Mo, 18. Dezember 2017

Amris Terror-Motiv

30.06.2017 19:42

Lkw-Anschlag, weil Ausreise zum IS scheiterte

Warum entschloss sich Anis Amri, unschuldige Menschen auf einem Berliner Weihnachtsmarkt zu töten? Seit dem Anschlag im Dezember des Vorjahres suchen die Ermittler nach dem Terror-Motiv des jungen Tunesiers - und haben nun laut einem Bericht des deutschen Nachrichtenmagazins "Spiegel" die wahrscheinliche Antwort gefunden: Demnach habe Amri den Lkw-Anschlag verübt, weil er nicht aus Deutschland zu seinen Freunden beim IS ausreisen durfte.

Amri hatte am 19. Dezember 2016 einen gekaperten Lastwagen auf einen Weihnachtsmarkt an der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gesteuert. Beim bisher schwersten islamistischen Terroranschlag in Deutschland starben zwölf Menschen, fast 70 wurden verletzt. Obwohl der Tunesier von den Behörden als sogenannter Gefährder beobachtet wurde und auch im Drogenmilieu aktiv war, hatte er sich frei bewegen können. Nach dem Attentat floh er außer Landes und wurde bei einer Ausweiskontrolle in Italien von Polizisten erschossen.

Die Frage, was der Auslöser dafür war, dass Amri seine Anschlagspläne umsetzte, hat die Ermittler seither beschäftigt - jetzt haben sie offenbar erstmals eine Antwort gefunden. Wie der "Spiegel" am Freitag berichtete, hätten eine vorübergehende Festnahme und eine gescheiterte Ausreise aus Deutschland Amri letztlich den Antrieb für das Attentat gegeben.

Bei Ausreise aus Deutschland festgenommen
Dem Bericht zufolge wollte Amri am 30. Juli 2016 - und somit weniger als ein halbes Jahr vor dem Anschlag in Berlin - in einem Fernbus aus Deutschland ausreisen. Die Bundespolizei stoppte den Bus, der in Richtung Schweiz unterwegs war, in Friedrichshafen und sperrte den Tunesier übers Wochenende ein. Es ist seit Jahren Praxis der Sicherheitsbehörden, keine islamistischen Gefährder in andere Schengen-Staaten ausreisen zu lassen, hieß es in dem "Spiegel"-Bericht - weshalb auch Amri festgehalten worden sei.

Während der von einem Richter verhängten zweitägigen Wochenendhaft wurde dann auch geprüft, ob Amri in seine Heimat Tunesien abgeschoben werden könne. Am darauffolgenden Montag wurde er wieder freigelassen, eine Abschiebung nach Tunesien sei damals aufgrund fehlender Passersatzpapiere nicht möglich gewesen.

Amri bei Einvernahme: "Warum muss ich deshalb hierbleiben?"
Amri selbst habe demnach bei seiner Einvernahme in Friedrichshafen laut den Ermittlern gesagt, er wolle Deutschland verlassen. "Ich will von mir aus ausreisen. Warum muss ich deshalb hierbleiben?", habe er gefragt. "Er hatte Angst, dass er wegen seiner Drogensachen und der Schlägerei ins Gefängnis musste", zitiert der "Spiegel" einen hochrangigen Polizeibeamten, der anonym bleiben will. "Er wollte wirklich abhauen."

Nach seiner gescheiterten Ausreise radikalisierte sich Amri dann noch mehr. Im Oktober 2016 habe er einen Mentor vom IS zugewiesen bekommen und dem in der Zwischenzeit laut russischen und iranischen Angaben getöteten IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi die Treue geschworen. Seinen Kontakten beim IS soll er geschrieben haben: "Ich will zu euch."

Doch statt zu seinen IS-Freunden zu reisen, bekam er schließlich von seinem Mentor ein 143-seitiges Dokument mit dem Titel "Die frohe Botschaft zur Rechtleitung für diejenigen, die Märtyreroperationen durchführen" geschickt. Darin waren Vorschläge für verschiedene Anschläge aufgelistet. Einer davon: mit einem Lkw in eine Menschenmenge rasen.

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