehmenden Maß zu einer Nebenrolle degradiert. Vielleicht hätte die junge Französin mit einem passenderen Partner als DeHaan in der eigentlich vielversprechenden Rolle der Weltraum-Agentin brillieren können. Unverständlich auch, warum Laureline anders als bei der Comic-Vorlage für den Film aus dem Titel gestrichen wurde.

Auch Popstar Rihanna kann als blaues Alien "Bubble" nicht punkten
Die starbesetzten Nebenrollen, darunter Hollywood-Größen Ethan Hawke als Barbesitzer/Zuhälter und Clive Owen als hartgesottener Commander, zählen leider auch nicht zu den Highlights des Films. Besonders schmerzhaft der Auftritt von Popstar Rihanna als formwandelndes Alien-Showgirl Bubble. Schmerzhaft auch deshalb, weil es zwischen der Sängerin und DeHaan trotz peinlicher Dialogsequenzen deutlich stärker prickelt, als zwischen DeHaans Valerian und Delevingnes Laureline - die der Agent immerhin heiraten möchte, wie er immer wieder beteuert.

Fazit: Knallbunter, abenteuerlustiger Euro-Trash mit Hochglanzpolitur, der nur so vor visuellen "Wow"-Effekten strotzt, auch wenn bei Regisseur Luc Besson der Lack runter ist. An den Kultfilm "Das fünfte Element" kann "Valerian" visuell anknüpfen - kein Wunder bei einem Budget von rund 180 Millionen Dollar -, bleibt aber in jeder anderen Hinsicht deutlich hinter dem 20 Jahre älteren Bruder im Geiste zurück. Wo "Valerian" aber eindeutig die Nase vorn hat: die Zahl der unfreiwilligen Lacher.

Harald Dragan
Redakteur
Harald Dragan
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