So, 19. November 2017

TV-Physiker im Talk:

29.05.2017 06:47

„Die Gletscherschmelze selbst ist völlig wurscht“

Sind die Gefahren durch den Klimawandel tatsächlich so dramatisch wie wir befürchten? Anlässlich eines "Mutter-Erde-Schwerpunkts" im ORF erfuhr Vera Russwurm von TV-Physiker und "Science Buster" Werner Gruber, dass "die Gletscherschmelze selbst völlig wurscht" ist.

"Krone": Werner Gruber, Sie sind durch Ihre unterhaltsamen Erklärungen physikalischer Phänomene mit der Kabarettgruppe "Science Busters" bekannt geworden - die es aber nicht mehr gibt?
Werner Gruber: Doch, obwohl sich nach dem Tod des Physikers Heinz Oberhummer 2015 und meinem "plötzlichen Herztod" knapp davor die Sache für mich erübrigt hat. Ich hatte damals das große Glück, dass die Rettungskette funktioniert hat und ich keine bleibenden Schäden davongetragen hab. Es war Glück im Unglück, weil ich einer jener 5000 Menschen bin, denen das einfach so passiert. Weder Nikotin - nach hundert Zigaretten täglich bin ich seit acht Jahren rauchfrei - noch Alkohol noch sonst was war schuld, nicht einmal mein Übergewicht.

Hatten Sie das nicht damals schon größtenteils "abgebaut"?
Doch, durch eine Magenbypass-OP vor drei Jahren. Insgesamt hab ich heute 40 Kilo weniger, aber da ist noch Luft nach unten!

Also Ihren Lebensstil haben Sie zum Besseren für sich verändert - tragen Sie auch etwas zum Klimaschutz bei?
Natürlich! Ich hab kein Auto, habe ausschließlich Energiesparlampen und wohne zu 100 Prozent wärmeisoliert.

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Gefahren durch den Klimawandel?
Erstens: Es wird zu Völkerwanderungen kommen. Denn in Mikronesien - ein Gebiet von Indonesien bis Australien - gibt es unzählige Inseln, deren höchster Punkt zwei Meter hoch ist. Dieser Bereich wird in einigen Jahren unter Wasser stehen und ein paar Millionen Menschen werden dann ihre Heimat verlieren. Übrigens: Die meisten, die das jetzt lesen, werden das noch erleben.
Zweitens: Krankheiten werden sich ausbreiten. So ist beispielsweise die Malaria im Süden Italiens dieser Tage wieder aufgetaucht. Weil die Krankheitserreger dort, wo es zu heiß wird, nicht existieren können. So breiten sich beispielsweise jetzt auch die Zecken in den Norden aus. Daher hat nun Bayern erstmals (!) großflächig die FSME-Impfung empfohlen. Krankheitsgrenzen verschieben sich eben.

Lässt sich daraus nicht folgern, dass die Zahl der Erkrankten dennoch gleich bleibt?
Nein, leider nicht, weil wenn es für die Erreger zu heiß wird, dann können auch die Menschen dort nicht mehr leben. Und was ziemlich unbekannt ist: Das Wüstengebiet dehnt sich jetzt schon jährlich um etliche Kilometer nach Norden und Süden aus.

Und drittens?
Unwissenheit! So ist zum Beispiel die Gletscherschmelze selbst völlig wurscht. Sogar wenn sämtliche Gletscher schmelzen würden, inklusive Nord- und Südpol, so wäre das eine Erhöhung des Meeresspiegels um maximal ein bis zwei Zentimeter. Die Gefahr liegt in der Temperatur: Wenn sich diese um zwei Grad erhöht, dann dehnt sich das Wasser aus und steigt um zehn Meter! Das ist der Punkt. Oder der Irrtum mit dem tropischen Regenwald - der ist für den Klimawandel unbedeutend. Denn 99,9 Prozent unseres Sauerstoffs wird durch die Algen der Meere produziert - nicht in den Wäldern. Den Sauerstoff, der dort produziert wird, verbraucht das Laub beim Vermodern. ABER: Ohne die Algen sind wir tot! Und wenn sich die Wassertemperatur erhöht, dann sinkt die Sauerstoffproduktion der Algen ...

Die Hauptgefahr für die Erwärmung ...
... liegt in Asien: Rund 800 Millionen Menschen leben in Europa und den USA, rund 2,5 Milliarden allein in China und Indien. Die wollen alle ein Auto und westlichen Standard. Zumindest investiert China massiv in die Windkraft, die viel effizienter ist als Solarenergie. Aber auch das ist nur ein Teilchen ...

Vera Russwurm, Kronen Zeitung

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