Mi, 25. April 2018

Nach Krebserkrankung

13.07.2017 19:14

Chinas "Staatsfeind" Liu Xiaobo ist tot

Der chinesische Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo ist tot. Das teilte die Justizbehörde der Stadt Shenyang, wo der 61-Jährige unter Bewachung im Krankenhaus behandelt wurde, am Donnerstag mit. Er starb demnach an multiplem Organversagen. Der chinesische Bürgerrechtler, der 2009 wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" zu elf Jahren Haft verurteilt worden war, litt unter Leberkrebs im Endstadium.

Mitte Juni wurde der 61-Jährige aus "medizinischen Gründen" aus der Haft entlassen. Die chinesische Regierung lehnte jedoch die Ausreise des Schwerkranken mit seiner Frau für eine Klinikbehandlung im Ausland ab, wofür sie von zahlreichen westlichen Politikern und Menschenrechtlern scharf kritisiert wurde.

Der Gesundheitszustand des Autors hatte sich nach Angaben seiner Ärzte seit vergangener Woche erheblich verschlechtert. Seit Montag schwebte der Patient demnach in Lebensgefahr und wurde intensivmedizinisch behandelt. Einen Tag vor seinem Tod hatten die Ärzte am Mittwoch mitgeteilt, dass seine Atmung versage und er an Organversagen leide. Seine Familie habe eine künstliche Beatmung abgelehnt.

Zensur: Chinesische Medien berichten nicht über Liu
Die Angaben ließen sich nicht überprüfen, weil sowohl Liu Xiaobo als auch seine Familienmitglieder im Krankenhaus unter Bewachung standen und nicht mit Journalisten sprechen durften. Chinas Zensurbehörden verhinderten, dass inländische Medien über den Fall berichteten. Das Ableben fand dann doch noch den Weg als Kurzmeldung in die Nachrichtenagentur Xinhua. Dort wurde erwähnt, dass Liu 2009 wegen "Subversion" verurteilt worden sei.

Der Literaturwissenschaftler Liu Xiaobo war schon nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 in Peking wiederholt in Haft gesessen - insgesamt fünf Jahre lang. Sein Leben lang hat sich der Bürgerrechtler friedlich für Demokratie, Menschenrechte und Toleranz in China eingesetzt.

Sippenhaft in China: Lius Ehefrau stand unter Hausarrest
Er war Mitverfasser der 2008 von 300 Intellektuellen unterzeichneten "Charta 08", in der ein "freier, demokratischer und verfassungsmäßiger Staat" in China gefordert wird. Liu Xiaobo erhielt 2010 für seinen Einsatz für Demokratie und Menschenrechte den Nobelpreis, was Chinas Regierung empörte. Während der Autor die vergangenen Jahre im Gefängnis verbrachte, wurde seine Ehefrau Liu Xia in Peking unter Hausarrest gestellt.

Nach Lius Tod werden nun weltweit Stimmen laut, die ein Ende des Hausarrests für seine Frau fordern. Sowohl die französische als auch die US-Regierung appellierten an Peking, Liu Xia aus dem Hausarrest zu entlassen und auch alle anderen Einschränkungen für die Familie einzustellen. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Ratspräsident Donald Tusk baten darum, dass der chinesische Staat keine Auflagen für das Begräbnis macht und die Familie in Ruhe trauern lässt.

 krone.at
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