Fr, 15. Dezember 2017

3 Chinesen in Haft

13.06.2017 12:52

Razzia: So sieht eine Spam-Fabrik von innen aus

Fast jeder Internetnutzer kennt sie: Roboter, die über Chat-Dienste und soziale Netzwerke Personen kontaktieren und ihnen mehr oder minder dubiose Angebote unterbreiten. Aber von wo operieren die lästigen Spam-Schleudern und wie sieht der Alltag der Hintermänner aus? Eine Razzia in Thailand liefert dazu nun wertvolle Hinweise und zeigt, welches Ausmaß das Geschäft mit dem Spam mittlerweile angenommen hat.

Ein kleines Haus an der Grenze zwischen Thailand und Kambodscha war Schauplatz einer großen Razzia der lokalen Polizei. Sie vermutete darin ein illegales Callcenter, von dem aus Betrüger ihren Opfern das Geld aus der Tasche ziehen sollten. Gefunden haben die Ermittler allerdings eine Spam-Fabrik. Drei Chinesen hatten sich einquartiert und mithilfe von fast 500 iPhones, einem guten Dutzend Computern und fast 350.000 SIM-Karten Werbebotschaften verschickt.

Die drei Chinesen waren nur Handlanger
Wie die "Bangkok Post" berichtet, haben die drei Männer den chinesischen Chat-Dienst WeChat - im Reich der Mitte mit gut 700 Millionen Nutzern einer der beliebtesten Messenger-Dienste - mit Spam geflutet und versucht, den Nutzern dubiose Produkte zu verkaufen.

Die drei Männer waren dabei offenbar nur Handlanger. Sie erhielten von den Drahtziehern der Spam-Fabrik die Hardware und monatlich umgerechnet rund 4000 Euro und schickten im Gegenzug millionenfach Spam nach China.

Billige Smartphone-Tarife locken Spammer an
Thailand sei dabei vor allem deshalb ein beliebter Standort, weil die Handytarife dort vergleichsweise günstig seien, heißt es in dem Bericht. Für die drei Chinesen hat ihre Spam-Fabrik nun allerdings ernste Konsequenzen. Fünf Jahre Haft drohen ihnen allein deshalb, weil sie mit längst abgelaufenen Visa im Land blieben und dort arbeiteten. Außerdem wird ihnen der Schmuggel der iPhones über die Grenze und die Nutzung nicht registrierter SIM-Karten angelastet. In Thailand herrscht bei Prepaid-SIMs Registrierungspflicht.

Spam-Fabriken bieten viele Dienste an
Die Spam-Fabrik gewährt einen seltenen Einblick ins Leben derer, die mit Spam, Propaganda oder schlicht Klickbetrug ihr Geld verdienen. Mit solchen Anlagen kann man vieles anstellen: falsche Facebook-Likes erzeugen, Tweets verbreiten, Spam über Messenger-Apps verschicken oder Werbebetrug begehen, indem Zugriffszahlen maximiert und an einen Inserenten weiterverrechnet werden, ohne dass die Reklame je ein Mensch gesehen hätte.

Das Geschäft mit Manipulation floriert
Das Geschäft mit Manipulation und Täuschung im Web boomt und Anlagen wie jene in Thailand gibt es in vielerlei Form. Kleine Häuser voller Smartphones in Asien dienen dabei meist dem Klickbetrug oder dem Spam-Versand. Es gibt aber auch große Propagandafabriken vor den Toren Europas, in denen Menschen mit PCs Falschmeldungen verbreiten und Stimmungsmache betreiben. Solche Anlagen hat man beispielsweise im russischen St. Petersburg entdeckt, wo man auf diese Weise im Ausland Stimmung für Präsident Wladimir Putin macht.

Dominik Erlinger
Redakteur
Dominik Erlinger
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