Di, 23. Jänner 2018

"Peak Car"

03.07.2017 11:10

Faule Autokredite: Platzt die nächste US-Blase?

Ein neues Schreckenswort geht an der Wall Street um: "Peak Car". Damit meint man in der Finanzbranche die dramatische Wende bzw. das Ende des Booms in der Autoindustrie, das nun die Vereinigten Staaten bedroht. Ähnlich wie am Immobilienmarkt vor rund zehn Jahren könnten nun fahrlässige Kreditvergaben und Wachstum auf Pump die Autobranche in die Krise stürzen - mit verheerenden Folgen für die Weltwirtschaft.

"Autokredite für jeden - schnell und unkompliziert" - so oder ähnlich verkünden es zahlreiche Werbeanzeigen in den USA. Nicht zuletzt dank laxer Darlehensvergabe, auch an bonitätsschwache Kunden, wurden beim US-Autoverkauf in den vergangenen Jahren neue Rekordmarken aufgestellt. Doch nun neigt sich der Boom dem Ende zu - und nach der auf Pump finanzierten "Absatzparty" könnte der Kater folgen. Angesichts steigender Ausfallraten bei Autokrediten warnen Experten vor dem erneuten Platzen einer dicken Finanzblase.

Parallelen zur Immobilienkrise in Jahren 2007 bis 2010
"Die Situation der Automobilkredite in den Vereinigten Staaten ist bedenklich und erinnert auf vielfache Weise an die Subprime-Immobilienkrise", sagte die deutsche Wirtschaftswissenschaftlerin Isabel Schnabel jüngst der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Die Finanzökonomin, die sich bestens mit Bankenpleiten auskennt, sieht eine "erhöhte Unfallgefahr": Führen Zahlungsausfälle und sinkende Gebrauchtwagenpreise zu einer Massenkarambolage am Kreditmarkt?

Die Lage scheint durchaus prekär: Laut Daten der US-Notenbank Fed lag das Gesamtvolumen der US-Autokredite Ende des ersten Quartals bei schwindelerregenden 1,17 Billionen Dollar (rund eine Billion Euro). Das entspricht einem Anstieg um fast 70 Prozent seit 2010 und einem Anteil von fast zehn Prozent an den gesamten Schulden der US-Haushalte. Als ernsthaft ausfallbedroht stuft die Fed derzeit zwar nur gut zwei Prozent der Autokredite ein - das stellt aber trotzdem ein Milliarden-Risiko dar.

Wie Kreditbetrüger die Krise verschärfen
Als besonders heikel gilt eine Nische, in der sich Betrüger mit Falschangaben Darlehen erschleichen. Solche Tricks waren bereits beim Kollaps des US-Häusermarktes ein großes Problem. Damals stürzte auch die Weltwirtschaft in eine tiefe Krise. Der Analysefirma Point Predictive zufolge macht der Anteil erschwindelter Darlehen an den Kreditanträgen zur Autofinanzierung inzwischen über ein Prozent aus. Die Verluste dadurch dürften sich in diesem Jahr auf sechs Milliarden Dollar (rund 5,3 Milliarden Euro) erhöhen, was eine Verdoppelung gegenüber dem Jahr 2015 wäre.

Banken steigen bereits auf die Bremse
Allerdings gibt es etwas Hoffnung, dass die Wall Street doch etwas aus der Subprime-Krise am Hypothekenmarkt gelernt hat. So sind die großen Geschäftsbanken, die einen wesentlichen Teil des US-Markts für Autokredite unter Beschlag haben, bereits auf die Bremse gestiegen. Viele Ökonomen halten die Gefahren zudem für geringer als beim Crash des US-Häusermarkts. Denn die Autokredite sind trotz des starken Wachstums der vergangenen Jahre noch meilenweit von dem Volumen entfernt, dass der Immobilienmarkt damals hatte.

Schuldenberge bei Studentendarlehen und Kreditkarten
Dennoch sind die Risiken nicht von der Hand zu weisen. Zumal der florierenden US-Autokonjunktur zunehmend die Luft ausgeht, weshalb die Branche mit Rabatten und Angeboten auf Pump versucht, den Absatz zu stützen. "Die Kreditqualität bei US-Autofinanzierungen dürfte sich 2017 weiter verschlechtern", meint die Ratingagentur Fitch. Für die US-Wirtschaft ist das nicht das einzige Schuldenproblem - mit 12,7 Billionen Dollar stehen die Haushalte mittlerweile wieder tiefer in der Kreide als vor der Krise 2008. Bedrohlich hohe Schuldenberge türmen sich auch bei Studentendarlehen und Kreditkarten auf.

 krone.at
Redaktion
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