Do, 14. Dezember 2017

Schwergewicht am Nil

27.05.2017 08:11

Warum Ägypten für die Weltpolitik so wichtig ist

Ägypten, das Land, das man ein "Geschenk des Nils" nennt, bleibt mit 93 Millionen dicht gedrängten Einwohnern noch immer das Schwergewicht in der arabischen Welt, obwohl es heute durch die albtraumhaften Erschütterungen seit 2011 wirtschaftlich und finanziell schwer unter Druck geraten ist.

Saudi-Arabien und die Golf-Emirate halten Ägypten in ihrem eigenen Stabilitätsinteresse über Wasser, aber das hat für Kairo den Preis, die Politik im Gleichklang mit den arabischen Monarchien auszurichten. Ägyptens Turbulenzen hatten 2011 mit dem Sturz des verkalkten Mubarak-Regimes begonnen. Auf den Arabischen Frühling folgte kein Sommer, denn Demokratie muss man erst lernen (Österreich benötigte dafür 78 Jahre).

Muslimbrüder haben Demokratie verraten
In dem politischen Chaos setzte sich durch Lenkungsfehler von oben einer der radikalsten unter den Muslimbrüdern als Präsidentschaftskandidat durch: der nur beschränkt intelligente und vor allem völlig unerfahrene Mohammed Mursi.

Als langjährige schärfste Oppositionskraft war den Muslimbrüdern der Wahlsieg gewiss. Mursi hatte dann nichts anderes zu tun, als in aller Eile an allen Schaltstellen seine fundamentalistischen Brüder zu installieren. Als sich eine breite Gegenbewegung bildete, geriet Ägypten an den Rand bürgerkriegsähnlicher Zustände.

Sisi hat sich nicht an die Macht gedrängt
Die Armee griff ein. General Abdel Fattah al-Sisi, der heutige Präsident, hatte sich nicht für das Amt aufgedrängt. Heute hat Ägypten ein "Mubarak 2"-Regime, eine verdeckte Militärherrschaft nach Oberst Gamal Abdel Nasser, General Anwar as-Sadat und Luftmarschall Hosni Mubarak. Die Armee sorgt für Ordnung, lebt davon gut und kann schwere Menschenrechtsverstöße kaum noch leugnen.

Die in den Untergrund abgedrängten Muslimbrüder radikalisieren sich zusehends. Sie bleiben (noch?) völlig isoliert. Um einen Keil in das Volk zu treiben, suchen sich die islamistischen Terroristen als Ziele die Christen aus, von denen es in Ägypten mehr gibt als Österreich Einwohner hat. (Die Existenz einer hohen Zahl von arabischen Christen im Orient widerlegt die Mär von der grundsätzlichen Christenfeindlichkeit des Morgenlandes. Die US-Invasion im Irak hat vieles verändert.)

Außenpolitisch hält Ägypten auch unter Präsident Sisi an dem Friedensvertrag mit Israel fest, auch wenn es nur ein "kalter Frieden" ist. Nicht nur Israel, auch Ägypten hält die Grenze zum Gazastreifen geschlossen, weil es die dort herrschende Palästinenserorganisation Hamas beschuldigt, hinter dem Terror von Muslimbrüdern, besonders auf der Sinai-Halbinsel, zu stehen.

Stützpfeiler vernünftiger Politik im Nahen Osten
Die noch immer hartnäckige Abneigung der Ägypter gegen Militanz und Extremismus macht dieses Land zu einem Stützpfeiler für vernünftige Politik im Nahen Osten. Das Land ist so groß, dass es niemanden zu fürchten braucht außer den Hunger. Die oberste Sorge jedes neuen "Pharaos" ist, die finanziellen Mittel für die nötigen Lebensmittelimporte aufzutreiben ...

Kronen Zeitung/krone.at

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