Mo, 20. November 2017

E-Mail aufgetaucht:

30.05.2017 14:55

Eurofighter-Manager planten im Stil der Mafia

Die Pläne der Firma Eurofighter, wie Österreich 2002 zum Kauf von 18 Abfangjägern "überzeugt" werden sollte, könnten auch von gewissen süditalienischen Familien stammen: In einem Schreiben samt EADS-Briefkopf ist über "Drohungen" und "Organisation von Aufständen" zu lesen. Und für den am Mittwoch beginnenden U-Ausschuss interessant: Auch der Name von Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) kommt in dem Papier vor.

"Dieses Mail ist über eine sichere Leitung versandt. Nach Versenden dieser Mail ist der File aus dem Computer hier in Wien gelöscht", schrieb Wolfgang Aldag, der damalige Wien-Repräsentant der Firma EADS, am 19. September 2002 am Schluss seines "Maßnahmenplans", den er an seinen Chef beim Eurofighter-Hersteller EADS, Aloysius Rauen, schickte. Das war zweieinhalb Monate nach dem Kaufbeschluss der Regierung von ÖVP-Kanzler Wolfgang Schüssel - und zwölf Tage nach dem Knittelfelder FPÖ-Parteitag sowie drei Monate vor der Neuwahl am 24. November 2002.

"Drohgebärden aufrechterhalten"
Die Eurofighter-Manager waren in großer Sorge, ob ihr teurer Deal mit der Republik Österreich über den Kauf von 18 insgesamt zwei Milliarden Euro teuren Jets in diesen innenpolitischen Chaostagen auch halten wird. Zitat aus dem Mail: "Hier in Österreich wird das Wann und Was und auch das Ob von den täglichen Ereignissen geprägt."

Deshalb sollte offenbar nicht zimperlich gehandelt werden, wie gleich auf der zweiten Seite des mit "EF-Österreich" betitelten Papiers zu lesen ist: Die Eurofighter-Lobbyisten wollten in einem bevorstehenden Panzerdeal der Steyr Spezialfahrzeuge (SSF) wörtlich die "Drohgebärden aufrechterhalten" - Vertragspartner sollten mit der "Drohung österreichischer Zahlungseinstellung ruhiggestellt" werden. Das sollte die Eurofighter-kritische SPÖ zu einem Schwenk überzeugen (was wenig später auch geschah).

"Aufstand der Wirtschaft organisieren"
Noch weitere Maßnahmen sollten die SPÖ von der Notwendigkeit des Eurofighter-Kaufs "überzeugen", schrieb EADS-Manager Aldag: "Kontaktierung von Gusenbauer/Bures/Häupl". Ebenso die "Pflege der NEWS-Verlagsgruppe", weil sie angeblich "der FPÖ und SPÖ nahesteht". Und die Eurofighter-Dealer wollten einen "Aufstand der Wirtschaft" pro Eurofighter-Kauf organisieren: Die Wirtschaftskammer und die Industriellenvereinigung sollen "zum Jammern angehalten werden" (was realistisch durchsetzbar schien).

"Initiierung der ROTEN VIER"
Aber am meisten Druck sollte auf die SPÖ ausgeübt werden, etwa auch mit der "Initiierung der ROTEN VIER": Das war der Codename für das vier Millionen Euro teure Rapid-Sponsoring (die "Krone" berichtete). Zitat aus dem EADS-Mail: "Der Fußballclub wird von SPÖ-Größen geleitet (z.B. von Gusenbauer). Aktionierung erst nach Notwendigkeit!"

"Nicht nur die SPÖ kommt mit diesen Dokumenten in immer größere Schwierigkeiten, es gibt auch noch andere Spuren", sagt Peter Pilz, der Sicherheitsssprecher der Grünen, vor dem ersten Tag des Untersuchungsausschusses. Im Parlament soll am Mittwoch Wolfgang Peschorn, der angesehene Präsident der Finanzprokuratur, als erster Zeuge aussagen.

Richard Schmitt
Chefredakteur krone.at
Richard Schmitt
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