Sa, 18. November 2017

„Hatte Todesangst“

06.06.2017 07:53

Cosby-Prozess mit Zeugenaussage unter Tränen

Der erste Strafprozess gegen den US-Entertainer Bill Cosby wegen mutmaßlicher sexueller Nötigung hat mit der bewegenden Aussage einer Zeugin begonnen. Kelly Johnson tupfte sich beim Auftakt am Montag Tränen aus dem Gesicht, als sie von einem Abend im Jahr 1996 erzählte, bei dem Cosby ihr eine Tablette verabreicht und sexuellen Kontakt mit ihr gehabt haben soll.

"Ich hatte Todesangst, irgendetwas davon zu erzählen", sagte Johnson, die damals als Assistentin in Cosbys Agentur in Los Angeles arbeitete. 

Cosby drohen mehrere Jahre Haft
Das Verfahren in Norristown im Staat Pennsylvania dreht sich um Vorwürfe der früheren Universitätsmitarbeiterin Andrea Constand und soll zwei bis drei Wochen dauern. Johnson wurde wegen ihres offenbar ähnlich gelagerten Falls als Zeugin zugelassen. Trotz der insgesamt 60 Frauen, die Cosby sexuelle Übergriffe vorwerfen, geht es im Prozess nur um die Frage, ob er sich beim Kontakt mit Constand an einem Abend im Jänner 2004 strafbar machte. Bei einem Schuldspruch durch die zwölfköpfige Geschworenen-Jury drohen dem 79-Jährigen mehrere Jahre Haft. 

Cosbys Verteidiger Brian McMonagle stellte Constands Angaben bei polizeilichen Ermittlungen in Frage, bei denen sie Details ausgelassen oder später ergänzt hatte. So habe sie Ermittlern etwa gesagt, ihn nach jener Nacht nicht mehr kontaktiert zu haben, ihn tatsächlich aber mehr als 50 Mal angerufen. Teils hätten die beiden dann eine halbe Stunde und länger miteinander gesprochen. Constands Aussage dürfte den Höhepunkt des Prozesses bilden, auch ihre Mutter soll in den Zeugenstand geholt werden. Constand und Cosby hatten sich außergerichtlich auf eine unbekannte Summe geeinigt und die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eigentlich eingestellt. 

"Dreckige Details" sollen bekannt werden
"Dieser Fall handelt von einem Mann, der seine Macht, seinen Ruhm und seine zuvor geübten Methoden benutzte, um eine junge Frau in einen handlungsunfähigen Zustand zu versetzen, damit er sich sexuell vergnügen kann", sagte Staatsanwältin Kristen Feden in ihrem Eröffnungsplädoyer. Rund ein Jahr nach dem Vorfall sei Constand "gebrochen", habe ihr Schweigen gelüftet und ihrer Mutter die "dreckigen Details darüber offengelegt, wie sie ihrer Hoheit beraubt wurde". Cosby, der zum Auftakt jovial wirkte, verfolgte das Geschehen im Saal aufmerksam. Aussagen will er in dem Prozess aber nicht.

 krone.at
Redaktion
krone.at
Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden