Fr, 15. Dezember 2017

"Sitzen in Falle"

28.06.2017 17:46

UNO: Bis zu 100.000 Zivilisten in Rakka gefangen

In der belagerten IS-Hochburg Rakka sitzen nach Einschätzung der UNO bis zu 100.000 Zivilisten fest. Die Einwohner würden in der nordsyrischen Großstadt "in der Fall sitzen", warnte Menschenrechtskommissar Zeid Ra'ad Al Hussein am Mittwoch. Die informelle Hauptstadt der Dschihadistenmiliz wird seit Wochen von den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) belagert.

"Da die Luftangriffe und die Kämpfe am Boden an Intensität gewinnen, steigt die Zahl der zivilen Opfer und die Fluchtwege werden einer nach dem anderen gekappt", warnte Zeid. Gemäß einer vorsichtigen Schätzung seien seit dem 1. Juni bei Kämpfen mindestens 173 Zivilisten getötet worden. Die Konfliktparteien müssten weit mehr tun, um die Zivilbevölkerung zu schützen.

Nach langer Vorbereitung hatte das kurdisch-arabische Bündnis SDF kürzlich den Belagerungsring um die Stadt geschlossen. Vor Beginn der Belagerung lebten rund 300.000 Einwohner in Rakka, unter ihnen 80.000 Flüchtlinge aus anderen Landesteilen. Nachdem Zehntausende Einwohner vor der SDF-Offensive geflohen waren, sank die Einwohnerzahl nach UN-Angaben auf 160.000.

Die SDF-Einheiten werden bei ihrer Offensive auf Rakka von US-Spezialkräften und Flugzeugen der Anti-IS-Koalition unterstützt. Die vorwiegend kurdischen SDF-Kämpfer nahmen bereits mehrere Viertel von Rakka ein. Die IS-Miliz steht auch in ihrer letzten irakischen Hochburg Mossul unter Druck, der Verlust der beiden Großstädte scheint nur noch eine Frage der Zeit.

Zeid rief alle Seiten in Rakka auf, den Zivilisten die Flucht aus der Stadt zu ermöglichen. Er mahnte auch die von der Anti-IS-Koalition unterstützten SDF-Kämpfer, sich an das internationale Recht zu halten. Das kurdisch-arabische Bündnis habe sich in den Gebieten unter seiner Kontrolle Menschenrechtsverstößen schuldig gemacht, kritisierte der Menschenrechtskommissar.

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