City-Aufreger

Enkplatz: Mann belästigte Frauen in der U-Bahn

Die Wienerin Ilse C. ist entsetzt, als ihre Enkelin ihr den kürzlich passierten Vorfall schildert. Nichts ahnend war das junge Mädchen auf dem Weg nach Hause und ging mit ihrem Freund zur U-Bahn-Station Enkplatz, als ein Mann mit einer Bierdose in der Hand Frauen gegenüber ziemlich ungut auffiel. Die 23-Jährige wollte mit dem Handy die Polizei alarmieren, welches der Alkoholisierte ihr aus der Hand riss. Weder ein Stationswart noch ein Funken Zivilcourage waren vorhanden. City4U berichtet:

# Alkoholisierter Mann belästigt Frauen: Simmeringer schockiert

Als Frau in Wien unterwegs zu sein, kann manchmal ziemlich ungut werden - besonders, wenn ein alkoholisierter Mann einen belästigt. Eine 23-Jährige Wienerin beobachtete solch eine Situation diese Woche in der U3-Station Enkplatz am Nachmittag gegen 17 Uhr. Als sie eingreifen wollte, wurde sie selbst zur Zielscheibe des Mannes, welcher ihr das Handy aus der Hand schlug. Dieses landete auf den Schienen. Magdalena C. (Name der Redaktion bekannt) war allerdings in Begleitung ihres Freundes unterwegs, der nun den Notruf wählte. Verletzt wurde keine der belästigten Damen, aber der Schrecken saß ihnen im Nacken. Die Polizei nahm den Vorfall schließlich auf.

# Wo beginnt Belästigung?

Wer nun meint, solange keine Verletzung vorliegt, könnt man nicht von Belästigung sprechen, der irrt sich. "Sexualisierte Gewalt reduziert sich nicht nur auf strafrechtlich definierte Tatbestände, sondern beginnt dort, wo Mädchen und Frauen mit der latenten Bedrohung von sexualisierter Gewalt, sexistischen Rollenklischees und männlich normierter Sexualisierung konfrontiert sind", sind sich Mag. Karin Wachter und Katharina Hölbing vom Verein "Frauen gegen Vergewaltigung" einig.

Die beiden beschäftigen sich täglich mit dem Begriff der Belästigung, welcher individuell erscheint. In einem Vortrag aus dem Jahr 2013 finden sie hierzu ebenso folgende Worte: "Sexualisierte Gewalt beginnt, wenn Frauen und Mädchen auf ihren Körper reduziert und gedemütigt werden. (..) Durch die Alltäglichkeit von sexualisierter Gewalt in all ihren Formen, z.B. anzügliche Blicke, sexistische Bemerkungen oder das Hören von abfälligen Bemerkungen über andere Frauen, wird sexualisierte Gewalt häufig nicht als solche wahrgenommen und benannt und von vielen Menschen als normal hingenommen." Jeder Mensch ist verschieden - so auch in seiner Wahrnehmung. Belästigung kann für die eine Frau dort beginnen, wo es eine andere noch gar nicht wahrnimmt. Auch der Wiener Frauennotruf nimmt das Thema sehr ernst. Auf ihrer Homepage erfährt man, dass drei von vier Frauen im Laufe ihres Lebens sexuelle Belästigung erleben - das ergibt einen Durchschnitt von immerhin 74,2%. Für 99,1% hat das Erleben solch einer Erfahrung negative psychische Auswirkungen.

# Mobile Stationsaufsicht: 2300 Kameras auf 104 Stationen verteilt

"Die Stationen sind alle möglichst so gebaut, dass uneinsehbare Ecken vermieden werden. Wir bemühen uns aktiv in der Planung und Architektur, die U-Bahn-Stationen gut einsehbar zu gestalten und 'Angsträume' zu vermeiden", erklärt Wiener Linien Pressesprecher Dominik Gries. Weiters erläutert er, dass eine nicht besetzte Stationnicht gleich eine unbeaufsichtigte Station bedeutet: "Insgesamt haben wir rund 160 Mitarbeiter als U-Bahnaufsichten im Einsatz. Ein Teil davon sitzt in den Stationsüberwachungen und ein Teil ist flexibel unterwegs - hier werden wir auch in nächster Zeit ausbauen und diese verstärkt in den Fahrgastbereichen sichtbar machen. Unsere Mobilen Stationsaufsichten sind immer unterwegs und wenn eine Station nicht direkt besetzt ist, wird diese von umliegenden Nachbarstationen mitüberwacht."

Auf die 104 U-Bahn-Stationen der Wiener Linien sind stolze 2300 Videokameras aufgeteilt, die dem Sicherheitsteam bei ihrem Job helfen. Geplant sind außerdem auch mehr Mitarbeiter, die in Zukunft für das Wohl der Fahrgäste sorgen sollen. "Wir planen, mehr Mitarbeiter auf den Bahnsteigen und in den Zügen einzusetzen. Wir wollen ein eigenes 'Securitysystem' im Umfang von 330 Angestellten aufbauen, die für Service und Sicherheit zuständig sind", so Gries.

# Richtig reagieren: Welche Möglichkeiten gibt es?

Fehlende Zivilcourage geht nicht immer mit "Egalität" einher. Viele Menschen haben Angst, in brenzlige Situationen einzugreifen. Sie haben Angst, selbst zum Opfer zu werden, was aufgrund mehrerer bekannter Vorfälle nicht als unbegründet bezeichnet werden kann. Nicht selten hört man von eingreifenden Helfern, die zum Schluss selbst nur glimpflich mit Verletzungen davon kommen. Aber wie reagiert man in solch einer Situation nun richtig?

"Im Zweifelsfall ist es ein Notfall! Wenn man sich belästigt fühlt oder etwas derartiges beobachtet, soll man unbedingt den Notrufknopf betätigen! Das löst einen Alarm in der Leitstelle aus, welcher die zuständigen Kameras sofort auf die Monitore holt. Helfen ist auch Hilfe holen und Alarm schlagen - so können Mitarbeiter, die unterwegs sind rasch handeln", bestätigt Gries im City4U-Talk. Wer Angst hat, für die Betätigung des Notfallknopfes bestraft zu werden, muss sich in solchen Situationen keine Gedanken machen. "Mutwilliger Missbrauch wird bestraft - das ist auch etwas anderes! In brenzligen Fällen ist keiner böse, denn hier gilt: Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig! Sollte man den Knopf also aufgrund einer Belästigung auslösen und die Situation sich bis zum Eintreffen der Aufsicht oder der Einsatzkräfte geklärt haben, droht niemandem eine Strafe!", betont der Pressesprecher.

Wichtiger Tipp: 017909111 ist die Nummer des U-Bahn-Notrufs. Auch hier kann man sich im Zweifelsfall melden!

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Vanessa Licht
Redakteurin
Vanessa Licht
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