Do, 23. November 2017

„Hier spricht ...“

16.07.2017 13:56

Erdogan schaltet sich auf die Handys der Türken

Der Präsident meldet sich ungefragt: Zahlreiche Handynutzer in der Türkei bekamen bei Anrufen in der Nacht auf Sonntag vor ihrem gewünschten Gesprächspartner zunächst eine aufgezeichnete Nachricht von Recep Tayyip Erdogan zum Jahrestag des Putschversuchs zu hören. In den sozialen Netzwerken löste das noch nie da gewesene Vorgehen des Präsidenten eine Welle von Reaktionen aus.

"Als Ihr Präsident gratuliere ich Ihnen am 15. Juli zum Tag der Demokratie und der Nationalen Einheit. Möge Gott Erbarmen mit unseren Märtyrern haben. Ich wünsche unseren Veteranen Gesundheit und Wohlbefinden", sagte die Stimme Erdogans vor dem Aufbau der Verbindung.

Bei allen Mobilfunk-Anbietern in der Türkei wurde die Nachricht abgespielt. Nach einem Bericht des Senders CNN Turk begann die Aktion kurz nach Mitternacht. Der Chef der Telekommunikationsbehörde BTK, Ömer Fatih Sayan, verbreitete den 16 Sekunden langen Audio-Clip auf Twitter und teilte mit: "Alle unsere Bürger hören bei Anrufen die Nachricht von Präsident Recep Tayyip Erdogan zum Tag der Demokratie und der Nationalen Einheit am 15. Juli."

Allerdings gab es auch Anrufer, die berichteten, bei ihrer Telefonverbindung habe Erdogan nicht gesprochen.

"Jetzt schaltet er sich sogar in unsere Telefone ein"
In den sozialen Netzwerken löste das noch nie da gewesene Vorgehen des Präsidenten eine Welle von Reaktionen aus. Manche Nutzer zeigten sich von der Telefonaktion schockiert. Einige veröffentlichten Videos, in denen sie am Telefon Erdogans Nachricht abwarten, bevor sie mit Freunden und Verwandten verbunden werden. Auch die Antworten auf Sayans Tweet fielen nicht durchweg positiv aus: Ein Twitter-Nutzer zog Parallelen zu einem Überwachungsstaat, ein anderer sprach von einer "Diktatur".

Während die Anhänger des islamisch-konservativen Staatschefs, dem von seinen Kritikern ein autoritäres Vorgehen vorgeworfen wird, die Botschaft begrüßten, sprachen seine Gegner von einem Eingriff in die private Telekommunikation. "Es reicht. Jetzt schaltet er sich sogar in unsere Telefone ein. Das ist ein Alptraum", twitterte der Abgeordnete der Oppositionspartei CHP, Aykut Erdogdu.

Direkt nach dem fehlgeschlagenen Putsch am 15. Juli vergangenen Jahres hatten Millionen Türken eine SMS ihres Präsidenten erhalten. Damals hatte er dazu aufgerufen, den "heroischen Widerstand" fortzusetzen - unterschrieben mit "R. T. Erdogan".

Gedenken an Niederschlagung des Putschversuches
In der Nacht auf Sonntag fanden die zentralen Gedenkveranstaltungen zur Niederschlagung des Putschversuches vor einem Jahr statt. Erdogan hatte am Samstag bis spät in die Nacht an einer ganzen Reihe von Gedenkveranstaltungen zu dem Putsch teilgenommen. Der Präsident hielt bis zum Morgengrauen drei Ansprachen - unter anderem sagte er, man werde den "Verrätern die Köpfe abreißen".

Video: Erdogan: "Werden Verrätern die Köpfe abreißen"

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden