Sa, 16. Dezember 2017

Wohnung geflutet

17.06.2017 09:34

So rettete Mutter ihre Familie bei London-Inferno

Drama in der Feuerhölle von London mit glücklichem Ausgang: Natasha Elcock (39) hat ihrer Familie beim verheerenden Hochhausbrand in der Nacht auf Mittwoch durch ihr beherztes Eingreifen wohl das Leben gerettet. Sie flutete ihre Wohnung mit Wasser und verhinderte so ein Übergreifen der Flammen. Nach stundenlangem Ausharren wurde die erschöpfte Familie von der Feuerwehr in Sicherheit gebracht.

Wie Elcock gegenüber der britischen "Sun" berichtet, befand sie sich mit ihrem Freund und ihrer Tochter (6) im elften Stock des Grenfell-Towers, als der Brand in der Nacht auf Mittwoch ausbrach. Da sich das Feuer rasant ausbreitete, wurde das Paar zunächst von den Rettungskräften angewiesen, ruhig zu bleiben und auf keinen Fall ihre Wohnung zu verlassen, Hilfe sei unterwegs.

"Glühend heiße Türe ließ sich nicht mehr öffnen"
Nach 90 Minuten bangen Wartens sagte man Elcock und ihrer Familie, sie sollten jetzt doch auf eigene Faust versuchen, aus dem Haus zu entkommen. "Doch als wir die Wohnung verlassen wollten, war die Türschnalle inzwischen glühend heiß geworden und die Tür ließ sich nicht mehr öffnen. Ich verbrannte mir die Hände", erzählt Elcock.

Flucht in den kühlsten Raum, Tochter auf durchtränkten Teppich gesetzt
Elcock wollte jedoch nicht untätig zuwarten: "Ich habe den Wasserhahn in der Badewanne aufgedreht und die Wohnung geflutet. Das hielt die Wohnung feucht", sagt die 39-Jährige. "Das hat uns vielleicht unser Leben gerettet." Sie schüttete Wasser auf die Wände und alle Oberflächen, die sie erreichen konnte. Danach flüchtete sich die Familie in den kühlsten Raum, Elcock setzte ihre kleine Tochter auf den durchtränkten Teppich. "Die Türe verbog sich in der Hitze, das Glas der Fenster bekam Sprünge. Wir wussten nicht, wie lange wir das durchhalten können und ob überhaupt noch jemand zur Hilfe kommen wird", verrät Elcock.

Doch das Wunder geschah: Gegen 3 Uhr brach die Feuerwehr die Türe auf. Sie brachten die erschöpfte Familie in Sicherheit, wo sie ärztlich behandelt wurden - alle drei hatten giftigen Rauch eingeatmet.

Mindestens 30 Tote, Zahl wird aber noch steigen
Nach dem Hochhausbrand im Grenfell Tower in West-London in der Nacht auf Mittwoch ist die offizielle Zahl der Toten auf mindestens 30 gestiegen. Das teilte Polizeisprecher Stuart Cundy am Freitag in der britischen Hauptstadt mit. "Leider wird die Zahl noch steigen", fügte er hinzu. Bisher gebe es keine Hinweise auf eine mögliche Brandstiftung. Das Feuer dürfte in der Wohnung eines Taxifahrers aus Äthiopien in der Küche ausgebrochen sein und von dort schnell auf andere Teile des Hauses übergegriffen haben. Der 44-jährige Behailu Kebede reagierte aber offenbar beherzt, alarmierte noch Dutzende Nachbarn und rettete ihnen somit das Leben.

Video: Großeinsatz in London - Hochhaus in Vollbrand

Mehr als 70 Menschen werden vermisst. Die Polizei warnt, dass manche Leichen möglicherweise nie identifiziert werden könnten. 24 Überlebende würden derzeit in Krankenhäusern behandelt, zwölf von ihnen schweben in Lebensgefahr.

Angehörige suchen weiter nach Vermissten
Zwei Tage nach dem verheerenden Brand sind alle Brandnester gelöscht. Die Feuerwehr sucht mit Drohnen und Suchhunden nach Menschen in dem total zerstörten Hochhaus. Einige der oberen Etagen sind wegen Einsturzgefahr noch immer unzugänglich. Verzweifelte Angehörige und Freunde machten mit Fotos rings um die Brandruine auf Vermisste aufmerksam.

Königin Elizabeth II. und ihr Enkel Prinz William besuchten Überlebende in einer städtischen Notunterkunft und trafen am Grenfell Tower Retter und Anwohner. Premierministerin Theresa May suchte Verletzte in Krankenhäusern in Chelsea und Westminster auf. Die Regierungschefin hatte Kritik einstecken müssen, weil sie am Donnerstag bei ihrem Besuch am Hochhaus keine Anrainer getroffen hatte.

Franz Hollauf
Redakteur
Franz Hollauf
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