So, 17. Dezember 2017

Minus 49,2 Prozent

07.06.2017 16:45

Kuriose Entwicklung bei den Privatkonkursen

49,2 Prozent weniger Privatkonkurse - was auf den ersten Blick positiv ausschaut, ist es nicht. Die Zahl der Privatpleiten ging laut Kreditschutzverband nur deshalb zurück, weil viele auf das neue Gesetz mit Erleichterungen für Schuldner warten. Der KSV 1870 übt Kritik am Gesetz und fürchtet einen Ansturm im Sommer.

Über 154 Personen wurde im ersten Halbjahr in Tirol vom Kreditschutzverband (KSV) eine Privatinsolvenz eröffnet. Im Vorjahr waren es in dieser Zeit noch 303 Privat-Insolvenzen.

Warten aufs "Paradies"

Das Minus von 49,2 Prozent ist für Klaus Schaller, Tirols KSV-Leiter, rasch erklärt. Diese Reduktion sei nicht etwa darauf zurückzuführen, dass es in Tirol kaum mehr überschuldete Haushalte gebe. Vielmehr würden die Schuldner auf für sie "paradiesische Zustände" ab Juli warten. Schaller spricht damit das von der Regierung geplante neue Insolvenzgesetz für Privatschuldner an, das am 1. Juli in Kraft treten soll, aber noch immer nicht abgesegnet ist. Dieses Gesetz sieht keine Mindestquote für die Rückzahlung mehr vor und weitere Erleichterungen für Schuldner. Das Gesetz komme Konsumschuldnern auf Kosten der Allgemeinheit sehr entgegen, übt der Kreditschutzverband heftige Kritik.

Seit Jänner steht die Novellierung im Raum. Entgegen der gesetzlichen Verpflichtung warten die Schuldner mit ihrem Insolvenzantrags ab. Wird das Gesetz beschlossen, fürchtet der KSV einen Ansturm im Sommer. Schaller: "Auch wenn das Gesetz nicht kommt, müssen Betroffene irgendwann handeln. Es bleibt abzuwarten, wie die Gerichte das gesetzeswidrige Zuwarten bewerten."

Weniger Firmen-Pleiten

Die Zahl der Firmen-Pleiten ist um 8,4 Prozent auf 141 zurückgegangen. Nach dem sprunghaften Anstieg im Vorjahr eine "normale" Entwicklung. Großpleiten blieben bisher aus, im Bundesvergleich hat Tirol relativ wenige Firmeninsolvenzen.

Claudia Thurner, Kronen Zeitung

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