Mo, 18. Dezember 2017

"Doppelt" daheim

19.06.2017 11:44

Zweitwohnungsboom verändert Städte in Deutschland

Familie hier, Job da - das ist für immer mehr Menschen in Deutschland Alltag. Viele Fach- und Führungskräfte leisten sich Zweitwohnungen. Die Städte haben Mühe, sich darauf einzustellen.

Montag bis Freitag Berlin. Eine Wohnung im In-Viertel. Abends ein Drink mit Kollegen. Freitag bis Montag Stuttgarter Umland. Ein Haus im Grünen. Grillen mit der Familie, Garten, Hund. Zwei Welten. Dazwischen Stunden auf der Autobahn oder im Zug. Das ist Alltag für immer mehr Menschen in Deutschland, die an mehreren Orten zugleich leben. Statt "Ich hab' noch einen Koffer in Berlin" - wie einst Hildegard Knef und Marlene Dietrich sangen - gilt immer häufiger "Ich hab noch eine Wohnung in ... Berlin, Frankfurt, München, Ingolstadt, Köln oder Wolfsburg". Wissenschafter sprechen von zunehmender Multilokalität, die ganz neue Anforderungen an die großstädtischen Wohnungsmärkte stellt.

Jeder vierte Haushalt lebt multilokal
Mehr als zwei Millionen Haushalte, so schätzen die Experten, unterhalten in Deutschland dauerhaft mehr als einen Wohnsitz. Belastbare Zahlen gebe es zwar nicht, da lange nicht alle in Zweitwohnungsstatistiken auftauchten, sagt Raumforscher Rainer Danielzyk. In einigen Stadtteilen aber wie in Köln-Sülz oder der Leipziger Südvorstadt lebe jeder vierte Haushalt multilokal, hat der Wissenschafter herausgefunden.

Zweitwohnsitze in Großstädten boomen
Dazu kommen noch einmal zigtausend Menschen, die für Projekte ein bis sechs Monate lang zwischen zwei Wohnsitzen pendeln. Familie hier, Job da. Auch Eltern von schulpflichtigen Kindern gehen diesen Kompromiss für einen Arbeitsplatz oder den Sprung auf der Karriereleiter ein. In nur 23 Prozent der Zweitwohnungs-Haushalte lebten demnach Alleinstehende, viele zieht es zum Arbeiten in die Großstädte.

Städte müssen ausbauen
Dabei sind die Ansprüche an eine Zweitwohnung andere als an die Hauptwohnung: zentral gelegen, mit Auto und Zug gut erreichbar. Vor allem aber muss sie ins Budget passen. Bei Berufstätigen in Berlin sind das einer Untersuchung zufolge monatlich im Schnitt knapp 900 Euro. Davon zwei Wohnungen zu finanzieren, ist schwierig. Und bei bezahlbaren Zwei-Zimmer-Apartments stehen die Interessenten Schlange. Bevorzugt wird meist, wer langfristig bleiben kann. Oft stellen Arbeitgeber günstige Firmenwohnungen zur Verfügung, Wohngemeinschaften von Berufstätigen seien ebenso im Kommen, besonders in den deutschen Großstädten.

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