Di, 17. Oktober 2017

Immer dabei

15.07.2017 15:27

Wie Haselsteiner in der Politik mitmischen will

Der Vorwurf, er würde, um Diskretion bemüht, nur aus dem Hintergrund die Strippen ziehen wollen, kann Hans Peter Haselsteiner nicht gemacht werden. Im Gegenteil. Den 73-jährigen Industriellen drängt es in das Rampenlicht der Öffentlichkeit, wenn er auch jetzt wieder im Wahlkampf mitzumischen versucht.

Deutliche Abfuhren ist Haselsteiner nicht gewohnt. Umso überraschender muss es für den Unternehmer, dessen Familie auf dem Ranking der reichsten Österreicher seit Jahren einen der vorderen Plätze belegt, gewesen sein, dass ihm ein Politiker die kalte Schulter zeigt. Peter Pilz, der nach seinem Abgang von den Grünen an einer eigenen politischen Bewegung arbeitet, ließ Haselsteiner ausgerechnet über den "Kurier" ausrichten, dass er mit ihm nichts zu tun haben wolle.

"Müsste mein Sakko zur Reinigung bringen"
"Die Liste wird für Transparenz stehen, da kann ich nicht an einem Bauunternehmer anstreifen. Da müsste ich dann mein Sakko zur Putzerei bringen, und das kommt mir zu teuer", wird Peter Pilz zitiert.

Schon vier Jahre im Parlament gesessen
Andere Politiker zeigten und zeigen da schon deutlich weniger Berührungsängste mit dem Multi-Unternehmer. Bereits vor 23 Jahren zog Haselsteiner für vier Jahre in das Parlament als Abgeordneter des Liberalen Forums von Heide Schmidt ein, die zuvor zwei Jahrzehnte bei der FPÖ und Wegbegleiterin von Jörg Haider war.

Nach dem Scheitern der Partei und erfolglosen Wiederbelebungsversuchen unterstützte Haselsteiner die NEOS von Mathias Strolz und ließ sich auch als Ministerkandidat ins Gespräch bringen.

Im vergangenen Jahr hatte der gebürtige Tiroler mit Wohnsitzen unter anderem in Wien und Kärnten mit seiner Unterstützung von Bundespräsidentschaftskandidat Alexander Van der Bellen wieder von sich reden gemacht. Die kolportierten Geldspenden von 100.000 Euro für den Wahlkampf Van der Bellens und eine breite Kampagne gegen den freiheitlichen Hofburg-Bewerber Norbert Hofer hatten erhebliche Diskussionen um Haselsteiner ausgelöst.

Einflussreiche Rolle im Nationalratswahlkampf?
Vor zehn Tagen hat Haselsteiner nun den Versuch gestartet, auch im aktuell angelaufenen Nationalratswahlkampf eine einflussreiche Rolle zu spielen. Der unter anderem durch seine Fernsehrolle in einem Privatsender bekannte Investor, der 2010 den sozialdemokratischen Kurzzeit-Kanzler Alfred Gusenbauer in seine Familienstiftung geholt hatte, tritt nun als Frontmann einer Anti-FPÖ-Plattform auf. Unter dem Titel "Weil's um was geht", erklären Haselsteiner und seine Verbündeten, dass sie gegen "Kleingeistigkeit und Engstirnigkeit" auftreten.

Spekulationen über die Anti-FPÖ-Plattform
Für Spekulationen hat in diesem Zusammenhang gesorgt, dass die Ehefrau von Bundeskanzler Christian Kern eine der Erstunterzeichnerinnen bei der Haselsteiner-Aktion war. Hintergrund der Irritationen: SPÖ-Chef Kern hatte erst Mitte Juni die sogenannte "Ausgrenzungs"-Politik gegenüber der FPÖ beendet. Ex-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer spottet, dass die Frau des Kanzlers von einer Koalition zwischen SPÖ und FPÖ offenbar schwer zu überzeugen ist.

Claus Pándi, Kronen Zeitung

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