So, 17. Dezember 2017

Bundesliga-Abstieg

29.05.2017 11:30

SV Ried: Entsetzen, Frust und tausend Tränen

Fans belagerten nach Rieds Abstieg die Haupttribüne. Die Spieler reagierten fassungslos. Der Vorstand flüchtete in den VIP-Bereich.

Schiedsrichter Dominik Ouschan deutete mit beiden Händen in Richtung Ausgang. Alle Spieler in die Kabinen! Da waren noch zwei Minuten zu spielen. Doch einige Anhänger wollten den drohenden Rieder Abstieg nicht wahrhaben, warfen Feuerwerkskörper aufs Feld. Einen blauen. Einen grünen. Beim gelben sah Ouschan Rot - fünf Minuten Unterbrechung!

In Wahrheit aber fünf Minuten, die den Rieder Abstieg nur noch künstlich verzögerten. Denn da stand eigentlich fest, dass Rieds Gegner in der nächsten Saison nicht Rapid, Salzburg oder LASK heißen. Sondern FAC, Wiener Neustadt oder Blau-Weiß Linz. Der bittere Gang in die Zweitklassigkeit!

"Nach 36 Runden lügt die Tabelle nicht"
Der um 18.25 Uhr amtlich war. Die Rieder sanken auf den Rasen, vergruben ihre Gesichter in ihre Hände. Entsetzen! Frust! Tränen! "Nervt nicht", schrie Torschütze Patrick Möschl im Kabinengang, als er um ein TV-Interview gefragt wurde. Verständlich! Denn Möschl stammelte: "Der bitterste Moment in meiner Karriere."

Thomas Reifeltshammer meinte: "Nach 36 Runden lügt die Tabelle einfach nicht." Heißt: Auch wenn am Ende nur zwei Tore zum Wunder gefehlt haben, ist Ried verdient in der Fußball-Hölle namens Erste Liga. "Wir hatten so viele Chancen", trauerte Reifeltshammer. Noch trister als die Worte war der Blick in die leeren Augen des Rieder Abwehrchefs. "Aber wer am Saisonende unten ist, der steht zu recht dort hinten", wusste Kapitän Thomas Gebauer.

Der auch vom bittersten Moment seiner Karriere sprach. Da half es wenig, dass die Mattersburger die Rieder in die Arme nahmen. Doch der Trost trocknete keine einzige grün-schwarze Träne. Im Gegenteil! Eine Stunde nach dem Abpfiff schlich Möschl mit feuchten Augen noch über den Rasen, umarmte Fans. Leere Blicke! Fassungslosigkeit! Bei manchen  Wut! Nicht auf die Spieler, sondern auf die Situation und die Klubführung, die da schon in den VIP-Bereich geflüchtet war.

Draußen belagerten einige Fans die Haupttribüne. Ein mulmiges Gefühl. Doch die 18 Polizisten samt zwei Hunden im Stadion-Innenraum mussten nicht eingreifen. Gut so! So waren die Fans an diesem traurigen Fußball-Nachmittag die einzigen Gewinner. Im schlimmsten Moment der letzten 14 Jahre gab es sogar Applaus für die Spieler. Das sah auch Manager Fränky Schiemer, der mit leerem Blick resümierte: "Extrem bitter! Aber für den Klassenerhalt hätten wir heute anders auftreten müssen." Trainer Lassaad Chabbi rang um Fassung: "Jetzt geht es in den Urlaub!" Der bitter wird. Entsetzen, puren Frust und manchmal vielleicht auch Tränen bringen wird.

Markus Neißl, Kronen Zeitung

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