Sa, 25. November 2017

Neuer Angriff in GB

19.06.2017 16:32

London-Terror: „Es fühlt sich an wie im Krieg!“

Zwei Wochen nach dem jüngsten Terroranschlag wird London erneut von einer blutigen Gewalttat erschüttert: Ein Lieferwagen ist in der Nacht auf Montag in der Nähe einer Moschee in eine Menschenmenge gerast. Dabei wurde ein Mann getötet, mehrere Menschen wurden verletzt. Bei allen Opfern handelt es sich um Muslime. Der 47-jährige Fahrer, der von Zeugen überwältigt wurde, wurde festgenommen. Die Tat erinnert einmal mehr an die Attacke von Nizza oder kürzlich an der Londoner Westminster Bridge. Für viele Briten fühlt es sich in der Hauptstadt mitterweile an "wie im Krieg".

Kurz nach Mitternacht (1.20 Uhr MEZ) sei ein Notruf eingegangen, der einen "Zusammenstoß zwischen einem Fahrzeug und Fußgängern" gemeldet habe, erklärte die Polizei. Der Vorfall ereignete sich im Nordosten der britischen Hauptstadt nahe der U-Bahn-Station Finsbury Park beim "Muslim Welfare House".

Moschee nahe Anschlagsort galt als Brutstätte des Terrors
Dieses bietet Muslimen nicht nur Raum für gemeinsame Gebete, sondern auch Sport- und Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche sowie Nothilfe für Frauen und Kinder, die etwa Opfer häuslicher Gewalt werden. In unmittelbarer Nähe befindet sich eine große Moschee, die Anfang der 2000er-Jahre wegen des Hasspredigers Abu Hamza al-Masri Schlagzeilen machte und lange Zeit als Brutstätte des Terrors galt.

Der Fahrer, der mit einem Kleinlaster in eine Menschenmenge raste, wurde nach seiner Festnahme "als Vorsichtsmaßnahme" in ein Krankenhaus gebracht, wo er laut Polizei auf seine psychische Gesundheit untersucht werde. Der Angreifer sei 47 Jahre alt, er war den Behörden bisher nicht bekannt. Acht Verletzte wurden in Krankenhäuser gebracht, zwei Leichtverletzte am Ort des Geschehens behandelt.

Im Video - Täter schickt Kuss aus Polizeiwagen:

Ein weiteres Handyvideo zeigt ebenfalls die Festnahme des Mannes. Darin ist der 48-Jährige zu sehen, wie er an der Rückseite des Polizeitransporters steht und von einem Beamten festgehalten wird. Rundherum sind wütende Menschen zu sehen.

Das Fahrzeug, mit dem der 47-Jährige Passanten rammte, war ein gemieteter weißer Lieferwagen. Der Lastwagen gehört einer Autovermietung, die ihre Zentrale in einem Industriegebiet in der Nähe von Cardiff in Wales hat, wie der "Guardian" berichtete. Es gebe außer dem Fahrer keine weiteren Verdächtigen, wie Scotland Yard indessen mitteilte. Man habe auch keine Waffen wie etwa Messer bei dem Fahrer des Lastwagens gefunden.

Der Mann habe seinen Wagen vorsätzlich in die Menge gesteuert und die Menschen "einfach überfahren", sagte der Augenzeuge Khalid Amin der BBC. "Dieser Mann wusste ganz genau, was er tut. Er wusste, wann die Betenden aus der Moschee kommen", vermutete auch der 18-jährige Zeuge Abdul Abdulahi. Zwei Stunden vorher oder nachher, so der 18-Jährige, "wäre niemand hier gewesen". "Es lagen Menschen auf dem Boden, alte Menschen, Kinder. Es war schockierend." Die Gemeindemitglieder waren während des Fastenmonats Ramadan nach dem Ende eines Gebets auf der Straße, als es zu dem Angriff kam. Die Opfer gehören laut Scotland Yard alle der muslimischen Gemeinde an.

Passanten leisteten gerade Erste Hilfe, als Wagen in Menge raste
Der Lastwagen-Angriff soll zu einem Zeitpunkt passiert sein, als Passanten gerade dabei waren, einem älteren Mann Erste Hilfe zu leisten. Dieser soll zuvor in einem Bus kollabiert sein. Eben dieser Mann sei dann von dem Lastwagen erwischt worden und gestorben, wie die Polizei erklärte. Allerdings blieb die Todesursache des Mannes vorerst unklar, wie Neil Basu, Großbritanniens Koordinator für die Terrorismusbekämpfung, mitteilte. "Leider ist dieser Mann gestorben. Es ist zu früh, um zu sagen, ob sein Tod ein Ergebnis dieses Angriffs war", so Basu.

Social-Media-Reaktionen auf Twitter:

Täter soll "Ich töte alle Muslime" geschrien haben
Augenzeugen berichteten gegenüber der "Daily Mail", dass sich kurz nach der Tat wütende Passanten auf den Fahrer gestürzt hätten. "Dabei schrie er, dass er alle Muslime töten werde. Dann schrie er, dass man ihn selbst töten solle", sagte ein Zeuge. Der Täter wäre demnach rund zwanzig Minuten lang von Passanten festgehalten worden, ehe die Polizei eintraf. "Er ist sehr groß und sehr stark", sagte ein Augenzeuge.

Toufik Kacimi, der Leiter des Gebetshauses, in dessen unmittelbarer Nähe der Zwischenfall passierte, erklärte gegenüber dem Sender Sky News zudem, der Täter habe gerufen: "Ich habe meinen Teil getan."

Wie Kacimi weiter berichtete, sei der Täter ausgerechnet vom Imam der benachbarten Moschee vor einem wütenden Mob Umstehender beschützt worden, nachdem er den Lieferwagen verlassen hatte. "Menschen hielten ihn fest und begannen, ihn zu schlagen. Unser Imam Mohammed Mahmoud kam hinzu und rettete ihn, rettete quasi sein Leben", sagte Kacimi Sky News.

"Alle Anzeichen eines Terroraktes"
Die Rettungskräfte waren im Großeinsatz. Anti-Terror-Ermittler haben die Untersuchung des Vorfalls übernommen. Terrorismuskoordinator Basu betonte bei einer Pressekonferenz am Montagvormittag, die Bluttat weise "alle Anzeichen eines Terroraktes" auf und wird von den Behörden auch als solcher behandelt: "Das war eine Attacke auf London und alle Londoner."

Eine Augenzeugin berichtete auf Twitter: "Schrecklich, Polizisten zu sehen, die Herzmassagen bei am Boden liegenden Menschen machen, verzweifelt hoffend, sie zu retten." Eine andere Zeugin schilderte: "Es gibt viele Menschen, die weinen und viele Verletzte. Es scheint so, als sei die Moschee das Ziel gewesen."

Der Britische Rat der Muslime teilte auf Twitter mit, er sei darüber informiert worden, dass ein Minivan Gläubige überfahren habe, als diese gerade die Finsbury-Park-Moschee verließen. Mohammed Kozbar, der Vorsitzende der Moschee, sagte der "Sun": "Wer immer das getan hat, wollte Menschen verletzen. Das ist eine Terrorattacke."

Rat der Muslime: "Fahrer womöglich von Islamhass motiviert"
Aus Sicht des Rats der Muslime könnte der Zwischenfall ein gegen Muslime gerichteter Anschlag gewesen sein. "Von den Augenzeugenberichten her scheint es, als wäre der Täter von Islamhass motiviert gewesen", schrieb der Rat am frühen Montagmorgen. Muslime hätten in den vergangenen Wochen und Monaten oft Islamhass erleben müssen, der nächtliche Vorfall nahe einem muslimischen Gemeinschaftshaus sei dessen "gewalttätigste Manifestation" bislang.

May: "Schrecklicher Zwischenfall"
Die britische Premierministerin Theresa May sprach von einem "schrecklichen Zwischenfall" vor der Moschee. "All meine Gedanken sind mit jenen, die verletzt wurden, mit deren Angehörigen und mit den Rettungskräften vor Ort", teilte May am frühen Montag mit. Jeremy Corbyn von der oppositionellen Labour-Partei twitterte, er sei "total schockiert".

Terrorserie in britischer Hauptstadt
Großbritannien war zuletzt von drei Anschlägen erschüttert worden. Am 22. März war ein Mann mit einem Auto auf der Westminster Bridge in eine Menschenmenge gefahren, bevor er einen vor dem Parlament stationierten Polizisten mit einem Messer tötete. Insgesamt fünf Menschen wurden bei dem Anschlag getötet. Der Angreifer wurde erschossen.

Am 22. Mai sprengte sich ein Attentäter bewurden getötet, Dutzende verletzt. Am 3. Juni rasten drei Männer mit einem Kleinlaster in Fußgänger auf der London Bridge in der britischen Hauptstadt. Anschließend griffen sie Passenten im Viertel um den Borough Market mit Messern an. Acht Menschen wurden getötet. Die Polizei erschoss die Angreifer.

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Redaktion
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