Di, 12. Dezember 2017

Felipe im Interview

13.06.2017 15:57

"Politiker sind doch auch keine Super(wo)men"

Die grüne Bundessprecherin Ingrid Felipe glaubt nicht, dass die schwarz-grüne Regierungsarbeit in Tirol unter ihrer neuen Funktion leidet. Warum sie sich eine Zusammenarbeit mit der ÖVP auch auf Bundesebene vorstellen kann, ihr Fokus aber in Tirol liegt, verriet sie im "Krone"-Interview.

Frau Felipe, haben Sie heute mehr Arbeit als noch vor einem Monat?
Ingrid Felipe: Natürlich. Aber dank super Teams in Tirol und Wien ist das machbar. Es ist ja nicht so, dass ich die ganze Arbeit alleine machen muss. Man muss die Arbeit aufteilen.
War es sinnvoll, die Ämter von Bundessprecherin und Spitzenkandidatur für die Nationalratswahl am 15. Oktober (Ulrike Lunacek, Anmerkung) zu trennen?
Ja. Es ist gut, wenn man Verantwortung auf mehrere Schultern aufteilt. Es mag für einige zwar ungewöhnlich sein, aber wir haben hier einen Gegenentwurf zu den anderen Parteien gemacht, bei denen sich alles auf eine Person fokussiert.
Haben Sie damit geliebäugelt, auch grüne Bundesspitzenkandidatin zu werden?
Natürlich. Aber nach einem kurzen Gespräch mit meinem Sohn Tristan, der heuer 14 wird, und meiner Mama, die mich als Alleinerzieherin voll unterstützt, war klar: Ich kann nicht nach Wien gehen. Außerdem liege ich meinen Tiroler Grünen im Wort. Ich will 2018 Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl sein und Schwarz-Grün fortsetzen.
Und warum tun Sie sich dann das Amt der grünen Bundessprecherin überhaupt an, wenn Ihr Fokus ohnedies in Tirol liegt?
Der Rücktritt von Eva Glawischnig kam auch für mich sehr überraschend. Ich habe das Amt einerseits für die Grünen, aber auch aus Verantwortung gegenüber der Republik angenommen. Ich will aufzeigen, dass es auch mit einem menschenfreundlichen Klima und ohne Blockade funktioniert.
2013 haben Sie die Funktion als Landessprecherin zurückgelegt. Mit der Begründung, dass sie als Regierungsmitglied mehr als genug Arbeit hätten. Geht sich das heute alles aus?
2013 bin ich neu in die Regierung gekommen. Ich musste die Regierungsarbeit erst erlernen. Hinzu kommt, dass man die Arbeit ja nicht alleine macht. Das versuchen andere Politiker gerne so darzustellen. Politiker sind keine Super(wo)men, die 24 Stunden pro Tag im Einsatz sind und ohne Schlaf auskommen. Das kann weder ein Christian Kern noch ein Sebastian Kurz oder ich. Wir müssen auch schlafen und Freizeit haben, sonst steuern wir auf ein Burnout zu. Ich versuche einmal pro Woche 24 Stunden am Stück frei zu haben.
Apropos Sebastian Kurz: Könnten Sie sich ein Regierungsarbeit mit der ÖVP auf Bundeseben vorstellen?
Sagen wir so: Ich kenne ÖVP-ler, mit denen man gut zusammenarbeiten kann.

Gehört Kurz auch dazu?
Er ist einer der wenigen Minister, die ich nicht persönlich kenne. Außerdem ist mir nicht ganz klar, wofür er politisch steht. Momentan sehe ich ihn aber noch mehr als Blockierer.
Ein Vorwurf von vielen Grün-Wählern ist, dass die Grünen viel öfters sagen, gegen was sie sind (zum Beispiel gegen die Blauen, Anm.) anstatt wofür. Was sagen Sie diesen Wählern?
(Sie überlegt kurz). Weil man oft gefragt wird, wie man zu bestimmten Personen und Parteien steht. Vermutlich deswegen. Aber wir Grünen stehen für eine solidarische Gesellschaft in einer intakten Natur. Das bringt grüne Politik auf den Punkt. Ein gutes Beispiel ist die Öffi-Tarifreform: Die ist gut für Mensch und Umwelt. Aber auch grüne Wirtschaft tut den Menschen und der Umwelt gut.

Wird sich der Wahlkampf auf Bundesebene negativ auf die schwarz-grüne Koalition in Tirol auswirken?
Das wird eine Herausforderung, doch da wir in Tirol von Anfang an Achtsamkeit und Konstruktivität im Umgang miteinander an den Tag gelegt haben, werden wir das aushalten. Natürlich wird es Themen geben, bei denen Grüne und ÖVP nicht einer Meinung sind. Doch das ist ja jetzt auch schon der Fall. Aber es geht um einen zivilisierten Austausch darüber. Und dass alle ÖVP-Minister künftig nur noch das sagen, was mir gefällt, davon gehe ich nicht aus.
Haben Sie eigentlich LH Günther Platter gefragt, ob Sie grüne Bundessprecherin werden dürfen?
(Sie lacht). Nein! Aber ich habe ihn darüber informiert. Doch Günther Platter ist damals auch zu mir gekommen, als der Wechsel von Mitterlehner zu Kurz über die Bühne gegangen ist. Wir haben darüber gesprochen, wie sich das auf Tirol auswirken wird. So auch jetzt.

Markus Gassler, Kronen Zeitung

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