Mi, 13. Dezember 2017

Borreliose

03.06.2017 06:00

"Ich musste alles wieder neu lernen!"

Das Schicksal traf den Landwirt und Leistungssportler Rudolf Buchinger gleich doppelt hart: Er hatte Krebs und eine lange nicht erkannte Borreliose."Ich war oft im Wald unterwegs, jedes Mal brachte ich einige Zecken mit nach Hause. Doch daran war ich gewöhnt und kontrollierte nie, ob es Anzeichen von Borreliose (Wanderröte) gab...!"

Nach einem Arbeitsunfall im März 2012 wurde im Zuge der Untersuchungen auch Krebs diagnostiziert - eine schwere Form des Multiplen Myeloms. "Nun rückte alles andere in den Hintergrund. Ich erhielt eine Hoch-Chemotherapie und eine Stammzelltransplantation, deshalb wurde die bereits um sich greifende Borreliose vorerst nicht erkannt." Immerhin zerstörte aber die Krebsbehandlung auch die Borrelien. Bis es so weit war, hatten die Bakterien jedoch Zeit, die Myelinschicht (Isolierschicht) der Nerven zu schädigen, was eine Polyneuropathie (Nervenerkrankung vor allem an Armen und Beinen) zur Folge hatte. "Ich litt zu dieser Zeit unter massiven Einschränkungen des alltäglichen Lebens, hatte Pflegestufe 7. Meine Finger waren komplett steif - auch heute noch bin ich auf die Hilfe meiner Frau angewiesen, wenn ich eine Flasche Wasser aufschrauben möchte. Mein Gleichgewichtssinn ist gestört, ich kann nicht stehen", so Rudolf Buchinger.

Mit Disziplin von Pflegestufe 7 auf 4
"Obwohl ich früher Leistungssportler gewesen war - österreichischer Meister im Gewichtheben in meiner Alters- und Gewichtsklasse und einer der besten in Europa - musste ich meine Muskeln langsam wieder aufbauen und alle Funktionen wie ein Kleinkind neu erlernen. Physiotherapeutin Anna von der Neurologischen Station am Wilhelminenspital in Wien war mir dabei eine große Stütze." Seine strenge Disziplin hat ihm dabei geholfen, sich von Pflegestufe 7 auf 4 zu verbessern. Derzeit trainiert er das Schreiben mit der linken Hand, da er die rechte nicht mehr einsetzen kann. Dass eine Borrelieninfektion die Ursache seiner Nervenerkrankung war, wurde erst später während eines Rehabilitationsaufenthaltes entdeckt, als einem Arzt das Erscheinungsbild der Polyneuropathie außergewöhnlich vorkam. Rudolf Buchinger: "Ebenso erzählte mir ein Bekannter, der an Borreliose erkrankt war, den selben Verlauf der Infektion. Daraufhin unterzog ich mich einem Borreliose-Test, der den Verdacht bestätigte." Auslöser von Lyme-Borreliose sind Bakterien, die meist von Zecken übertragen werden. Typisch sind ringförmige Rötungen, die sich um die Einstichstelle bilden und meist wandern, oft begleitet von grippeähnlichen Beschwerden. Die Infektion kann auf Gelenke und Nervensystem übergreifen und sollte so früh wie möglich mit Antibiotika behandelt werden. Gegen Borreliose gibt es keine Impfung.

Aufgrund seiner schweren körperlichen Defizite ist es dem ehemaligen Landwirt nicht mehr möglich, einer Arbeit nachzugehen. Seine Überlegung war: "Für irgendetwas musste ich noch gut sein! Bei meiner Recherche bezüglich Borreliose merkte ich, dass es in ganz Österreich bisher nur eine Selbsthilfegruppe gab. Somit war für mich klar, dass eine große Aufgabe auf mich wartete, nämlich österreichweit Selbsthilfegruppen aufzubauen, um Betroffene zu informieren und zu unterstützen. So hat mein Leben wieder einen Sinn bekommen. Für sehr wichtig halte ich auch die Vorsorge. Daher plane ich, z. B. Schulen zu besuchen, um Kinder auf die Gefahren hinzuweisen. In Deutschland gibt es dafür eigenen Broschüren. In Österreich besteht hier noch Bedarf, daher bin ich auf der Suche nach Unterstützern und Sponsoren."

Informationen für Betroffene und Angehörige:
Selbsthilfegruppe: 0676/878 31 117. Mail: erfolgsbuch@aon.at; www.selbsthilfenoe.at

Eva Rohrer, Kronen Zeitung

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