Fr, 24. November 2017

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04.07.2017 07:46

Verfassungsschutz sah in Doppelmörder keine Gefahr

Bereits vor zwei Jahren hat ein besorgter Nachbar Mohamed H. (54), den mutmaßlichen Doppelmörder von Linz-Urfahr, wegen extremistischer Umtriebe bei der damaligen NS-Meldestelle des Innenministeriums angezeigt. Der Verfassungsschutz nahm Mohamed H. unter die Lupe, stellte aber kein Gefährdungspotenzial fest.

Noch bei einem Hintergrundgespräch am Samstag hatte der oberösterreichische Landespolizeidirektor Andreas Pilsl versichert, dass Mohamed H. nicht als radikaler Gefährder bei den Behörden aufgefallen sei - ein Irrtum, der durch einen Schreibfehler zustande gekommen war. Am Montag stellte sich aufgrund der "Krone"-Recherche heraus, dass ein Nachbar in der Linzer Biesenfeldsiedlung Mohamed H. schon vor zwei Jahren bei der damaligen Meldestelle für NS-Wiederbetätigung beim Innenministerium angezeigt hatte.

Mit Bart und Kaftan nach Tunesien verschwunden
Damals nahmen Linzer Verfassungsschützer den vermeintlichen islamischen Extremisten ins Gebet. Besonders auffällig war, dass Mohamed H. in Linz mit Bart und Kaftan herumlief, bevor er von Ende 2014 bis Mitte 2015 nach Tunesien verschwand. Als er heimkam, war Mohamed H. wieder bartlos, verhielt sich aber aggressiv.

Der einvernehmenden Verfassungsschützerin erzählte er, er habe sich in seiner Heimat Tunesien eine neue Existenz als Tischler aufbauen wollen, ihm sei aber der Lkw mit Geräten im Gesamtwert von 30.000 Euro gestohlen worden. In Libyen sei er inhaftiert gewesen, weil ihn die Grenzer für einen Islamisten hielten. Deshalb habe er sich dort den Bart abrasiert.

Mohamed H. wurde als ungefährlich eingestuft. Zwei Jahre später ermordete er aus Hass auf die FPÖ ein Ehepaar. Die Staatsanwaltschaft hat Heidi Kastner als Psycho-Gutachterin bestellt.

FPÖ-Politiker in Angst
Bei den Landespolitikern der FPÖ liegen seither die Nerven blank. So zeigt sich auch Vizelandeshauptmann und FP-Landesparteichef Manfred Haimbuchner über den Mord an den Eltern eines Mitarbeiters schockiert.

"Krone": Dieser Doppelmord erschüttert Sie.
Manfred Haimbuchner: Ich habe mit dem Mitarbeiter, dessen Eltern ermordet wurden, ein persönliches Nahverhältnis. Er ist ein ganz liebenswürdiger Mensch, aber sicher kein Freiheitlicher. Ich war das ganze Wochenende schockiert und fast sprachlos, hab am Tag nach der Tat auch ganz lange mit ihm telefoniert.

Der Verdächtige gab an, er habe aus Hass auf die FPÖ gemordet.
Wir haben es mit einem politisch motivierten Mord zu tun, diese Tragweite ist bei einigen offenbar noch nicht durchgedrungen. Das muss man sich vorstellen: Der Täter hat das Ehepaar ermordet, weil bei ihnen zu Hause ihr Sohn auf einem Foto mit mir zu sehen war. Das ist doch Wahnsinn.

Fühlen Sie sich nun auch selbst bedroht?
Schauen Sie, wir haben ständig mit Drohungen zu tun, auch wenn das vom politischen Gegner gern ins Lächerliche gezogen wird. Wir werden sicher nicht zur Tagesordnung übergehen, aber zu den Vorkehrungen möchte ich nichts sagen.

Christoph Gantner, Kronen Zeitung

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