Mo, 11. Dezember 2017

Gefahr aus dem All

24.06.2017 07:31

Was, wenn ein Asteroid unsere Erde trifft?

Meterhohe Tsunamis, gewaltige Hitze und druckvolle Stoßwellen: Hollywood hat schon häufig vorgemacht, was beim Einschlag eines Asteroiden auf der Erde passieren könnte. Britsche Forscher fanden nun heraus, welcher Effekt eines einschlagenden Asteroiden auf der Erde die gravierendsten Folgen für die Menschen, also die meisten Opfer hätte. Die Wahrscheinlichkeit eines verheerenden Einschlags sei aber gering, beruhigen die Experten.

Sie tragen Katalognamen wie "2004 BL86", "2014 JO25" oder "2009 JF1" und die Mehrheit der Menschen hat wahrscheinlich noch nie etwas von ihnen gehört. Kein Wunder, die meisten Asteroiden rauschen weit entfernt von der Erde durch das Weltall. Doch manche kommen dem Blauen Planeten ziemlich nahe. Für die Menschheit ging das bisher glimpflich aus, aber was, wenn aus apokalyptischen Science-Fiction-Visionen von Hollywood irgendwann Realität wird?

Bei Asteroiden von bis zu 400 Metern Durchmesser müsste man sich vor allem vor gleichzeitig auftretenden Windstößen und Druckwellen schützen, wie Forscher jetzt herausgefunden haben. Das Team um Clemens Rumpf von der Universität Southampton in Großbritannien hat untersucht, welcher Effekt eines einschlagenden Asteroiden auf der Erde die gravierendsten Folgen für die Menschen, also die meisten Opfer hätte.

Sieben auftretende Effekte analysiert
Für die im Journal "Geophysical Research Letters" veröffentlichte Studie analysiert die Wissenschaftler die Verteilung der möglichen Opfer nach sieben wahrscheinlich auftretenden Effekten: Tsunamis, fliegende Trümmer, Schockwellen, Hitze, Erdbeben, Winde und Kraterbildung.

Ihr Ergebnis: Bei Einschlägen ins Meer führen Tsunamis naturgemäß zu den meisten Opfern. Insgesamt gesehen gehe davon jedoch keine so große Gefahr aus wie von Einschlägen auf der Erde. Besonders gefährlich seien bei letzteren atmosphärische Druckwellen, die sich mit Überschallgeschwindigkeit ausbreiten, und dabei entstehende starke Winde. Sie seien für über 60 Prozent der Todesopfer bei Einschlägen von Asteroiden bis 400 Metern Durchmesser verantwortlich. Die Wellen, die durch den steigenden Druck in der Atmosphäre entstehen, und Windstöße, die die Druckunterschiede ausgleichen und die Geschwindigkeit von Orkanen überschreiten, könnten Menschen durch die Luft schleudern und Gebäude einstürzen lassen.

In ihrem Computermodell ließen die Forscher 50.000 Asteroiden mit 15 bis 400 Metern Durchmesser - die am wahrscheinlichsten auftretenden Größen - auf die Erde treffen. Die Ergebnisse könnten Krisenmanagern bei der Vorbereitung auf einen drohenden kosmischen Einschlag helfen, kommentierte Rumpf in seiner Studie. Bei kleineren Einschlägen könne die Bevölkerung Schutz etwa in Kellern suchen, bei größeren Asteroiden seien Evakuierungen unumgänglich.

Wahrscheinlichkeit eines Einschlags gering
Ein Asteroid mit rund 60 Metern Durchmesser trifft laut Rumpf im Schnitt etwa alle 1.500 Jahre auf die Erde, ein rund 400 Meter breiter alle 100.000 Jahre. "Die Wahrscheinlichkeit eines Asteroideneinschlags ist wirklich gering. Aber die Konsequenzen können unvorstellbar sein", sagte Rumpf.

Kleinere Körper verglühen häufig in der Atmosphäre - auf der Erdoberfläche bekommt man davon meist nichts mit. 2013 aber explodierte ein etwa 20 Meter großer Meteorit über der russischen Millionenstadt Tscheljabinsk und ließ die Auswirkungen solcher gefährlichen Stoßwellen erahnen: Rund 7000 Gebäude wurden beschädigt, etwa 1500 Menschen verletzt.

Das Problem: Solche kleinen Körper seien zahlreich, oft nicht sichtbar und deshalb schwer zu beobachten, sagte Kai Wünnemann vom Naturkundemuseum in Berlin. Doch wie Tscheljabinsk zeigte, dürfe auch diese Gefahr nicht unterschätzt werden. Genaue Vorhersagen, wann der nächste Körper Kurs auf die Erde nehme, seien unrealistisch. In den nächsten zehn Jahren könne ein solches Ereignis aber durchaus wieder passieren.

Bei großen Asteroiden, die auch einmal zehn Kilometer Durchmesser erreichen und dann als "global killer" ("globale Zerstörer") bezeichnet werden, sei das zum Glück äußerst selten. Der Asteroid, der vor rund 65 Millionen Jahren den Dinosauriern den Garaus machte, war so einer. Alle 100 Millionen Jahre etwa trete im Durchschnitt ein solch zerstörerisches Ereignis auf, so die Forscher.

Einschlag in der Tunguska-Region
Um das Thema weiter in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, hat die Vollversammlung der Vereinten Nationen im vergangenen Jahr den 30. Juni zum Welt-Asteroiden-Tag ausgerufen. Das Datum markiert den Jahrestag des größten Asteroideneinschlags der jüngeren Geschichte: Am 30. Juni 1908 hatte ein Treffer in der Tunguska-Region in Sibirien rund 2.000 Quadratkilometer unbewohntes Gebiet verwüstet. Der Asteroid hatte nach Forscherschätzung einen Durchmesser von 30 bis 40 Metern.

Sollte ein solcher Brocken in seiner Flugbahn wieder Kurs auf die Erde nehmen, gibt es für die europäische Weltraumagentur ESA nur zwei Möglichkeiten: ablenken oder zerstören. Es gebe viele Vorschläge, von Sonnenspiegeln bis zu Wasserstoffbomben. Technisch oder finanziell umsetzbar sind die meisten davon allerdings nicht. Realistischer sei der Einsatz von Einschlagprojektilen zur Bahnablenkung. 

Kinetischer Impaktor oder einfach "Prellbock", nannte Wünnemann die Objekte, die einem Asteroiden auf dem Weg zur Erde aktiv in den Weg gesetzt werden sollen. Die gemeinsame "Aida"-Mission von ESA und ihrem US-Pendant NASA, die der Asteroidenabwehr gilt, soll hierüber Erkenntnisse bringen.

Nächster großer Asteroid passiert Erde 2027
"2014 JO25" sei Mitte April vergleichsweise dicht an der Erde vorbeigeflogen, teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa mit, konnte eine Kollision mit dem 650-Meter-Asteroiden aber schon früh ausschließen. Die Entfernung betrug rund 1,8 Millionen Kilometer oder die 4,6-fache Erde-Mond-Distanz. Die nächste Annäherung eines vergleichbaren Asteroiden ist von der NASA für 2027 vorhergesagt. "1999 AN10" wird dann in 380.000 Kilometern Entfernung an der Erde vorbeirauschen. Genauso nah wie der Mond der Erde ist. Das sei zwar nah, erklärte Wünnemann, aber: "Alles was vorbeifliegt, ist nicht gefährlich."

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Redaktion
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