Sa, 25. November 2017

Schlussplädoyers

12.06.2017 22:28

Cosby-Verteidiger attackiert missbrauchte Constand

Im Prozess gegen die US-Fernsehlegende Bill Cosby hat die Verteidigung die Glaubwürdigkeit der mutmaßlich von dem Schauspieler sexuell missbrauchten Frau massiv in Zweifel gezogen. "Lassen Sie nicht zu, dass sie sich als Opfer bezeichnet", sagte Cosbys Anwalt Brian McMonagle am Montag in seinem Abschlussplädoyer zu den zwölf Geschworenen, die über das Schicksal des Ex-Stars zu entscheiden haben.

Cosby selber gab auf Frage des Richters in Norristown im Bundesstaat Pennsylvania bekannt, dass er nicht selber in dem Strafprozess aussagen wolle. Zwischenzeitlich hatte es in den vergangenen Tagen Spekulationen gegeben, dass der 79-Jährige entgegen früherer Ankündigungen vielleicht doch in den Zeugenstand treten könnte.

Cosby-Verteidiger beharrt auf einvernehmlichem Sex
Sein Verteidiger hob angebliche Widersprüche in den Aussagen von Andrea Constand vor, die Cosby beschuldigt, sie im Jahr 2004 in seinem Haus nahe Philadelphia mit Tabletten betäubt und sich anschließend an ihr vergangen zu haben. Constand hatte anfangs abweichende Angaben zum Datum des angeblichen Übergriffs und zu den voraus- und nachfolgenden Ereignissen gemacht.

In seinem 90-minütigen Plädoyer unterstrich McMonagle auch, dass Constand seinerzeit bereits mit Anwälten gesprochen habe, bevor sie erstmals ihrer Mutter von dem angeblichen Missbrauch erzählt habe. Das Hauptargument der Verteidigung lautet, dass Cosby zwar sexuellen Kontakt mit der damaligen Universitätsmitarbeiterin hatte, dieser aber einvernehmlich gewesen sei.

Insgesamt nahm sich die Verteidigung aber nicht viel Zeit, um ihre Argumente darzulegen. Als einziger von ihr benannter Zeuge sagte am Montag einer der Polizisten aus, die seinerzeit Constands Aussage aufgenommen hatten. Er wurde jedoch nur wenige Minuten lang befragt.

Die Staatsanwaltschaft hatte hingegen über die gesamte vergangene Woche hinweg Zeugen aufgerufen, darunter Constand selbst, deren Mutter und ein weiteres angebliches Missbrauchsopfer Cosbys.

60 Frauen beschuldigen Cosby des Missbrauchs
Der Schauspieler wird von rund 60 Frauen beschuldigt, sich in früheren Jahrzehnten an ihnen vergangen zu haben. Da die meisten Anschuldigungen aber verjährt sind, beschränkt sich der Strafprozess in Norristown auf einen einzigen Fall. Dem Fernsehkomiker drohen bis zu 30 Jahre Haft.

Nur wenige Größen der US-Entertainmentbranche sind im öffentlichen Ansehen derart tief abgestürzt wie Cosby. Jahrzehntelang wurde der Afroamerikaner als "Amerikas Dad" verehrt. In der Rolle als liebenswürdiger Arzt und gutmütiger Familienvater in seiner "Cosby Show" war er einer der beliebtesten TV-Stars des Landes. Inzwischen haben sich auch die meisten Kollegen aus dem Show-Business von ihm abgewandt.

Noch immer kein Urteil
Auch nach stundenlanger intensiver Beschäftigung mit dem Cosby-Fall kamen die zwölf Geschworenen - sieben Männer und fünf Frauen - zu keinem Urteil. Am Dienstag berieten sie sich bis 21 Uhr (Ortszeit), bevor die Verhandlungen für diesen Tag abgebrochen werden mussten. Am Mittwoch, das ist der achte Tag des Prozesses, sollen sie wieder aufgenommen werden. Insgesamt haben sich die Geschworenen bereits 16 Stunden beraten, vier davon am Montag.

 krone.at
Redaktion
krone.at
Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden