Di, 21. November 2017

„Sven-Hedin-Klappe“

18.07.2017 17:19

VW Crafter als Camper braucht eine clevere Lösung

"Was nicht passt, wird passend gemacht." Dieser Wahlspruch ist eine gute Leitlinie beim Wohnmobilausbau - und offenbar die Maxime bei Westfalia: Dort hat man sich für die Neuauflage des "Sven Hedin" den brandneuen VW Crafter als Basisfahrzeug geschnappt und ihm ein zwei Meter breites Querbett eingebaut - obwohl das Fahrzeug nur 1,83 Meter breit ist. Geht nicht? Geht schon.

"Sven Hedin" ist ein Klassiker unter den Campingbussen, ursprünglich, vor fast 40 Jahren, ein VW LT28, später VW Crafter und Mercedes Sprinter. Jetzt also wieder ein Volkswagen, und gleich der modernste Kleintransporter, der derzeit am Markt ist. Immerhin gilt Westfalia als einer der Wegbereiter in der Reisemobil-Branche. Dort haben sie schon 1951 mit der "Camping Box" einen VW-Transporter mit einer Wohneinrichtung versehen.

Westfalias Neuer ist der insgesamt bisher dritte Campingbus auf Crafter-Basis, neben dem Florida Multitalent von Schwabenmobil und dem Knaus BoxDrive. Der in Polen produzierte Crafter bietet sich mit seinem Pkw-ähnlichen Cockpit, hervorragenden Fahreigenschaften sowie einem automatischen Doppelkupplungsgetriebe als idealer Partner für das wohnmobile Reisen geradezu an. Zumal die erstmals eingesetzte elektromechanische Lenkung den Einsatz einer ganzen Armada von Assistenzsystemen ermöglicht, die bis dato in der Transporterwelt unbekannt waren.

Allerdings hat der Crafter auch einen Nachteil: Seine geringe Breite, die im Heckbereich gerade einmal 1,83 Meter beträgt. Ein dort quer eingebautes Doppelbett, wie es in kompakten Fahrzeugen aus Platzgründen gefragt ist, würde reichlich kurz geraten. Westfalia hat sich dazu allerdings eine Lösung einfallen lassen und auch gleich zum Patent angemeldet: ein Pop-Out. Ein isoliertes GfK-Teil, das im Fahrbetrieb mit der Karosserie abschließt und damit weder die Fahrzeugoptik stört, noch aerodynamische Einbußen beschert, fährt im Bedarfsfall auf Knopfdruck nach außen und verlängert die Schlafkoje auf ein stattliches Längenmaß von rund zwei Metern.

Innen wird der etwa ein Meter breite Platzgewinn mit einem Schaumstoffpolster gefüllt. Wird das Bett nicht mehr gebraucht, fährt der Pop-Out wieder ein und am Reisemobil ist nichts zu erkennen.

Die Westfalen, die sich selbst gern als der "Erfinder des Reisemobils" bezeichnen, haben aber noch andere pfiffige Lösungen parat. So lassen sich die Betthälften nach oben klappen oder gar völlig herausnehmen, womit sich der Sven Hedin im Alltag in ein geräumiges Transportmobil verwandelt. Und selbst wenn der Bettunterbau mit den Tellerfedern und die Matratze an Bord bleiben, ist genügend Stauraum für zwei Fahrräder vorhanden.

Auch wenn der Grundriss ansonsten das gewohnte Muster zeigt, wartet der Sven Hedin noch mit weiteren Besonderheiten auf. So setzt Westfalia auf eine dieselbetriebene Warmwasserheizung. Das reduziert den Brennstoffmix, und da Gas nur noch zum Kochen benötigt wird, reicht eine kleine 2,5-Kilogramm-Flasche.

Den schmalen Leichtbau-Küchenblock haben die Westfalen sogar gemeinsam mit den renommierten Zubehörherstellern Dometic und Vöhringer entwickelt. Er beherbergt einen 70 Liter fassenden Kompressor-Kühlschrank, der sich in Schubladenform Richtung Beifahrersitz öffnen lässt, was wiederum einem besseren Raumgefühl im Wohnbereich zugutekommt. Bemerkenswert auch der in dieser Klasse üppig dimensionierte Frischwassertank mit 100 Litern sowie der 84-Liter-Abwasserbehälter.

Der Sven Hedin, der Ende der 70er-Jahre auf dem Crafter-Vorgänger LT als Gegenstück zum ebenso legendären James Cook auf Mercedes-Basis auf den Markt kam, wird in der Neuauflage zunächst ausschließlich mit sechs Metern Länge und Querbettgrundriss (in Deutschland) zu Preisen ab 59.000 Euro erhältlich sein. Allein die Optionsmöglichkeiten des Basis-Fahrzeugs mit den zahlreichen Assistenzsystemen können die Endsumme allerdings noch kräftig in die Höhe treiben.

(SPX)

Stephan Schätzl
Redakteur
Stephan Schätzl
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