Do, 18. Jänner 2018

Bankomatknacker

02.07.2017 23:58

Statt Taxi kam Streifenwagen

Ein schöner Erfolg für die Polizei: Keine 24 Stunden haben die Beamten gebraucht, um die Bankomatknacker von Lieserhofen zu schnappen. Ganz wesentlich geholfen hat dabei eine clevere ältere Dame. Denn als die Männer bei ihr am Hof nach einem Taxi fragten, verständigte die 84-jährige Veronika Schachner die Polizei. Die "Krone" hat mit der Dame gesprochen (siehe Interview im Anhang).

Wie die "Krone" berichtete, war der Bankomat der Raika Lieserhofen in der Nacht zum Samstag aufgebrochen worden. Aufgrund eines technischen Defekts kam der Alarm allerdings nicht zur Polizei durch.

Die Täter flohen erst unbehelligt im Kleinbus ins Mölltal, wo ihnen dann aber eine Verkehrskontrolle zum Verhängnis wurde. Erst kam es zu einer Verfolgungsjagd, dann ging die Flucht zu Fuß weiter. Der Fahrer wurde später im Zuge einer Fahndung von einem Polizeihund in einem Bachbett in Mallnitz aufgestöbert.

Seine Komplizen schlugen sich durch unwegsames Gebiet in Richtung Obervellach durch. Völlig übermüdet nach dem Marsch mit untauglichem Schuhwerk und auch durchnässt gelangten sie zu dem einschichtig gelegenen Hof der 84-Jährigen. Ihr kamen die verdreckten Männer sofort verdächtig vor. Als einer fragte: "Wo ist Taxi?" gab Veronika Schachner zur Antwort: "Geht’s lei då obe!" und deutete auf die Straße. Und die Männer gingen weiter.

Die Frau jedoch alarmierte sofort die Polizei. "Ich weiß, dass die auf Hinweise angewiesen sind. Es heißt doch, besser einmal zuviel anrufen als einmal zu wenig", erzählte sie. Der Obervellacher Postenkommandant Gert Grabmeier hat die Frau Sonntagfrüh besucht und ihr ein kleines Präsent gebracht: "Die Dame kommt zu jeder Infoveranstaltung, liest Infoblätter. Sie hat einfach toll reagiert."

Der Chefermittler des LKA, Polizeioberst Christian Martinz: "Die vier Männer werden jetzt verhört. Der Fahrer - ein Moldawier - behauptet, nur chauffiert zu haben. Die anderen reden natürlich auch nicht viel. Sie könnten aber für einige ähnliche Coups in Frage kommen." Gemeint ist die Vorgehensweise: Jede Profi-Bande hat ja eine andere Technik, um die Bankomaten zu öffnen. Manche "sprengen" sie durch Gasdruck auf. In Lieserhofen wurde der Bankomat mittels Brecheisen geknackt.

Martinz: "Mit der neuen Generation von Bankomaten wird es schwieriger. Sie sind robuster, fast wie ein Tresor. Für Lieserhofen ist ein solcher geplant!"

Serina Babka, Kärntner Krone

INTERVIEW MIT VERONIKA SCHACHNER

Sie ist Polizeifan, steht auf Krimis und XY ungelöst und weiß, worauf es ankommt. Veronika Schachner lieferte der Polizei die Täter.

Haben Sie gewusst, dass nach der Bankomatbande gesucht wurde, als die drei Männer bei Ihnen auftauchten?
Ich hab’ mir so was gedacht. Die Leute erzählten, dass der Polizeihubschrauber fliegt und ich sah ihn ja selbst auch.
Haben Sie denn gar keine Angst vor den unbekannten Männern gehabt?
Erstens war es ja am Tag und zweitens wohnt die Familie meines Sohnes im Nachbarhaus. Ich hätte nur zu schreien brauchen. Allerdings waren zwei vermummt und deshalb waren sie mir nicht ganz geheuer. Ich habe mich auf den einen konzentriert, der sich vor mir auf die Straße gesetzt hat.
Er saß auf der Straße?
Ja, er war völlig fertig. Er trug einen pitschnassen Trainingsanzug und wollte ein Taxi. Er hatte die beiden Autos gesehen, die vor unseren Häusern stehen und wollte offenbar, dass ich ihn in ein Hotel bringe.
Sie lehnten aber ab.
Natürlich. Ich schickte sie die Straße hinunter und ging dann hinein, um die Polizei zu verständigen. Ich hab’ den drei Männern aber vorher noch nachgeschaut und bin ein Stück nachgegangen. Dabei habe ich bemerkt, dass sie in eine Abkürzung eingebogen sind. Das hab’ ich auch gemeldet.
Und wenig später kamen auch schon Beamte
Oh ja, das hat nicht lange gedauert. Die waren aber nicht von uns heroben; vielleicht aus Klagenfurt. Sie waren auch nicht in einem Streifenwagen unterwegs, sondern in einer Art Zivilauto. Und sie kannten sich heroben auch nicht aus. Daher hab’ ich ihnen gezeigt, wo sie hinfahren sollen.
Sie haben wirklich ganz toll reagiert!
Das hat der Postenkommandant auch gesagt. Trotzdem wär’ es mir peinlich gewesen, wenn ich wen Falschen gemeldet hätte. Aber Herr Grabmeier hat sich bedankt. Ich hab’ jetzt neues Infomaterial und sogar einen Zeitschalter fürs Licht.

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