Di, 12. Dezember 2017

Neue Proteste

26.06.2017 15:44

Brunnenstreit: Es droht ein "heißer Herbst"

Wenige Tage vor der Gemeinderatswahl 2015 platzte der Kultursaal in Söchau aus allen Nähten, Hunderte Steirer protestierten gegen das mögliche Verschließen ihrer Brunnen. Der Zorn richtete sich vor allem gegen Landesbeamte und -regierung. Kurz vor der Nationalratswahl könnte sich dieses Szenario wiederholen.

"Wir waren nach vielen Gesprächen kurz vor einer Einigung auf eine für alle Seiten tragbare Lösung", sagt Hans-Dieter Spörk aus Altenmarkt bei Fürstenfeld, der Sprecher der Arteserinitiative. Ungefähr 1600 dieser Brunnen, bei denen das Wasser auch ohne Pumpe aus der Erde aufsteigt, gibt’s noch in unserem Bundesland. "Jetzt droht ihnen das Aus", meint Spörk.

Wie er zu dieser Einschätzung kommt? Seit kurzem liegt der Entwurf einer Verordnung "zur Sicherung der ost- und weststeirischen Tiefengrundwässer" vor. Dieses Wasser ist wertvoll und aus Sicht der Landesfachabteilung durch viele (veraltete) private Arteserbrunnen gefährdet. Künftig sollen vor allem öffentliche Wasserversorger darauf zugreifen, Privatpersonen (vielfach Landwirte) müssten ihre Brunnen an den Stand der Technik anpassen. "In der Praxis bedeutet das: verschließen und neu bohren", sagt Rechtsanwalt Klaus Rieger, der die Arteserinitiative berät.

Landesrat: "Das ist ein hochsensibles Thema"
Bis 3. Juli können Stellungnahmen zum Verordnungsentwurf eingebracht werden. Unterzeichnen (und damit in Kraft setzen) müsste sie schließlich Umweltlandesrat Anton Lang, auch wenn in der Praxis viel stärker das Ressort von Agrarlandesrat Hans Seitinger betroffen wäre. Dieser kann die Aufregung nicht nachvollziehen:∙ Die Verordnung sei notwendig, um EU-Wasserrichtlinien umzusetzen. Es sei ein "hochsensibles Thema", das Wasser die "heiligste Ressource".

Protestkundgebung in Graz bereits geplant
Ein Aktionsplan legt fest, wann die Brunnen in welcher Gemeinde saniert bzw. rückgebaut werden. Zeitrahmen: bis 2024. Von Landesseite werden dafür Förderungen bereitgestellt.

Spörk und seine Mitstreiter beruhigt das nicht: Für sie ist die aktuelle Marschrichtung auf den "Lobbyismus der Trinkwasserverbände" zurückzuführen, private Brunnenbesitzer sollen ausgebremst werden. Man will den Protest auf die Straße bringen: zuerst in kleinerer Form in den Regionen, im September, wenige Wochen vor der Nationalratswahl am 15. Oktober, dann direkt in Graz. Spörk verspricht einen "heißen Herbst".

Jakob Traby, Kronen Zeitung

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