Mi, 22. November 2017

Vielfalt hilft!

29.06.2017 08:30

Primar warnt vor Internetsucht bei Jugendlichen

Ferien - das bedeutet fast unbegrenzte Freizeit für Kinder und Jugendliche. Zeit, die sie immer öfter im Internet oder am Handy verbringen. Wo die Gefahren einer Sucht liegen und warum Vielfalt das probateste Mittel dagegen ist, erklärt Kurosch Yazdi, Leiter der Ambulanz für Spielsucht der pro mente OÖ in Linz. Die Ambulanz weitet ihr Angebot ab Herbst aus.

"Sucht beginnt dort, wo ein normales Leben nicht mehr möglich ist. Wo der Betroffene und andere darunter leiden, wenn es Entzugserscheinungen gibt, wenn man nicht einschlafen kann oder wenn man weitermacht, obwohl man verstanden hat, dass es nicht gut ist", definierte Yazdi. "Gesunde Kinder sind vielfältige Kinder", betonte der Primar des Zentrums für Suchtmedizin am Linzer Kepler Uni-Klinikum. Genügend andere Hobbys, vor allem Sport sowie internet- bzw. spielfreie Tage seien der beste Schutz vor einer Sucht: "Wenn es in der Schule passt, der Bub Sport macht, dann kann er auch mal an einem verregneten Wochenende, wenn sonst nichts zu tun ist, zehn Stunden Computerspielen."

Problem wächst, "weil Verfügbarkeit des Internets steigt"
Die aktuellsten Daten aus Österreich zum Problemfeld Internetsucht stammen von 2012, in EU-Ländern mit regelmäßigen Erhebungen steige die Prävalenz ständig. "Das Problem ist im Steigen, weil die Verfügbarkeit des Internets steigt", sagte Yazdi. Die Betroffenen werden immer jünger. "Vor sieben Jahren als wir die Ambulanz gründeten, kamen Studenten, jetzt sind die jüngsten elf Jahre alt", betonte Yazdi. Deshalb arbeite nun auch eine Kinderpsychiaterin mit. Ab Herbst werde das Angebot ausgeweitet, erstmals oberösterreichweit. "Es gibt wieder eine Elterngruppe, und eine Gruppentherapie für Internetsüchtige ab 16 Jahren", sagte Psychotherapeutin Maria Mittermaier, die mit ihrem Kollegen Karlheinz Staudinger und Yazdi die Ambulanz im NeuroMed Campus betreibt.

Jugendliche müssen Medienkompetenz lernen
Die Jugendlichen sollen lernen, mit elektronischen Medien umzugehen, benannte Mittermaier das Ziel. Viele kämen sehr spät, oft fehle das Problembewusstsein, darum sei es wichtig, ein Hilfsangebot an die Eltern zu richten. "Gefährlich wird es, wenn das Kind aggressiv reagiert, wenn man ihm das Spiel wegnimmt", sagte Staudinger. Regeln können helfen. "Je jünger das Kind, desto klarer müssen die Regeln sein. Mit Älteren muss man das eher 'ausdealen'", riet Yazdi. Zu einem gesetzlichen Verbot wie bei Alkohol und Drogen meinte er: "Aus medizinischer Sicht würde irgendeine Einschränkung helfen, die Anzahl der Süchtigen zu reduzieren", es sei jedoch schwer umzusetzen.

Betroffen sind Mädchen und Burschen etwa gleich oft, aber auf andere Weise. Mädchen sind häufiger in sozialen Medien unterwegs und verschicken Fotos, das falle weniger auf. Buben verbringen großteils viel Zeit mit Internet-Rollenspielen, "das ist weniger kompatibel mit dem normalen Leben", erklärte Yazdi.

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