Fr, 24. November 2017

A4-Schlepperprozess

04.07.2017 15:49

Arbeitete Bandenchef für Geheimdienst in Pakistan?

Der Schlepperprozess im ungarischen Kecskemet ist jetzt offenbar um eine weitere Agentenstory reicher. Wie berichtet, behauptet der fünftangeklagte Fuhrpark-Chef, dass er eigentlich als Informant des bulgarischen Geheimdienstes das Schleppernetz rund um den Hauptangeklagten Afghanen Samsooryamal Lahoo aufdecken wollte. Nun schreibt eine ungarische Zeitung, dass der 30-jährige Lahoo selbst ein Geheimdienstagent sei - und zwar im Dienste Pakistans.

Dafür gebe es mehrere Hinweise, die sich im Zuge der polizeilichen Ermittlungen ergeben hätten, berichtete die regierungsnahe Zeitung "Magyar Idök" am Montag. In den Akten sei vermerkt, dass der Verdacht bestehe, dass der Afghane eigentlich Pakistaner sei. Das würde auch erklären, warum er immer wieder in sein Paschtu (eine der offiziellen Sprachen in Afghanistan) auch Elemente von Urdu, der Amtssprache in Pakistan, einfließen lasse.

Neue Brisanz erhält vor diesem Hintergrund der Dolmetscher-Streit zu Beginn des Prozesses, als sich der 30-Jährige Hauptangeklagte, dem im Falle einer Verurteilung lebenslange Haft wegen 71-fachen Mordes droht, über die falsche Grammatik der vom Gericht bestellten Dolmetscherin beschwerte. Prozessbeobachter vermuteten damals eine Taktik des Afghanen.

Pakistanische Behörden wollen Lahoo nicht kennen
Die pakistanischen Behörden wollen den 30-Jährigen allerdings nicht kennen. Eine Zusammenarbeit des Geheimdienstes mit dem Schlepperchef habe nicht stattgefunden, heißt es laut "Magyar Idök" in den Ermittlungsakten.

Der Afghane oder Pakistaner gab sich zu den Hauptanklagepunkten, nämlich dem Tod der 71 Flüchtlinge in dem Kühl-Lkw, bisher äußerst wortkarg. Vielmehr ließ Lahoo ein Transparent, das er am ersten Prozesstag vor sich hertrug, für sich sprechen. Darauf stand zu lesen: "Afghane, Muslim. Kein Mörder, kein Peiniger. Das Recht wird es zeigen."

Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt
Erst am fünften Prozesstag in der Vorwoche, als der Fahrer des Todes-Lkws vor Gericht sprach, brach der Afghane sein Schweigen und drohte seinem Komplizen sogar vor den Augen und Ohren des Richters: "Überleg dir, was du hier sagst." Seit damals nehmen auch die gegenseitigen Anschuldigungen der zehn in Kecskemet inhaftierten Angeklagten zu. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Prozess weiterentwickelt. Am Mittwoch und Donnerstag werden weitere Angeklagte zu Wort kommen.

Gabor Agardi
Redakteur
Gabor Agardi
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