Di, 17. Oktober 2017

Zivilcourage

16.07.2017 23:30

So sprang Laura (15) in Todesangst aus Bus!

In einen wahren Albtraum gerieten ein Lenker und die 15-jährige Laura neben fünf anderen Fahrgästen am Donnerstag in einem Bus in der Herrnau. Ein Randalierer griff den Chauffeur an. Bis auf Laura sahen alle weg. Die Jugendliche schlug aber die Scheibe ein, sprang hinaus und rief um Hilfe.

Für Laura aus Wals ist es noch immer als habe sie alles nur geträumt. Doch der Zwischenfall ist wirklich passiert und die hübsche Laura hat dabei ihren ganzen Mut zusammengenommen und nicht so wie die anderen weggeschaut.

Jugendliche bewies Zivilcourage

"Es war am Donnerstag so gegen 23 Uhr. Ich bin im Bus gesessen und wollte nach Hause, nach Wals-Siezenheim. Es war schon so spät. Als der Lenker bei der Haltestelle Herrnau stehen blieb, ist ein Mann mit einem roten T-Shirt und einer Jeans eingestiegen. Ich habe anfangs nicht so aufgepasst. Aber dann hörte ich das Gespräch. Der Fremde hatte offenbar eine falsche Fahrkarte. Der Chauffeur wies ihn darauf hin, war aber freundlich und erklärte ihm, dass er ihn trotzdem mitnehmen werde."

Das dürfte dem Fremden - andere Zeugen beschrieben ihn als jungen Türken mit Vollbart - offenbar nicht gereicht haben. Er rastete komplett aus. "Plötzlich hat der Mann alle Türen geschlossen, geschrien und den Buslenker angegriffen", erinnert sich Laura.

Im Schock den Notfallhammer ergriffen

Der Buslenker rief den Fahrgästen mehrfach zu, sie sollen bitte die Polizei rufen, doch keiner unternahm etwas. "Mein Handy-Akku war komplett leer. Ich geriet in Panik. Ich wusste nicht, ob der da vorne jetzt komplett Amok läuft. Im Schock habe ich mir dann den Notfallhammer geschnappt und die Scheibe eingeschlagen. Etwas besseres fiel mir in dem Moment nicht ein."

Werbung machte das Einschlagen schwer

Zu Beginn schaffte es Laura nur, einen Sprung in die Scheibe zu schlagen. "Ich musste immer wieder hinhauen. Weil das Fenster völlig mit Werbung zugeklebt war, war es sehr schwierig zumindest ein kleines Loch hinzubekommen."

Mit letzter Kraft schaffte es die mutige Schülerin dann doch, zwängte sich durch die kleine Öffnung und sprang aus dem Fenster in die Haltestelle und versuchte sofort mehrere Autofahrer anzuhalten.

Sogar ein Buskollege fuhr einfach weiter

"Ich wollte ja nur, dass sie die Polizei rufen. Aber erst der fünfte Fahrer ist stehengeblieben. Die anderen, darunter sogar ein Buslenker, sind weitergefahren und haben so getan als hätten sie nichts bemerkt. Dabei war es offensichtlich, dass es hier eine Notsituation gibt", zeigt sich Laura schockiert über so wenig Hilfsbereitschaft.

Auch eine Frau (30), vermutlich eine Touristin aus China, sprang hinter der Schülerin aus dem Bus. "Sie ist aber mit dem Kopf voran gestürzt", weiß die 15-Jährige. Die Frau verletzte sich erheblich.

"Der rabiate Mann ist im Getümmel entkommen. Der wird nicht einmal zur Verantwortung gezogen. Denn Angst hatten mit Sicherheit alle im Bus. Wir mussten noch der Polizei alles schildern. Im Krankenhaus haben sie dann meine Schnittwunden versorgt. In meiner rechten Hand steckte eine Scherbe. Das hat ziemlich weh getan. Erst um 3 Uhr nachts war ich dann daheim. Und da konnte ich natürlich nicht schlafen. Ich musste dauernd an diese schlimme Sache denken und an die Leute, die weggeschaut haben. Wie kann man so etwas nur tun?"

Trotzdem ist Laura, die demnächst eine Lehre in einem Restaurant in der Vogelweiderstraße in Salzburg-Schallmoos starten wird, froh, dass nicht mehr passiert ist. "Man weiß ja nicht, was dem noch alles eingefallen wäre."

Laura würde jederzeit wieder helfen

Dass sie auch künftig bei Zwischenfällen nicht wegschauen sondern helfen wird, ist für Laura ganz klar. Im Moment genießt sie ihre Sommerferien und dank der Unterstützung ihrer Familie und ihrer Freunde wird sie in Zukunft auch wieder besser schlafen können. "Ich möchte das vergessen, freue mich auf viele Sonnentage, aufs Baden und Relaxen und dann natürlich auf den neuen Lebensabschnitt, auf die Arbeit", meint die hübsche 15-Jährige abschließend.

Manuela Kappes, Kronen Zeitung

JEDERMANN IN SALZBURG - Gewalt im Alltag

. . . ist erschüttert, wenn er das Interview mit der Schülerin aus dem Postbus liest.

Sie dachte zuerst an einen Amokläufer, naheliegend, in Zeiten wie diesen.

Die Gewalt ist alltäglich geworden, sie erreicht immer mehr Bereiche unseres täglichen Lebens. Und man kann sie nicht wegschreiben, wie es einige versuchen.

Da war am Wochenende noch der aggressive Berufsbettler, der mit einem Messer auf Passanten in Salzburg losgegangen ist. Und vor den Kirchen belästigte am Sonntag ein ausländischer Zeitungsverkäufer die Menschen. In den Gassen tönten die Gesänge der Bettler: "Bittäää und Grüße an Familia!"

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