Di, 12. Dezember 2017

Switch-Kampfspiel

22.06.2017 10:29

"ARMS": Prügelei mit Bewegungs-Steuerung im Test

Besitzer von Nintendos mobil wie am TV-Gerät nutzbarer Switch-Konsole haben neuerdings ein bizarres Hobby: Sie lassen in "ARMS" mit hochelastischen Sprungfedern statt Armen ausgestattete Superhelden in knackigen Arenakämpfen gegeneinander antreten und hauen sich auf die bunteste denkbare Art und Weise die Hucke voll. Wie sich das spielt? krone.at hat es getestet.

Erinnern Sie sich noch an das Box-Minispiel im Klassiker "Wii Sports"? Als Nintendo mit der Wii die erste Konsole mit Bewegungssteuerung herausbrachte, war der Box-Kampf eines der beliebtesten Minispiele in der Sportspiel-Sammlung. Kein Wunder, dass Nintendo nun auch seiner neuen Konsole Switch ein Kampfspiel mit Bewegungssteuerung spendiert hat: "ARMS".

Bunte Prügelei mit Feder-Armen
Während sich "Wii Sports" puristisch gab, ist "ARMS" eine deutlich buntere Angelegenheit geworden. Die abgedrehten Comic-Kämpfer von "ARMS" haben allesamt weit mehr Charakter als die Boxer in "Wii Sports". Die Arenen kann man zwar nicht mit der Grafik auf Konkurrenzkonsolen oder gar einem PC vergleichen, sie sind aber hübsch anzusehen. Und der sehr individuelle Stil des Prüglers erinnert ein wenig an Nintendos ungewöhnlichen Mehrspieler-Shooter "Splatoon".

Die größte Besonderheit von "ARMS" ist aber die Spielmechanik: Während man in anderen Prügelspielen danach trachtet, nah an den Gegner heranzukommen und ihm eine ordentliche Abreibung zu verpassen, bleibt man in "ARMS" lieber auf mittlerer Distanz. Der Grund: Die Länge der Arme ist in "ARMS" nicht der limitierende Faktor. Die Fäuste - man darf in jedem Match zwischen verschiedenen Handschuhen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Flugeigenschaften wählen - sind an langen Federn befestigt, die man dem Gegner entgegenschleudert.

Nicht intuitiv, aber schnell erlernt
Die damit verbundenen langen "Schlagwege" verleihen den "ARMS"-Prügeleien einen besonderen Reiz - vor allem, wenn man die Joycon-Controller der Switch abnimmt und mit ihnen in die Luft boxt. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase in die nicht unbedingt intuitive, aber schnell zu erlernende Steuerung ist es durchaus spaßig, die Arme auszuwerfen und ihnen im Flug noch den richtigen Spin mitzugeben, um den Gegner zu treffen. Dieser kann durch schnelle Ausweich-Sprints und Sprünge versuchen, dem Angriff auszuweichen oder ihn durch eine bestimmte Controller-Haltung parieren.

Zugegeben: Besonders ergonomisch erschien uns die Bewegungssteuerung mit den winzigen und im Fall von "ARMS" auch noch verdreht gehaltenen Joycon-Controllern im Test nicht. Die Präzision stimmt aber, die Switch reagiert verzögerungsfrei auf die Handgesten und erlaubt mitten im Schlag sogar noch Richtungskorrekturen der fliegenden Fäuste durch leichte Lagejustierungen der Controller.

Hat man sich daran gewöhnt, bietet die Bewegungssteuerung von "ARMS" deutlich mehr Tiefe als seinerzeit das Boxen in "Wii Sports" - und eine unkonventionelle und eigenständige Alternative zu klassischen Prügelspielen à la "Street Fighter". Eine vor allem unterwegs nützliche konventionelle Steuerung per Controller gibt es zwar auch, wir raten aber für ein Maximum an Spielspaß zur Bewegungssteuerung.

Sauberes Drumherum, genug Abwechslung
Zumal auch das Drumherum gut gelungen ist. Nintendo hat seinem kindgerechten Prügler zehn unverwechselbare Kämpfer im Comic-Look spendiert: Vom Ketten-Ninja über die ihre Fäuste an langen Bandagen herumschleudernde Mumie bis hin zum fehlgeschlagenen Schleim-Experiment zeugt jeder der "ARMS"-Athleten von viel Einfallsreichtum und Liebe zum Detail.

Höchstens über den Umfang könnte man klagen: Zehn Kämpfer sind im Vergleich mit den über 30 Haudraufs eines "Tekken 7" nicht viel, die verfügbaren Modi sind größtenteils ebenfalls nichts, was andere Genrevertreter nicht auch hätten.

Manche Modi bieten aber durchaus auch Abwechslung. Zu klassischen Kämpfen in 3D-Arenen, bei denen man wahlweise die Künstliche Intelligenz oder - Zusatz-Controller notwendig! - einen menschlichen Mitspieler verprügelt, gesellen sich kurzweilige Spielmodi wie Bomben-Volleyball oder Zielscheiben-Boxen mit Punktewertung. Dass die Arenen schön abwechslungsreich sind und dort und da sogar levelspezifische Gefahren lauern, ist ebenfalls gut gemacht.

Erstaunlich viel taktische Tiefe
Mächtige Spezial-Moves, die gestartet werden, wenn man den Gegner geschickt mit beiden Armen zu fassen bekommt, bringen ebenso wie sich mit der Zeit aufladende Finisher Tiefe in die Matches. Dass jeder Kämpfer seine eigenen Stärken und Schwächen hat, ohne dass es dabei an Balance fehlen würde, sei ebenfalls positiv erwähnt.

Tatsächlich ist "ARMS" sogar recht strategisch: Nach einer Weile schleudert man die Fäuste nicht mehr wild gen Gegner, sondern überlegt genau, wann es an der Zeit für einen Block, einen Angriff oder gar einen Special-Move ist. Treffen zwei nach diesem Muster vorgehende Gegner aufeinander, wird's richtig spannend.

Hübsche Optik, gewöhnungsbedürftiger Sound
Optisch ist "ARMS" insgesamt durchaus gelungen: Der bunte Comic-Look kaschiert gekonnt, dass nicht besonders hochauflösende Texturen im Spiel sind und man auf Konkurrenz-Plattformen detailliertere Charaktermodelle findet. Bei einem flotten Prügelspiel wie "ARMS" dürfte überdies manch ein Spieler mehr Wert auf flüssige Bildwiederholraten als auf grafische Opulenz legen - und die hielt die Switch im Test stets auf 60 Bildern pro Sekunde.

Über den Sound kann man streiten: Der Soundtrack mit seinen Ohrwurm-Melodien ist eingängig, aber mit für manche Spieler sicherlich gewöhnungsbedürftigen Sprechchören untermalt. Die Sprachausgabe beschränkt sich auf das Nintendo-typische Gebrabbel, während Textboxen verraten, was denn nun wirklich gesagt wurde. Die Soundeffekte sind indes wieder recht gut getroffen und verleihen den weiten Schlägen viel "Wumms".

Fazit: Wer Freude an Bewegungssteuerung und Prügelspielen hat, könnte viel Freude mit "ARMS" haben. Was anfangs wie ein aufgemotztes "Wii Sports"-Boxen wirkt und optisch wie akustisch nicht ganz in der obersten Liga spielt, entfaltet mit der Zeit viel taktische und spielerische Tiefe. Der bunte Comic-Look mit seinen abgedrehten Charakteren wird insbesondere jüngere Spieler anziehen. Durch die Bewegungssteuerung kann man "ARMS" überdies beim schnellen Mehrspielerspaß zwischendurch auch Menschen zumuten, die mit dem Medium Videospiel normalerweise wenig zu tun haben.

Plattform: Switch
Publisher: Nintendo
krone.at-Wertung: 8/10

Dominik Erlinger
Redakteur
Dominik Erlinger
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