Sa, 18. November 2017

Drama hinter Ableben

17.06.2017 16:45

Kohl-Sohn erfuhr im Autoradio vom Tod des Vaters

Hinter dem Ableben von Helmut Kohl (87), dem deutschen Alt-Kanzler und Vater der deutschen Einheit, spielte sich am Freitag auch eine familiäre Tragödie ab: Sein 53-jähriger Sohn Walter kam schwer betroffen und mit Tränen in den Augen zum Familienhaus der Kohls in Ludwigshafen-Oggersheim. Er hatte, nachdem sein Vater vor Jahren jeden Kontakt zu den beiden Söhnen abgebrochen hatte, erst im Autoradio vom Ableben des Ex-Politikers erfahren.

Bereits zur Hochzeit mit seiner zweiten Ehefrau, der 34 Jahre jüngeren Maike Richter, im Jahr 2008 waren die beiden Söhne Walter und Peter nicht mehr eingeladen gewesen. "Dass sie stattfinden sollte, wusste ich vorher, allerdings nicht den Termin. Doch erst danach wurde ich über den Vollzug durch ein Dreizeilentelegramm informiert. Ich gebe zu, dass mich diese Vorgehensweise damals befremdet hat. Aber mein Vater hat es so gewollt und ich kann es heute akzeptieren. In solchen Situationen hilft einem die Kraft der Versöhnung", hatte er kurz danach in einem Interview erzählt.

Der neuen Frau an Helmut Kohls Seite wurde von vielen Seiten vorgeworfen, sie habe immer schon an den 34 Jahre älteren Ex-Politiker herankommen wollen, habe ihn systematisch abgeschottet, alle Fäden selbst in die Hand genommen und dafür gesorgt, dass er alte Bünde kappt - zu seinen Söhnen, zu alten Vertrauten wie seinem Fahrer "Ecki" Seeberg.

"Enkel litten, dass ihr Großvater nicht erreichbar war"
Zur Versöhnung mit den Söhnen war es jedenfalls auch in den folgenden Jahren nicht gekommen. "Mein Vater hat allen Kontakt abgebrochen zu vielen Menschen in seinem Umfeld, auch zu seiner ganzen alten Familie. Angefangen von meinem Bruder und mir, auch zu seinen Enkeln, die sehr darunter gelitten haben, dass ihr Großvater für sie nicht erreichbar war", erzählte Walter Kohl am Freitag deutschen Medienvertretern vor dem Familienanwesen. Über die Gründe für diese zusehende Isolation des Altkanzlers war in den letzten Jahren viel spekuliert worden - ganz geklärt werden sie wohl nie werden.

Beigetragen hat dazu wohl auch Walter Kohls Buch "Leben oder gelebt werden: Schritte auf dem Weg zur Versöhnung" aus dem Jahr 2011, in dem er viel über seine familiäre Herkunft erzählt und das von vielen als "Abrechnung" mit seinem Vater interpretiert wurde. Im selben Jahr soll auch das letzte Telefonat zwischen Vater und Sohn stattgefunden haben - obwohl Walter immer wieder versuchte, den Kontakt wiederherzustellen. "Sie sehen einen Menschen, der sehr traurig ist. Ich finde es schade, wenn man nicht in der Lage ist, die Dinge in diesem Leben zu regeln. Ich habe das über verschiedene Kanäle versucht - ohne großes Glück. Jetzt ist es so, wie es ist", stellte er gegenüber dem deutschen TV-Sender RTL nüchtern fest.

"Seine Überzeugungskraft würde Europa heute sehr gut"
Von der Todesnachricht habe er "kurz nach sechs auf einer Autofahrt im Radio" erfahren (das Ableben Helmut Kohls wurde am Freitag kurz nach 17 Uhr bekannt gegeben, Anm.), schilderte er. In Erinnerung behalten wolle er Helmut Kohl "als meinen Vater. Als einen Menschen, der sehr viel gemacht hat, der immer unterwegs war, der sehr dynamisch war und immer polarisiert hat. Und als einen Menschen, der viel für den Frieden in Europa gemacht hat. Menschen seiner Überzeugung und seiner Überzeugungskraft würden Europa heute sehr gut tun".

Michael Pils
Redakteur
Michael Pils
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