Abschied von Hund

Besitzerin klagt: Tierklinik verweigert Euthanasie

Eine herzzerreißende Geschichte ereignete sich letzte Nacht in Niederösterreich. Die Hündin von Jennifer H. litt seit ihrer Geburt an Epilepsie. In den letzten drei Monaten wurden ihre Anfälle immer schlimmer und erreichten nun ihren Höhepunkt. "Bella", wie sie ihre Freundin mit der kalten Schnauze nannte, hatte innerhalb von zwei Stunden sechs Anfälle - Zeit für die Tierklinik. "Weil ich zu wenig Geld mithatte, schläferte die Tierklinik den Hund nicht ein", klagt die Besitzerin. Die Klinik weist die Vorwürfe strikt von sich. City4U hat nachgefragt:

# Krampfanfälle mitten in der Nacht

Der Alptraum eines jeden Tierbesitzers: Der geliebte Schnauzer beginnt nachts, Schmerzen zu erleiden oder eigenartige Zustände zu haben. Sprechen kann das Tier mit einem leider nicht, was die Verzweiflung der Besitzer noch größer werden lässt - so auch bei Jennifer. Seit einigen Monaten hatte sich der Zustand ihrer geliebten Hündin "Bella" enorm verschlechtert. Die seit der Geburt an Epilepsie leidende Wegbegleiterin litt letzte Nacht schließlich so sehr, dass sie innerhalb von nur zwei Stunden sechs Anfälle ertragen musste und da wurde es auch Jennifer H. zu viel. Kurz vor 22 Uhr rief sie in der Tierklinik Traiskirchen an, die sie aufgrund des Notdienst-Schlusses an die ihr unbekannte Klinik in Wiener Neustadt verwiesen: "Vorbeikommen" hieß es dort.

# Keine Chance, den Hund einzuschläfern

Jennifer H. hatte auf telefonisches Anraten des Arztes in Traiskirchen den Entschluss gefasst, ihre treue Freundin "Bella" nun von den Schmerzen zu erlösen und fuhr in die Tierklinik Wiener Neustadt. Die Anschuldigungen der Hundeliebhaberin sind hart. "Als ich in der Klinik ankam, sprach ich mit einem jungen Mitarbeiter, dem ich sagte, dass ich nur 100€ in bar mithätte, weil meine Bankomatkarte defekt ist - typisch, immer, wenn man sie braucht. Dieser erklärte mir, dass sie Bella nicht einschläfern würden, weil der Betrag gleich zu zahlen sei. Auf mein Bitten, den Hund doch einzuschläfern - ich würde das Geld am nächsten Tag bringen - reagierte man verneinend", brüskiert sich die Hundemami im Gespräch. Verzweifelt verlies sie die Praxis in der Hoffnung, telefonisch einen Arzt zu finden, der "Bella" erlöste - erfolglos.

# Überdosierung des Medikaments für den Hund

Zuhause angekommen folgten insgesamt fünf weitere Anfälle, die "Bella" leiden ließen und so auch ihre Besitzerin, die nicht mehr weiter wusste. Erneut rief sie in der Klinik an: "Ich fragte erneut nach einer Einschläferung, aber ich hatte nicht so viel Geld bei mir. Dann beschloss ich, Bellas Medikament höher zu dosieren!" Nach einer Überdosierung - die Hündin bekam zwei Tabletten PHENOBARBITAL täglich und Jennifer gab ihr weitere 1,5 - des krampflösenden Medikaments kam das Haustier nun endlich zur Ruhe und schlief.

# Letztendlich schläferte andere Klinik "Bella" ein

Am Morgen gingen die Anfälle allerdings erneut los und Jennifer H. schnappte sich ihre treue Wegbegleiterin, um mit ihr den letzten Weg zur Tierklinik Traiskirchen zu fahren. Schweren Herzens verabschiedete sie sich von ihrer "Bella" nun und lies die tapfere Hündin nach einem Gespräch mit dem Arzt vor Ort einschläfern. 100€ bezahlte Jennifer für die Euthanasie. Die Tierklinik behielt den Leichnam der tapferen Kämpferin und brachte sie ins Tierkrematorium. Ihre geliebte Bella ist nun über die Regenbogenbrücke gegangen.

# Wütendes Facebook-Posting vom "Frauchen"

Jennifer lies ihrer Wut auf Facebook freien Lauf und postete der Tierklinik empört ihre Meinung, woraufhin diese sie mit einer Erklärung zurückwies, welche laut dem "Frauchen" von Bella nicht stimmt.

Die Klinik reagierte auf Jennnifers Bewertung, die sich auf Facebook "Summer" nennt: "Zur Klarstellung: Bis dato war weder Frau Summer noch Ihre Hündin in der Tierklinik bekannt - Epilepsie ist beim Hund eine Erkrankung, die in den meisten Fällen sehr gut medikamentös behandelt werden kann. Es ist richtig, dass wir in diesem Fall die Euthanasie nicht sofort durchgeführt haben - die Behandlung verweigert wurde jedoch keineswegs - es wurde Frau Summer dringend geraten, ihren Hund bei uns stationär aufnehmen zu lassen um eventuelle weitere Krampfanfälle zu verhindern. Dies wurde von ihr verweigert."

"Mir wurde nie angeboten, Bella dort zu lassen! Lediglich ein junger Mitarbeiter sprach mit mir und erklärte mir, dass die Klinik die Euthanasie jetzt nicht durchführen könnten - ein Arzt hat nie mit mir gesprochen!", sagt Jennifer im Gespräch mit City4U. Ihre Stimme klingt traurig und bedrückt - verständlich.

# Tierklinik Wiener Neustadt weist Vorwürfe zurück

Auf Nachfrage von City4U reagierte Inhaberin der Tierklinik Frau Sander betroffen. "Ja, wir haben die Euthanasie verweigert, aber NICHT die Hilfe! Wir haben definitiv nicht aufgrund von Geldmangel nicht eingeschläfert, sondern weil wir den Hund nicht kennen und der Meinung sind, einer jungen Hündin eher eine Behandlung anzubieten, als sie auf den letzten Weg zu schicken! Bella war keine Patientin von uns, weswegen wir nicht blindlings einer Euthanasie einwilligen, weil sie epileptische Anfälle hatte! Der Grund ist dieser: Ganz oft kommt es vor, dass Leute zum Tierarzt gehen, weil sie ihr Tier nicht mehr wollen und ein Krankheitsbild erfinden, um eine Einschläferung plausibel wirken zu lassen. In einem klaren Notfall hätten wir natürlich gehandelt, allerdings kam die Tierärztin gar nicht dazu, Bella zu untersuchen, da Frau H. bereits weg war! Euthanasie haben wir schon öfter verweigert, wenn dem Tier noch zu helfen ist! Wir haben keine HILFE verweigert!", äußert sich Frau Sander und betont, dass in der Klinik abgewogen wird, ob Euthanasie wirklich notwendig ist oder Behandlung angeboten werde kann.

Eines ist sicher: Der Fall ist für beide Seiten kein leichter.

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Vanessa Licht
Redakteurin
Vanessa Licht
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