Sa, 25. November 2017

Brandherd in Küche

16.06.2017 16:57

Londoner Taxifahrer: „Ich ertrage das nicht!“

Behailu Kebede kam in den 90er-Jahren als Asylwerber nach Großbritannien und lebte seitdem in London. Der 44-jährige Taxifahrer aus Äthiopien, dessen defekter Kühlschrank wohl das Flammeninferno im Grenfell Tower ausgelöst hat, bei dem über 100 Tote befürchtet werden, ist fassungslos. Unter den Vermissten bzw. Toten seien auch viele seiner Freunde, wie ein enger Freund gegenüber britischen Medien erzählt. "Er steht unter Schock und hat mir gesagt, er ertrage das nicht", meint der Freund.

"Er lebte dort schon seit Jahren und kann es einfach nicht fassen, dass so viele tot sein sollen. Er sprach von einem Mädchen und einem Taxler-Kollegen, von dem er seit Ausbruch des Brandes nichts mehr gehört habe", schildert der Freund gegenüber der "Sun". Kebede hätte nie gedacht, dass das ganze Gebäude zerstört und so viele Menschen von den Flammen eingeschlossen würden. "Er wird sich die Schuld geben, obwohl er nichts dafür kann", so der Freund weiter, der sich sichtlich Sorgen über die psychische Verfassung des 44-Jährigen macht.

Taxifahrer versuchte, möglichst viele Menschen zu retten
Tatsächlich versuchte der Taxifahrer noch alles in seiner Macht stehende, um möglichst viele Nachbarn zu alarmieren und aus dem Gebäude zu holen. "Ich kann mich genau daran erinnern, weil er mich durch sein energisches Klopfen aus dem Schlaf geholt hat", erklärte etwa eine Nachbarin am Donnerstag gegenüber der "Daily Mail".

"Stets ein Lächeln auf den Lippen - bis zur Brandkatastrophe"
Kebedes guter Freund war gemeinsam mit dem 44-Jährigen aus Äthiopien nach Großbritannien geflohen. Die beiden stehen seit damals in engem Kontakt und haben auch anderen geflüchteten Landsleuten geholfen. Laut den Angaben des 52-Jährigen hatte Kebede "stets ein Lächeln auf den Lippen". Aber seit der Katastrophe habe sich dieses Lächeln in tiefste Trauer gewandelt.

Video: Die ersten Aufnahmen aus dem Inneren des abgebrannten Hochhauses

Einsatzkräfte befürchten dreistellige Todesopferzahl
Langsam wird das ganze Ausmaß der Tragödie in dem 24-stöckigen Gebäude sichtbar. Die Chance, noch Überlebende zu finden, ist laut den Einsatzkräften ziemlich gering. "Da kam niemand mehr lebend raus. Wir müssen von Hunderten Toten ausgehen", berichteten Einsatzkräfte am Donnerstagmittag. Die Identifizierung der schwer verkohlten Leichen werde sich enorm schwierig gestalten.

Premierministerin kündigt "umfassende Untersuchung" an
Die Behörden vermuten, dass sich rund 600 Menschen zu dem Zeitpunkt in dem Hochhaus aufhielten. Viele von ihnen wurden im Schlaf überrascht. "Es wäre ein absolutes Wunder", sollte einer der in dem Gebäude Eingeschlossenen das Inferno überlebt haben, sagte Polizeichefin Dany Cotton dem Sender Sky News. Premierministerin Theresa May hat eine "umfassende Untersuchung" der Katastrophe angekündigt. Oppositionsführer Jeremy Corbyn forderte am Donnerstag bei einem Besuch am Unglücksort, es müssten "unbequeme Fragen" dazu beantwortet werden, wie sich das Feuer ausbreiten konnte.

Queen besucht Opfer und Helfer
Königin Elizabeth II. und Prinz William haben am Freitag Opfer und Helfer in London getroffen. Die Queen und ihr Enkel besuchten am Freitag eine Notunterkunft in einem Fitnesscenter im Stadtteil Kensington in der Nähe des Brandorts. Schon am Donnerstag hatte die Monarchin den Mut der Feuerwehrleute und die "unglaubliche Großzügigkeit" der freiwilligen Helfer gewürdigt.

May besucht nun auch Opfer der Feuertragödie
Nach breiter Kritik an der Tatsache, dass sich Premierministerin May zwar ein Bild von der Zerstörung an Ort und Stelle gemacht, aber keine Opfer getroffen hatte, hat sich die Regierungschefin am Freitag wie die Queen zu Überlebenden in zwei Krankenhäusern begeben. Sie sprach mit ihnen über die Erlebte und versicherte, dass es eine umfassende Untersuchung über die Brandursache geben werde. Am Donnerstag war noch von "Sicherheitsbedenken" als Grund für den "privaten" Lokalaugenschein Mays die Rede.

Gabor Agardi
Redakteur
Gabor Agardi
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