Di, 12. Dezember 2017

Böse Ethno-Komödie

07.06.2017 14:46

Bobos im Gemeindebau: "Die Migrantigen"

"Woher kommt ihr?", ist die erste Frage, die Reporterin Marlene den eingefleischten Wienern Marko und Benny stellt. Wer in Österreich einen ausländischen Namen trägt oder südländisch aussieht, weiß Arman T. Riahi, muss sich immer wieder erklären. Ein Umstand, den der Regisseur in seiner bissigen Komödie "Die Migrantigen" (Kinostart: 9. Juni) gleichermaßen ankreidet und durch den Kakao zieht.

Benny (Faris Rahoma) und Marko (Aleksandar Petrovic) sind Bobos, wie sie im Buche stehen: Ihren Lebensmittelpunkt haben sie in einem voll gentrifizierten Wiener Bezirk, ihr Geld geben sie für abendliche White Russians und maßgefertigte Fahrräder aus. Ihr sogenannter Migrationshintergrund spielt für die besten Freunde keine Rolle - warum auch? -, Benny sind die ägyptischen Wurzeln nur äußerlich anzusehen.

Dennoch werden sie immer wieder auf ihr vermeintliches Fremdsein reduziert: Benny, Sohn einer pensionierten Richterin (Margarethe Tiesel) und strauchelnder Schauspieler, hat gerade wieder eine Rolle abgelehnt, weil der überhebliche Casting-Direktor (Josef Hader) ihn nicht als Hauptfigur Moser, sondern als arabischen Taxifahrer Omar besetzen wollte. Und Marko, werdender Vater mit mäßig erfolgreicher Werbeagentur, ging soeben ein lukrativer Deal abhanden, weil sich der Vertreiber von Hipster-Limonade (Dirk Stermann) "was Geileres, was Tschuschenhaftes" von ihm erwartet hat.

Als die beiden eines Tages Markos Vater Bilic (Zijah A. Sokolovic) im Gemeindebau im ethnisch durchmischten fiktiven Grätzel Rudolfsgrund besuchen, wird die TV-Journalistin Marlene Weizenhuber (Doris Schretzmayer) auf sie aufmerksam. Weil die für eine Reportage über den "sozialen Brennpunkt" authentische Protagonisten (sprich: Sozialfälle) sucht, geben sich Benny und Marko spontan mit Gangster-Posen und gebrochenem Deutsch als abgebrühte Kleinkriminelle Omar ("Sharif, wie der Schauspieler") und Tito aus. Das kommt nicht nur bei der sensationshaschenden Reporterin, sondern auch bei den Zusehern gut an: Die Reportage wird ein Quotenhit und zur Dokuserie ausgebaut.

Benny sieht die Chance auf den schauspielerischen Durchbruch und Marko die Möglichkeit, sich aus seinem finanziellen Dilemma zu befreien. Also spinnen sie die abstruse Story weiter, heuern den Grätzel-Bewohner Juwel (Mehmet Ali Salman) an, damit er ihnen zeigt, "wie Ausländer halt so sind". Es dauert nicht lange, bis das aus Klischees gespeiste Lügenkonstrukt die beiden einholt und Auswirkungen auf das reale Zusammenleben im Bezirk hat.

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