Do, 14. Dezember 2017

Prozess geht weiter

09.06.2017 23:30

Obdachlosen angezündet: 5 Verdächtige wieder frei

Im Prozess um die Feuerattacke auf einen schlafenden Obdachlosen in Berlin hat das Landgericht am Freitag die Haftbefehle gegen fünf der sechs Verdächtigen aufgehoben. Der sechste Angeklagte, der 21-jährige Hauptverdächtige, bleibt in Untersuchungshaft. Die fünf mutmaßlichen Mittäter kommen jetzt zunächst auf freien Fuß, der Prozess gegen sie geht aber ebenso weiter.

Die 16- bis 21-jährigen Flüchtlinge aus Syrien und Libyen sollen laut Anklage zu Weihnachten 2016 im Berliner U-Bahnhof Schönleinstraße billigend in Kauf genommen haben, dass der 37-jährige Obdachlose Feuer fangen und verbrennen hätte können. Nur durch das Eingreifen von Fahrgästen sei er unverletzt geblieben.

Mehrere Angeklagte hatten den Vorwurf des Mordversuchs zurückgewiesen. Der 21-jährige Nouri N. gab zu, ein Taschentuch in Brand gesteckt zu haben. Er habe den Mann aber "nur durch ein kleines Feuerchen aufschrecken wollen". Zu keinem Zeitpunkt habe er mögliche tödliche Folgen in Kauf genommen.

Kein Mordversuch mehr, sondern nur versuchte Körperverletzung?
Alle sechs Verdächtigen sind wegen versuchten Mordes angeklagt. Am Freitag gab das Gericht allerdings den rechtlichen Hinweis, dass auch versuchte gefährliche Körperverletzung als Delikt infrage komme. Das Höchststrafmaß würde sich klarerweise ändern, wenn der Tatvorwurf abgeändert wird: von einer lebenslangen Haftstrafe auf fünf Jahre.

Für Staatsanwalt Martin Glage ist das nicht verständlich. Die Tat sei kein Lausbubenstreich gewesen, sondern "heimtückisch". Für den Hauptangeklagten forderte er nun eine Strafe von zwei Jahren und zehn Monaten, für drei Angeklagte, die von Anfang an dabei gewesen waren, zwei Jahre und sechs Monate sowie für die beiden Angeklagten, die erst später dazukamen, zwei Jahre auf Bewährung, wie die "Welt" berichtete.

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