Do, 14. Dezember 2017

Ernüchterndes Fazit

24.06.2017 15:05

Chef suchte Personal: "Anpacken wollte nur einer"

Firmenchef sucht Mitarbeiter - eigentlich erfreulich, doch was Dominik Jenewein, Inhaber einer Maßmöbelfirma aus dem Stubaital, bei der Personalsuche erlebte, ist ernüchternd. Eine Mixtur, geprägt von Demotiviertheit, Unzuverlässigkeit und Provokation. Die Schilderung Jeneweins auf Facebook scheint den Nerv vieler Tiroler getroffen haben, denn es gab eine Flut von Reaktionen.

Das aufstrebende Unternehmen JEWA, eine moderne Firmenhalle, steigender Arbeitskräftebedarf - "wir haben daher drei Wochen lang in Medien, Internet und beim AMS gesucht", schildert Jenewein.
Resultat: 0 Bewerbungen für die beiden Facharbeiterjobs, 1 Bewerbung eines Lehrlings, 15 Bewerbungen als Hilfsarbeiter.
"Ich habe 13 Personen zum Gespräch eingeladen und sie über den Hilfsarbeiterlohn von 1300 Euro netto informiert. Mit zehn wurde ein bezahltes Probearbeiten vereinbart", sagt Jenewein.

Probearbeit: Von zehn Bewerbern kamen fünf

Realität: Fünf Personen erschienen erst gar nicht. Auf telefonische Nachfrage sagten zwei Bewerber (beide mit Asylstatus), für 1300 Euro nicht zu kommen, da die Bus-Anreise (Innsbruck-Mieders) zu anstrengend sei.
Ein Tschetschene sagte dem Firmenchef, er habe es sich anders überlegt.
Die vierte Person (Asylstatus) war telefonisch nicht mehr erreichbar.
Ein Syrer (17), dem eine Lehre zur Fachkraft angeboten wurde, erschien nicht.
Zwei Personen brachen das Testarbeiten nach dem ersten Tag ab (Zitat: "Zuhause ist es angenehmer").

Unentschuldigt nicht da wegen der Katze

Der einzige Österreicher kam am zweiten Tag unentschuldigt nicht, weil die Katze kastriert werden musste (telefonische Nachfrage).
"Zwei Personen, ein Iraner und ein Serbe, habe ich am zweiten Tag abgelehnt, da sie keinerlei Motivation zeigten", erklärt Jenewein.
Was ihm besonders auffällt: "Alle Bewerber, die nicht erschienen, waren Mindestsicherungsbezieher oder im Asylstatus mit Arbeitserlaubnis.

Ein Lichtblick unter den Bewerbern

Lichtblick der ernüchternden Prozedur: Ein Mann aus Ghana, der (weil nur Englisch sprechend) zuerst abgelehnt wurde. "Doch er hat mich drei Mal angerufen und zwei SMS geschickt. Das beeindruckte mich und er stand beim Probearbeiten nie still, suchte etwas zu tun. Ich erfuhr, dass er vom Staat kein Geld bekommt, einen kleinen Sohn hat. Jetzt arbeitet er bei mir, ich zahle ihm sogar die Bustickets."
Jeneweins (noch etwas detailliertere) Schilderung auf Facebook wurde bis gestern fast 2400 Mal geteilt. Die "Krone" wird über die Reaktionen berichten und welche Systemfehler der Firmenchef ortet.

Andreas Moser, Kronen Zeitung

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