Mo, 11. Dezember 2017

Zwist in Deutschland

30.05.2017 08:07

Billigfleisch bei Diskonter löst Shitstorm aus

Ein kritisches Posting zu 600 Gramm Steakfleisch um 1,99 Euro sorgt im Netz für Aufruhr. Ein deutscher Konsument postete an die Facebook-Pinnwand eines Diskonters, dass es sich bei dem Schnäppchenpreis nur um "billigsten Dreck" handeln könne, "für dessen Produktion alles und jeder bis zum Anschlag ausgebeutet wurde". Die Community teilt offenbar seine Bedenken - und teilte den Post mehr als 16.000-mal.

Das Posting erhielt mehr als 52.000 Likes oder andere Reaktionen und wurde bereits fast 3500-mal kommentiert. Stein des Anstoßes war ein Angebot für mariniertes Nackensteak um weniger als zwei Euro. Der Konsument prangert an, dass man sich nach Abzug von Verpackung, Transport, Kosten für den Schlachthof usw. ausrechnen könne, "was bei Euch das Fleisch 'wert' ist, das am Ende auf dem Teller liegt. Von preisWERT kann bei diesem Angebot sicher keine Rede sein."

Am Ende des längeren Beitrags wird der User noch ein wenig angriffiger und wünscht dem Unternehmen "von Herzen, dass Ihr vom Verzehr dieser Antibiotika-Schnitzel schlimmes Genitalherpes bekommt mit übelstem Juckreiz, hässlichen eitrigen Pusteln und beißendem Gestank. Aber ich fürchte, dass Ihr dieses ekelhafte Zeug selbst gar nicht anrührt. Und das kann ich sogar verstehen. Naja, vielleicht läuft es ja gut und Ihr bekommt trotzdem irgendeine fiese Seuche. Glück auf!"

Posting vom Unternehmen auf Facebook-Seite verborgen
Nach dem Shitstorm ließ sich der deutsche Diskonter mit einer Reaktion erst nach zehn Tagen sehr viel Zeit. Das Unternehmen ging zunächst auf den Vorwurf ein, den Post verborgen zu haben, um einer Stellungnahme zu entgehen. Das sei nicht der Fall, "sondern weil er gegen unsere Netiquette verstoßen hat. Solche Beleidigungen können wir auf unserer Fanseite nicht dulden." Danach folgt eine kurze Info über die "Tierwohl-Einkaufspolitik" des Konzerns.

Der Verbraucher ist mit dieser knappen Antwort nicht zufrieden. Die Initiative Tierwohl sei nur eine "Schönheitskorrektur". Er gibt dem Diskonter einen Tipp: "Haltet den Verbraucher nicht für blöd. Den Menschen ist das Thema offenbar viel weniger egal, als Ihr es vielleicht meint."

Schließlich verfasste das Unternehmen doch eine ausführliche Stellungnahme auf seiner Website. Der günstige Preis sei auf eine Aktion zurückzuführen, die nur für einen begrenzten Zeitraum gelte. "Das heißt nicht, dass dieser Artikel aus einer anderen oder gar schlechteren Produktion stammt", ließ der Diskonter wissen. Das Fleisch würde alle Voraussetzungen und Vorschriften, was Qualität und Tierwohl betrifft, erfüllen, der Preis komme "unter Verzicht auf eigene Marge" zustande.

Auslöser von Shitstorm wird Medienrummel zu viel
Mit dem großen Echo nach dem Aufreger-Posting hatte der Konsument nicht gerechnet und gab auf seiner Facebook-Pinnwand zu, mit der Situation und Anzahl an Medienanfragen überfordert zu sein: "Es erinnert mich ein wenig an Goethes Zauberlehrling: 'Die ich rief, die Geister, werd' ich nun nicht los'", schrieb er. Er will keine Publicity und auch keine Interviews geben und erklärt: "Es geht um die Sache, nicht um mich. Nicht ich soll im Vordergrund stehen, sondern das Tierleid."

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