Sa, 16. Dezember 2017

Kalenderwoche 25

23.06.2017 17:00

Sie stellen Fragen - Experten antworten

Unsere Leser haben jede Woche die Möglichkeit, sich mit medizinischen Fragen per E-Mail an die Gesundheitsredaktion der "Krone" zu wenden. Wir leiten die Anfragen an kompetente Fachleute aus allen heilberufen zur Beantwortung weiter.

Trigeminusneuralgie
Renate W.: "Ich bin 22 Jahre alt und leide an Trigeminusneuralgie. Allerdings wurde diese Krankheit jahrelang nicht erkannt. Man behandelte meine starken Schmerzen immer wieder mit Medikamenten gegen Kopfweh. Weiters wurden mir regelmäßig Antibiotika verschrieben. Derzeit leide ich an einer starken Nebenhöhlenentzündung, gegen die bisher nichts geholfen hat. Auch nicht Cortison. Würde es nützen, meine Darmflora mit geeigneten Produkten aufzubauen? Ich bin unschlüssig und bitte um eine Expertenmeinung."

Kopf- und Gesichtsschmerzen sind leider sehr häufig. Die Zuordnung zu speziellen Diagnosen erfolgt ausschließlich nach der Symptomatik und erfordert ein sehr genaues Abfragen der Beschwerden. Bei Gesichtsschmerzen wird am häufigsten die sogenannte Trigeminusneuralgie diagnostiziert. Es handelt sich dabei um einen plötzlich heftig einschließenden Schmerz in einem der drei Äste des Nerven (meistens im Bereich von Wange oder Kinn). Der Trigeminusnerv leitet Empfindungen der Haut des Gesichtes an das Gehirn weiter. Die Anfälle treten mehrfach hintereinander und meist in Phasen von Wochen bis Monaten auf. Auslösend können Faktoren wie Essen, Sprechen, Zähneputzen oder auch nur bloße Berührung sein.

Die Störung kann ohne Ursache (=idiopathisch) oder durch organische Hintergründe (Entzündungen, Infektionen, Tumoren, Multiple Sklerose) bedingt sein. Die idiopathische Trigeminusneuralgie ist eine Erkrankung des höheren Lebensalters. Im vorliegenden Fall ist eher eine organische Ursache abzuklären. Allerdings können Gesichtsschmerzen durch viele andere Ursachen ausgelöst werden. Zum Beispiel durch Erkrankungen der umliegenden Organe: Entzündungen der Zähne, der Nasennebenhöhlen oder der Augen. Auch bestimmte Migräneformen, Fehlstellungen des Kiefergelenkes bzw. Abnützungen des Gelenkes und Verspannungen der Kaumuskulatur kommen in Frage. Schmerzen können auch ohne erkennbare Ursache auftreten. Die Therapie kann also nur nach genauester Abklärung und möglichst exakter Zuordnung erfolgen.

Ein wichtiger Punkt in der Anfrage ist die Bemerkung, dass in letzter Zeit viele Antibiotika konsumiert wurden. Waren die alle notwendig? Zahlreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass beim Löwenanteil der gängigen Infektionen Viren im Spiel sind, gegen die Antibiotika nicht helfen. Auch bei einer akuten Nasennebenhöhlenentzündung ist der Nutzen von Antibiotika sehr umstritten. Kurzzeitig angewendet können Nasentropfen mit Kortison und das Spülen mit salinen Lösungen hilfreich sein. Es sollte auf jeden Fall eine Abklärung beim HNO-Facharzt erfolgen, der zum Beispiel Nasenpolypen und Allergien ausschließen kann.

Antibiotika sind grundsätzlich ein Segen, bergen aber auch Risiken in sich. Bei häufiger Anwendung können sie Bakterien resistent (unempfindlich) gegen diese Medikamente machen. Dann wirkt die Behandlung damit bei schweren Infektionen nicht mehr! Durch Antibiotika kann überdies die gesunde Darmflora (Besiedelung der Schleimhaut mit nützlichen Bakterien) gestört sein. Diese ist aber auch laut wissenschaftlichen Erkenntnissen wichtig für das Immunsystem, den Stoffwechsel und sogar für die Psyche.

Die Erforschung des Mikrobioms, also all unserer Mitbewohner im Darm und auf der Haut, zählt zu den spannendsten Arbeitsbereichen der modernen Medizin. Die Einnahme von geeigneten Präparaten, aber auch Joghurt und Buttermilch kann durchaus sinnvoll sein.

Univ.-Prof. Dr. Siegrid Fuchs
Med. Universität Graz, Abteilung für Neurologie.
Informationen: 0316/385 80389, siegrid.fuchs@medunigraz.at

Dr. Herbert Woschnagg
Facharzt für Innere Medizin, Wien

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