Sa, 18. November 2017

Angriff auf Bus

27.05.2017 08:30

Ägypten: Dutzende Tote bei Massaker an Christen

Bei einem Angriff bewaffneter Männer auf einen Bus mit koptischen Christen sind in Ägypten mindestens 28 Menschen - unter ihnen zwei kleine Kinder - getötet worden. Mehr als 20 Personen seien südlich der Hauptstadt Kairo verletzt worden, teilte ein Sprecher des ägyptischen Gesundheitsministeriums am Freitag mit. Der Bus wurde demnach in der Provinz Al-Minja von Bewaffneten angegriffen. Wenige Stunden nach dem Blutbad führte das ägyptische Militär Luftangriffe auf IS-Ausbildungslager im Nachbarland Libyen durch.

Die Opfer waren auf dem Weg zu einem Kloster gewesen, als ihr Bus von Angreifern mit automatischen Waffen beschossen wurde. Die Angreifer konnten den Angaben des Provinzgouverneurs zufolge fliehen. Die Polizei riegelte die Umgebung mit Kontrollpunkten ab.

In der Region um Al-Minja leben zahlreiche Christen. Ägyptens Christen waren bereits mehrfach Ziel von Anschlägen. Anfang April starben am Palmsonntag bei einem Doppelanschlag auf Kirchen in Alexandria und Tanta mehr als 45 Menschen. Die Terrormiliz Islamischer Staat reklamierte die Taten für sich.

Anfang Mai drohten die Extremisten mit neuen Angriffen auf Christen. Muslime sollten Ansammlungen von Christen und Ausländern aus dem Westen meiden, warnte ein namentlich nicht genannter Anführer der Gruppe in einem Interview der IS-Publikation "Al-Nabaa". Er forderte Muslime auch dazu auf, Einrichtungen der ägyptischen Armee, Polizei und Regierung fernzubleiben.

Sisi: "Werden Terroristen hierzulande und im Ausland angreifen"
Die Regierung in Kairo zögerte nicht lange und griff wenige Stunden nach dem Attentat auf die Gläubigen Dschihadisten-Ausbildungslager in der libyschen Küstenstadt Derna an. Dabei soll es auch Tote gegeben haben. Ostlibysche Sicherheitskräfte beteiligten sich nach eigenen Angaben an den Luftangriffen. Den Bombardements würde auch eine Operation am Boden folgen, hieß es.

"Ägypten wird nicht zögern, Terroristencamps hierzulande oder im Ausland anzugreifen", sagte Präsident Abdel Fattah al-Sisi in einer Fernsehansprache. Die ägyptische Luftwaffe hatte bereits im Februar 2015 Angriffe auf Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat in Libyen geflogen, nachdem IS-Kämpfer ein Video veröffentlicht hatten, das die Enthauptung von 21 Christen aus Ägypten zeigte.

Kardinal Schönborn "tief betroffen"
"Tief betroffen und entsetzt" über den jüngsten Anschlag hat sich Kardinal Christoph Schönborn gezeigt. Sein Gebet und sein Mitgefühl seien bei den Opfern und ihren Angehörigen, erklärte der Kardinal am Freitag. Jedes neue Attentat mache deutlich, dass der Hass nicht das letzte Wort haben darf, so Schönborn.

Kanzler war erst vor wenigen Tagen in Ägypten
Auch Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ), der erst am Mittwoch in Ägypten zu Besuch gewesen war, verurteilte den Angriff auf die Kopten. "Die Versuche radikalislamistischer Gruppen, Ägypten zu destabilisieren, werden keinen Erfolg haben", schrieb Kern auf Facebook. "Österreich und Europa stehen an der Seite des ägyptischen Volkes und der vom Terror geplagten Kopten. Die Beiträge Europas zur wirtschaftlichen Entwicklung und die gemeinsamen Maßnahmen zur Bekämpfung von Terror werden wir wie vereinbart fortsetzen", hieß es in seinem Posting weiter.

Kurz: "Entschlossen gegen Christenverfolgung weltweit kämpfen"
Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) schrieb auf Twitter: "Der Angriff auf Christen in Ägypten ist zutiefst zu verurteilen. Meine Gedanken sind bei den Familien und Freunden der Opfer. Werden weiter entschlossen gegen Christenverfolgung weltweit kämpfen und für Religionsfreiheit eintreten."

Israel: Kein Unterschied zwischen Terror in Ägypten und anderswo
Israel verurteilte die Tat scharf. Es gebe keinen Unterschied zwischen dem Terror, der Ägypten getroffen habe, und Terror, der andere Staaten treffe. Der Terror werde schneller besiegt sein, wenn alle Länder ihn gemeinsam bekämpfen würden, hieß es in einer Mitteilung des Büros von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu.

Christen machen rund zehn Prozent der mehr als 90 Millionen Ägypter aus. Papst Franziskus hatte Ägypten Ende April bei einem Besuch in Kairo im Kampf gegen religiösen Extremismus und Terror gegen Christen in die Pflicht genommen. Die Probleme müssten sofort angegangen werden, "um ein noch schlimmeres Abdriften in die Gewalt zu vermeiden", sagte der Pontifex bei einem Treffen mit Staatspräsident Abdel Fattah al-Sisi.

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