Sa, 18. November 2017

Fahrerflucht im Park

01.07.2017 12:01

Opfer: „Wo ist die Mitmenschlichkeit geblieben?“

Was hätten Sie getan? Der Fall einer jungen Inlineskaterin, die zu Fronleichnam im Wiener Türkenschanzpark brutal angefahren und vom Täter schwer verletzt liegen gelassen wurde, schockiert. Doch mindestens gleich schwer wiegt der Umstand, dass das Opfer 20 lange Minuten mit höllischen Schmerzen und - aufgrund der Verletzungen - nahezu bewegungsunfähig am Boden lag, ohne Hilfe erhalten zu haben. Drei Passanten waren nach dem Zusammenstoß an der Unfallstelle vorbeigekommen. Hilfsbereitschaft, Mitmenschlichkeit? Fehlanzeige, wie die junge Frau im Interview mit krone.at schildert.

Wie berichtet, war die junge Medizinerin am Abend des 15. Juni mit ihren Inlineskates im Park unterwegs, als es zum Zusammenstoß kam. "Ich bin kurz am Rande einer Allee stehen geblieben, als ich plötzlich aus dem Nichts einen starken, ruckartigen Stoß im Rücken gespürt habe", berichtet das Opfer. "Ich sah meine Beine mit den Rollschuhen in der Luft fliegen und prallte mit dem ganzen Rücken auf den harten Beton."

"Zu Boden fahren und dann flüchten - mehr als brutal"
Die Schmerzen waren höllisch, berichtet die junge Frau, die - wie sich später im Krankenhaus herausstellen sollte - einen Lendenwirbelbruch sowie Prellungen des Steißbeins erlitten hatte. Und der Unfallverursacher? Der fuhr "ohne sich umzudrehen" davon, so das Opfer. Er ließ die junge Frau einfach liegen. "Eine Person zu Boden zu fahren und dann zu flüchten - das ist mehr als brutal", meint die Frau.

Kaum bewegungsfähig, musste die junge Skaterin danach am Asphalt liegend ausharren. Ihr Handy hatte sie an dem Tag zu Hause vergessen - "leider", wie sie sagt, denn von rascher Hilfe nach dem fatalen Sturz konnte wahrlich keine Rede sein.

"Drei Passanten gingen vorbei, ohne zu helfen"
20 Minuten sollte es nämlich dauern, bis jemand Notiz von der schwer verletzten Frau nahm - aber nicht etwa, weil sie an einem schwer einsehbaren Ort gelegen oder die Allee kaum frequentiert gewesen wäre. "Insgesamt drei Passanten sind an mir vorbeigegangen, ohne zu helfen", schildert die junge Medizinerin fassungslos. "Ich selbst brachte vor Schmerzen und Tränen kein Wort heraus." Keiner von ihnen habe ihr Hilfe angeboten - ein Verhalten, das die Frau sehr belaste, wie sie sagt.

Ein älteres südosteuropäisches Ehepaar erkannte schließlich den Ernst der Lage und eilte der Schwerverletzten zu Hilfe. Der Zeitraum bis zu ihrer Erstbehandlung habe sich "wie eine Ewigkeit" angefühlt, berichtet die Ärztin.

Opfer muss drei Monate lang Mieder tragen
Neben all den Schmerzen bleibt bei dem Opfer vor allem der Schock über die mangelnde Hilfsbereitschaft des Unfallverursachers, aber auch der Passanten als fahler Beigeschmack zurück. "Wo ist hier die Mitmenschlichkeit geblieben?", fragt sich die junge Frau auch knapp zwei Wochen nach dem dramatischen Vorfall. Sie muss seit dem Unfall ein Mieder tragen - wohl für insgesamt drei Monate - und kann ihrem Beruf nicht nachgehen. Ob sie sich womöglich auch noch einer Operation unterziehen muss, sei noch unklar, meint sie.

Ebenso ist ungewiss, ob der Verantwortliche ausgeforscht werden kann. Zeugen oder Hinweise gibt es bis dato nicht, die Suche per Aushang im Türkenschanzpark geht jedenfalls weiter. Nach couragierten Menschen jedoch, die einem in Not Geratenen helfen, sollte man nicht lange suchen müssen. Was hätten Sie in diesem Fall getan?

Christine Steinmetz
Redakteurin
Christine Steinmetz
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